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Wiener Galerien : Im langen Schatten der globalen Galerien

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Die Lage der Kunstszene in Österreichs Hauptstadt ist alles andere als rosig: Bestandsaufnahme in einer einst euphorischen Stadt

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          Wer dieser Tage die Kerstin Engholm Galerie in Wien besucht, findet die großen Glasfenster verhängt. Nach siebzehn Jahren lässt Engholm den Ausstellungsbetrieb ruhen und legt für ein paar Monate eine „Nachdenkpause“ ein. „Wir sind auf der Suche nach neuen Modellen und Strukturen“, hieß es in der offiziellen Mitteilung dazu. Im Gespräch betont die 1965 geborene Tochter des früheren SPD-Politikers Björn Engholm, dass das Geschäftsmodell von Galerien am Rand Europas nicht mehr funktioniere: „Zu viele kämpfen um einen zu kleinen Kuchen.“ Der Schatten global agierender Großgalerien und auf den Primärmarkt drängender Auktionshäuser werde immer länger. Die Galeristin möchte nun vorerst ihren persönlichen Thinktank betreiben und „eine neue Form von Networking andenken, mit der sie ihre Künstler international besser versorgen“ könnte.

          Engholms Galerie befindet sich im Freihausviertel, das in den neunziger Jahren noch von Heroinspritzen geprägt war, heute sind es schicke Geschäfte und Lokale. Um das Jahr 2000 herum erlebte die Wiener Kunstszene eine noch nie dagewesene Gründerzeit. Damals entstanden Galerien-Cluster, die der zeitgenössischen Kunstproduktion tolle Schaufenster verschafften und für den Aufschwung vernachlässigter Straßenzüge sorgten. Fast wehmütig erinnert sich Engholm an die ersten Gruppeneröffnungen in der Schleifmühlgasse, die zu den coolsten Events der Stadt zählten. Das vielversprechende Sammlerpotential habe sich aber nicht so gut entwickelt wie erhofft.

          „Mehr Käufer, aber nicht mehr Sammler“

          Kerstin Engholms ehemaliger Nachbar Andreas Huber wagte sich erst 2005 auf das dünne Eis des Kunstmarkts. Elf Jahre lang baute er junge Positionen, wie den Maler Florian Schmidt, auf und zeigte zu wenig beachtete ältere Künstler, etwa Rudolf Polanszky. Dennoch hat er seine Galerie im vergangenen August geschlossen. Er lege vor allem eine Pause von den hohen Fixkosten ein, sagt Huber, der seinen Beruf nicht an den Nagel hängen will: „Ich wünsche mir mehr Hedonismus und weniger Gehetztsein.“ Immerhin habe er ein Jahr seiner Lebenszeit auf Kunstmessen verbracht. Lange galt die Teilnahme an Messen wie der Art Basel oder der Londoner Frieze, die in Österreich staatlich gefördert wird, als das A und O für den Erfolg heimischer Galerien.

          Während die Galerienmeile in der Schleifmühlgasse Federn lassen muss, erstrahlt einen Katzensprung entfernt die Galerie MeyerKainer in der Eschenbachgasse in neuem Glanz. Bei einem Umbau wurden jüngst die hohen Fenster wieder freigelegt. Christian Meyer schaltet die Neonröhren aus und beweist, dass die bunten Gemälde von Martina Steckholzer nun auch bei Tageslicht betrachtet werden können. Im Gespräch wirkt Meyer weniger happy. „Wir haben schon überlegt, ob wir uns den Stress noch weiter antun“, sagt der Galerist, der wie die meisten seiner namhaften Wiener Kollegen schon jenseits der Sechzig ist.

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