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Zeitgenössische Kunst : Alles Gute aus dem Untergrund

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Die Rebellen sind unter uns. Mária Bartuszová, Lamia Ziadé und Zena el Khalil, Fergus Greer und Michael Landy zeigen ihre Werke: Unser Rundgang durch Münchener Galerien

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          Wie ein Irrläufer mutet die Angabe „documenta 12“ im Ausstellungsverzeichnis von Mária Bartuszová an. Denn die 1936 in Prag geborene Bildhauerin, die 1996 in der Slowakei starb, konnte ihre Arbeiten fast nur in Osteuropa zeigen. In Kassel, im Aue Pavillon, entdeckte Rüdiger Schöttle im vergangenen Jahr die organischen Plastiken der Bartuszová, und jetzt widmet ihr der Münchner Galerist die erste Einzelausstellung außerhalb ihrer Heimat. Manche Werke erinnern an riesige, bröselige Eierschalen oder geöffnete Zellhaufen, andere an zähen Teig, den Schnüre am Auseinanderfließen hindern oder der unter Druck fortquoll. Wie Künstlerkollegen im Westen bezweifelte Bartuszová die Endgültigkeit der klassischen Qualitäten von Skulptur und unterwanderte sie einerseits mit „fließenden“, weichen Formcharakteren und, in einem anderen Ansatz, mit Raumdurchdringung statt Raumbesetzung.

          Lucio Fontana nannte sein Aufschlitzen von Leinwänden und Bronzekörpern „concetto spaziale“ In der Zielsetzung vergleichbare „Raumkonzepte“ schafft auch Bartuszová, wenn sie, Jahre bevor Rachel Whiteread den Raum unter einem Stuhl oder vor einer Wand durch Abgießen dokumentiert, das Negativabdruckverfahren anwendet und dafür luftgefüllte Ballons mit ihrem Lieblingswerkstoff Gips ausgoss, also Leerraum in Volumina wandelte. Manchmal muss man an Eva Hesse denken und deren Streben nach Übergängen von Form zu amorpher Struktur - nur dass die, übrigens im selben Jahr geborene Bartuszová, eher zu biomorphen Anmutungen gelangt. (Die Plastiken kosten von 9500 Euro an bis in Regionen „auf Anfrage“.) Schöttle läutet übrigens mit dieser Neuentdeckung ein Jubiläum ein: Vor vierzig Jahren eröffnete er seine Galerie und hält damit den Rekord unter den Münchner Kollegen.

          Zwei Damen in Hochform

          Naila Kunigk hingegen fängt noch mal etwas ganz Neues an: Gerade hat die Mitinhaberin der Galerie Tanit in ihrer Heimatstadt Beirut eine Galerie für ihr internationales Programm eröffnet, das dort gleich auf gute Resonanz stieß. Jetzt zeigt die Pendlerin zwischen zwei Welten in einer Art interkulturellem Gegenzug junge libanesische Künstlerinnen in München. Lamia Ziadé, 1968 in Beirut geboren, zog mit achtzehn Jahren nach Paris. Sie entwarf Stoffe für Gaultier und Issey Miyake, gestaltete Poster und Kinderbücher. Dann brauchte sie offenbar eine Art sexuellen Befreiungsschlag und outete sich auf Ausstellungen wie „Sexy Souk“ in Paris als Künstlerin, die auf öffentliche Schamgrenzen, zumal der arabischen Welt, pfeift. Aber auch der westliche Besucher weiß nicht so recht, wo er hinschauen soll, wenn ihn bei Tanit pop-bunte Kissen in Gestalt von Frauen in krass eindeutigen Situationen empfangen (ab 2800 Euro).

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