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Zum Geburtstag von Reinhard Onnasch : Sein Revier ist das ganze weite Feld der Zeitgenossen

Er hat 1969 seine erste Galerie am Kurfürstendamm eröffnet: zum siebzigsten Geburtstag des Berliner Galeristen und Sammlers Reinhard Onnasch.

          Neunzehn Favoriten aus dem alten Europa und der Neuen Welt sind auserwählt, den 1939 in Görlitz geborenen Bauunternehmer, Galeristen und Sammler Reinhard Onnasch beim Eintritt ins nächste Lebensjahrzehnt zu begleiten: nicht persönlich, versteht sich, sondern in Gestalt von Werken, die der Jubilar im Laufe von vierzig Jahren mit nie erlahmendem Engagement zusammentragen konnte. Um der Öffentlichkeit einen Begriff von den Schwerpunkten seiner auf tausend Positionen geschätzten Kollektion zu vermitteln, zeigt Onnasch seit Anfang 2007 in groß dimensionierten Schauräumen in der Zimmerstraße 77 in Berlin-Mitte, zwischen Gendarmenmarkt und Checkpoint Charlie, hochkarätig bestückte Einzelausstellungen jener Künstler, deren Werk ihm vorrangig am Herzen lag.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ihren kryptisch anmutenden Namen „El Sourdog Hex“ erhielt die Non-Profit-Galerie nach einem Wortspiel des Amerikaners George Brecht, mit dessen Fluxus-Werken Reinhard Onnasch 1973 in Downtown Manhattan - nach Berlin und Köln - einen dritten Standort für den Handel mit zeitgenössischer Kunst eröffnete, den er allerdings im Zuge einer Rezession 1975 wieder aufgeben musste. Ihr New Yorker Debüt erlebten hier die jungen Deutschen Gerhard Richter, Bernd Koberling, C. O. Paeffgen und Hubert Kiecol, während die Amerikaner Richard Artschwager, Edward Kienholz, William Copley, George Segal und Richard Serra einen marktkundigen europäischen Betreuer fanden.

          Einzelausstellungen mit Kunstgrößen

          Mit Arbeiten des seinerzeit auch von René Block vertretenen Gerhard Richter hatte der gerade dreißigjährige Bauunternehmer, den es nach monotonen Tagen im Büro unwiderstehlich zur bildenden Kunst zog, 1969 am oberen Kurfürstendamm eine Galerie eröffnet. Inzwischen zum teuersten deutschen Maler aufgestiegen, entfällt Richters Präsenz im aktuellen Defilee von Onnaschs bevorzugt vertretenen Künstlern. Glanzvolle Einzelauftritte genossen bisher die beiden amerikanischen Farbfeldmaler Morris Louis und Kenneth Noland, Claes Oldenburg, der mysteriöse Chilene Roberto Matta, der Fotorealist Howard Kanovitz, Markus Lüpertz als „Dithyrambiker“ und Jason Rhoades, der früh verstorbene Multimedia-Star aus Los Angeles.

          Nach einem Auftritt des Lichtkünstlers Keith Sonnier wird man zum Ende des Jahres das Kontrastprogramm von gegenständlich gebundenen und frei abstrahierenden Künstlern mit dem Soldatenbordell „Roxy's“ von Edward Kienholz beschließen, das 1968 zum Publikumsmagneten der vierten Documenta in Kassel aufgestiegen war. Noch vor seinem Abstecher nach New York hatte Reinhard Onnasch 1971 mit einer Ausstellung „20 Deutsche“, die Eigenbesitz mit Leihgaben der befreundeten Galeristen Alfred Schmela und Fred Jahn verband, überregionale Aufmerksamkeit geweckt.

          Zu Gast in der Nationalgalerie

          Der ebenfalls Kunst sammelnde Berliner Immobilienhändler Hans Hermann Stober attestierte dem Kollegen seinerzeit, er habe „mit 0,0 Prozent Fehlerquote“ die wichtigsten Künstler der sechziger Jahre ausgewählt. Vom Erfolg seiner Bilanz ermutigt, tätigte Onnasch in der Folgezeit Ankäufe umfangreicher Werkgruppen von Dieter Roth, Erwin Heerich und Stefan Wewerka, drei Protagonisten der damals in Berlin und Köln gezeigten Übersicht.

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