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Zeichnungen : Zufallsfund in Paris

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Die Galerie 1900-2000 zeigt Zeichnungen von Francis Picabia. Einige der Blätter waren zuvor noch nie öffentlich ausgestellt. Sie sind eine Entdeckung aus dem Nachlass André Bretons, der selbst in der Rolle des Artisten zu sehen ist.

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          Im April 2003 ist alles, was André Breton in seiner Atelierwohnung an der Rue Fontaine in Paris in Jahrzehnten zusammengetragen hatte, im Hôtel Drouot versteigert worden. Seine Tochter Aube Elléouët und die Enkelin Oona haben die Sammlung des Dichters und Anführers der Surrealisten vollständig aufgelöst - oder fast. Nun hat Aube Elléouët durch Zufall noch einen Umschlag entdeckt, der seit den frühen zwanziger Jahren ungeöffnet geblieben war. Er enthielt 26 Kreide- und Tuschzeichnungen sowie zwölf Tuschskizzen in Vignettengröße von Francis Picabia, die dieser im Auftrag Bretons als Entwürfe für die Titelseite und als Illustrationen für die Zeitschrift "Littérature" entworfen hat.

          Experimentierfeld Zeichnung

          Das gesamte Konvolut ist jetzt in der Pariser Galerie 1900-2000 ausgestellt, die anlässlich dieser Entdeckung einen kleinen Katalog mit Texten des Kunsthistorikers William Camfield und des Künstlers Jean-Jacques Lebel herausgegeben hat. Neun der in Schwarzweiß und klaren graphischen Formen gehaltenen Zeichnungen sind auf dem Titel der Nummern vier bis zwölf der Zeitschrift erschienen, die André Breton 1922 und 1923 leitete, und zwei weitere wurden 1956 von Gabrielle Buffet-Picabia - seiner ersten Frau - in der Zeitschrift "L'OEil" veröffentlicht.

          Die restlichen fünfzehn sind zuvor noch nie gezeigt worden. Sie bieten einen weiteren Aspekt des vielfältigen Künstlers, dessen Arbeiten sein Freund Marcel Duchamp als eine "kaleidoskopische Serie von Experimenten, die kaum miteinander verwandt sind", bezeichnete, und liefern ein Zeugnis für die ereignisreiche Zeit des Übergangs vom Dadaismus zum Surrealismus. Zwischen André Breton, Tristan Tzara und Francis Picabia, die den harten Kern der Pariser Dada-Gruppe bildeten, kam es schon 1921 zu Reibereien, die zum Zerwürfnis zwischen Breton und Tzara führten. Im Mai 1922 bat Breton Picabia um die Mitarbeit bei der Zeitschrift "Littérature".

          Das Konvolut bleibt erhalten

          Die Titelentwürfe Picabias sind vieldeutige Stellungnahmen zu den Bestrebungen des aufkommenden Surrealismus: Die ineinander verschlungenen, kopflos schwebenden Frauenkörper eines Titels von 1923 könnten auf die Hypnoseversuche der Gruppe hinweisen. Ein Baum, aus dessen Krone Köpfe herauswachsen, deutet die Vormachtstellung des im Vordergrund porträtierten Breton an. Zu den unveröffentlichten Entwürfen gehört ein Bild, das Breton mit gestreiftem Leib im Profil zeigt, wie er das Wort "Littérature" wie Seifenblasen aus einem Röhrchen entlässt.

          Aube Elléouët und ihre Tochter Oona haben anlässlich der Versteigerung der Sammlung André Breton dem französischen Staat Werke im Wert von mehr als sechs Millionen Euro geschenkt. Dieses neuentdeckte Konvolut steht jetzt für zwei Millionen Euro zum Verkauf, jedoch nur unter der Bedingung, dass es geschlossen in den Besitz eines französischen Museums übergeht. Der Erlös ist für die Krebsforschung bestimmt. Das Musée d'Art moderne de la Ville de Paris hat schon Interesse angemeldet.

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