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Zukunft der Galerien : Die Großen werden immer größer und die Kleinen schließen

  • -Aktualisiert am

Sammler aus Leidenschaft sind treu

Trotz der Verunsicherungen durch die Regierungspolitik ist der französische Kunstmarkt dynamisch. Einerseits wird das Mäzenatentum besonders gefördert, und die steuerlichen Absetzungsmöglichkeiten sind besser als in anderen Ländern, etwa in Deutschland oder Österreich. Das sei wirklich ein Anreiz, kommentiert Ropac. Andererseits, und das bestätigt de Noirmont, hat Frankreich das Glück, Sammler zu haben, die aus Leidenschaft Kunst kaufen: „Nichts ist gefährlicher als eine Kundschaft, die nach Marktgesichtspunkten handelt und bei den leisesten Zeichen flieht. Die französischen Käufer sind solide und treu, sie sind viel weniger versatil als in den Vereinigten Staaten.“

Karsten Greve (Köln/Paris/St.Moritz) stellt fest, dass sich der Markt erweitert, weil neue Generationen aus immer mehr Ländern Kunst sammeln. In Paris präsent zu sein, ist für ihn äußerst positiv, schon allein, weil täglich 200.000 internationale Besucher in die Stadt reisen, die sich für Kultur interessieren. „In Paris kommen an jedem Samstag 300 Leute in unsere Galerie, in Köln sind wir glücklich, wenn dreißig Besucher kommen.“

„Wenn man sich als Galerist vergrößern möchte, geht das eigentlich nur über ein Standbein in einem weiteren Land“, bestätigt Bernard Zürcher, der vor fünf Jahren neben Paris eine zweite Galerie in New York eröffnete. Diese Entscheidung garantiert ihm heute Unabhängigkeit. So kann er seine französischen Künstler dort exklusiv präsentieren und umgekehrt seine amerikanischen Künstler ohne Zwischenhändler in Frankreich einführen.

„Man muss zu verlieren wissen, um wieder gewinnen zu können“

Wie im Gespräch mit Bernard Zürcher fällt auch bei Suzanne Tarasiève mehrmals das Wort désir, Leidenschaft. Sie vertritt in ihren beiden Pariser Galerien auch deutsche Künstler wie Markus Lüpertz, Helmut Middendorf, Tobias Lehner oder Anne Wenzel, die von den Franzosen geschätzt werden; ihre Marktquote sei deswegen vergleichsweise hoch. Ihre erste Galerie machte Tarasiève 1978 in Barbizon auf. Krisen hat sie seither schon mehrmals durchlebt: „In diesem Metier muss man zu verlieren wissen, um wieder gewinnen zu können.“ Im Moment bemerke sie eine Unsicherheit, was die Zukunft anbelangt, weshalb weniger spontan gekauft werde.

Aline Vidal hat entschieden, dass es für ihre Galerie nicht mehr unbedingt notwendig ist, einen festen Standort zu haben. Das Modell der traditionellen Galerie hält sie für überholt, weil heute auf Messen oft mehr als in den Galerien verkauft werde. Außerdem mache das Internet und die sozialen Netzwerke Information überall zugänglich und sorgten für schnelle Verbreitung. Aber auch persönlich hat sie das Bedürfnis nach Veränderung: „Ich möchte ein neugieriges Publikum und meine Künstler in eine bewegliche Geographie mitnehmen.“ Aline Vidal behält ein Büro in Paris und möchte im Jahr drei bis vier Ausstellungen an verschiedenen Orten organisieren, vielleicht auch einmal grenzüberschreitend nach Belgien oder Deutschland.

Ist Paris wieder im Aufwind?

Für die Berliner Galeristen Max Hetzler und seine Frau Samia Souma - eine Französin, die bis in die neunziger Jahre eine Galerie in Paris führte - ist es durchaus interessant, ihre Künstler direkt in der französischen Hauptstadt zu vertreten. Seit Jennifer Flay die Leitung der großen Herbstmesse FIAC übernommen hat, sehen sie Paris als aufsteigenden Platz; das derzeitig negative Klima halten sie für eine vorübergehende Erscheinung. Und wer wird Jeff Koons demnächst in Frankreich vertreten? Nur eines lässt sich sagen: In Berlin ist es Max Hetzler und in Paris war es Jérôme de Noirmont.

Der offene Brief von de Noirmont ist vor allem als Aufschrei an die derzeitige Regierung zu verstehen. Doch die Galerieszene hat sich verändert. Zunehmend wird Kunst per E-Mail gehandelt. Die Spekulationen nehmen zu. Jérôme und Emmanuelle de Noirmont möchten jetzt auf andere Weise die Gegenwartskunst unterstützen. Es soll um Projekte an der Nahtstelle zwischen Galerien, Institutionen und Museen gehen: um die Kunst als menschliches Abenteuer und nicht nur als Marktwert.

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