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Zukunft der Galerien : Die Großen werden immer größer und die Kleinen schließen

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Es ist eine Debatte über die Zukunft der Kunstgalerien entbrannt - in New York, Berlin und ganz besonders in Paris. Was ist da los in der französischen Hauptstadt? Gehört die Zukunft den Megagalerien?

          Das Wort fermeture, möchte niemand gern hören. Statt von Schließung zu sprechen, entschied sich Aline Vidal im September 2012, fortan ohne feste Ausstellungsräume als „nomadische Galerie“ zu arbeiten. Jérôme und Emmanuelle de Noirmont gaben Ende März ihren Galeriebetrieb auf und werden sich in Zukunft auf andere Weise für die Kunst einsetzen. Ein gegensätzliches Signal kommt allerdings von der Berliner Galerie Max Hetzler, die gerade bekanntgab, im nächsten Jahr einen zweiten Standort zu eröffnen - ausgerechnet in Paris. Von New York hat der Kritiker Jerry Saltz seine Sorge um die Galerie als sozialer Ort in die Welt geschickt. Immer mehr würde nur noch virtuell über Kunst kommuniziert.

          Noirmont wollte keine XXL-Galerie werden

          Ist die Suche nach neuen Geschäftsmodellen ein Zeichen für generelle Verunsicherung auf dem französischen Kunstmarkt? Natürlich wirft es Fragen auf, wenn die renommierte Galerie de Noirmont, die Künstler der Marktspitze wie Jeff Koons, Keith Haring oder A. R. Penck vertritt, die Tore schließt. In einem offenen Brief nennen Jérôme und Emmanuelle de Noirmont jedenfalls zwei Gründe: Zum einen habe sich ihr Metier seit der Gründung der Galerie 1994 sehr verändert, und zum anderen würde ein ungesundes politisches Klima und die Steuerlast in Frankreich unternehmerischen Enthusiasmus unterbinden.

          „Die Positionierung einer Galerie“, so sagt Jérôme de Noirmont im Gespräch, „ist sehr wichtig. Es gibt Galerien mit jungen Künstlern und überschaubaren Kosten, dann die spezialisierten Nischengalerien. Und schließlich gibt es die Blockbuster, die Megagalerien.“ Die Galerie de Noirmont hatte jenes kritische Niveau erreicht. In eine XXL-Galerie zu investieren, mit noch mehr Künstlern, erhöhtem Lagerbestand bis hin zum verdoppelten Personal, stand eine Zeitlang ernsthaft zur Debatte. Letztlich war es dann eine Mischung aus persönlichen Erwägungen und einer negativen Einschätzung des politischen Klimas, die zur Entscheidung für die Schließung geführt hat.

          Ropac erreicht die nächste Dimension

          Thaddaeus Ropac, der bereits Galerien in Salzburg und im Pariser Viertel Marais betreibt, hat unterdessen das Modell der Megagalerie mit seinen neuen, fast fünftausend Quadratmeter großen Räumen in Paris-Pantin verwirklicht. „Wir gehen in eine andere Dimension“, sagt Ropac. Dazu benötigte er zwei Jahre für die Renovierung der denkmalgeschützten Industriehallen und machte Investitionen, die Optimismus voraussetzen. Selbst wenn der österreichische Galerist einhellig mit Jérôme de Noirmont feststellt, dass es schwieriger sei, in Paris zu arbeiten als anderswo, ist er doch überzeugt vom Potential der Stadt. In New York habe man ihn gefragt why Paris, warum nicht London oder Hongkong? „Da habe ich gemerkt“, erklärt Ropac, „dass Paris nicht den Stellenwert hat, den es verdient.“

          Die französische Regierung verunsichert den Kunstmarkt

          Über die französischen Handicaps sind sich alle einig: Auch Karsten Greve, Suzanne Tarasiève, Aline Vidal oder Bernard Zürcher finden es höchst problematisch, dass immer wieder eine Vermögensteuer auf Kunstwerke im Raum steht. Gerade jüngst wurde wieder, pünktlich zum Salon du Dessin, vom immer selben konservativen Abgeordneten ein Gesetzesantrag eingereicht.

          Außerdem spüren es inzwischen besonders die großen Galerien, dass unter der aktuellen Regierung zahlreiche Unternehmerfamilien ins Ausland abwandern, um dem Steuerdruck zu entgehen. „Die sehen wir dann in Brüssel wieder“, bemerkt Suzanne Tarasiève trocken. Auch die Budgetkürzungen im Rahmen der allgemeinen Sparpolitik haben deutlich negative Auswirkungen: So wurde die Monumenta 2013, für die das von Ropac vertretene Künstlerpaar Kabakov eingeladen war, trotz fortgeschrittener Planung per E-Mail von der Kulturministerin Filippetti auf 2014 vertagt.

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