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Zeichnungen : Göttin in Gefahr

Der Kosmos von Blexbolex: Ihm geht die Farbe nicht aus. Produktiv präsentiert sich der Zeichner bei der Galerie Streitenfeld in Oberursel.

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          Seit einem Jahr lebt der französische Zeichner Blexbolex in Berlin, und seitdem ist seine Produktion regelrecht explodiert. Nicht nur, dass er mit dem dicken Bildband „Leute“, der in kräftigen Farben und klugen Kombinationen piktogrammartige Einzelporträts von Berufsgruppen oder speziellen Eigenschaften vorstellt, eine der gewitztesten Publikationen für Kinder geschaffen hat (die aber auch für Erwachsene ein reines Vergnügen darstellt), der zweiundvierzig Jahre alte Künstler, der eigentlich Bernard Granger heißt, hat auch zu einer neuen Freiheit in seinen Arbeiten gefunden.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die auf Zeichnung spezialisierte Galerie Streitenfeld in Oberursel bei Frankfurt richtet ihm nun seine erste deutsche Präsentation aus: Mehr als sechzig Arbeiten werden gezeigt, darunter auch größere Bilder, die aber dem virtuosen Umgang des Künstlers mit allen Zeichensystemen, die Design, Werbung und Comic bereithalten, sowie seinen charakteristischen farbsatten Formen treu bleiben. Ganz frisch aus dem Atelier ist eine Küstenszenerie gekommen, über der wie eine auferstandene Göttin eine blutrote nackte weibliche Silhouette schwebt. In den Wellen aber lauert Gefahr durch Unterseeboote, Haie und Detonationen (3900 Euro).

          Ein Krimi in Bildern

          Bekannt geworden ist Blexbolex in Deutschland mit seinem Siebdruckheft „Die Flucht nach Abecederia”. Auch aus dem Umfeld dieser kriminalistischen Bildergeschichte sind Blätter ausgestellt, wie fast immer auf dünnstem Seidenpapier gezeichnet, das bisweilen unter dem kräftigen Farbauftrag Falten wirft und damit eine organisch wirkende Oberfläche erzeugt. Besonders eindrucksvoll ist dadurch eine Porträtserie von zwölf Köpfen in intensivem Blau und Rot geraten (jeweils 400 Euro).

          Der Höhepunkt aber ist unverkäuflich: die noch nie gezeigten Skizzenbücher, die von der Perfektion her freilich eher als Künstlerbücher gelten müssen. Blexbolex hat gleich fünf nach Oberursel gegeben, und was sich beim Durchblättern da auftut, ist ein ganzer Bilderkosmos, der nicht nur erkennen lässt, wie die Motive an den Wänden entwickelt wurden, sondern auch, was von diesem Künstler noch alles zu erwarten sein wird.

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