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Umzug der Galerie Schmela : Ende einer Ära und Neubeginn

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Die Galerie Schmela verabschiedet sich von der rheinischen Routine und zieht nach Berlin. Das legendäre Düsseldorfer Galeriehaus wird jetzt ein städtisches Museum.

          In Düsseldorf ist eine wahrlich historische Zeit endgültig Vergangenheit: Im letzten Jahr hatte die Galerie Schmela noch mit einer Feier ihr fünfzigstes Jubiläum begangen, nun sind die Räume der namhaften Galerie in der Mutter-Ey-Straße ohne großes Aufheben geschlossen worden. Ulrike Schmela zieht es nach Berlin. Sie hat den Sitz in der Düsseldorfer Altstadt aufgegeben.

          Nach einigen Jahren in einem Ausweichquartier auf der anderen Rheinseite hatte sich ihr Vater Alfred Schmela 1971 in der Altstadt, unmittelbar neben der Kunsthalle, gegenüber der Andreaskirche, einen „Galerieturm“ vom holländischen Architekten Aldo van Eyck errichten lassen. Das neue Gebäude erregte große Aufmerksamkeit: Der „Spiegel“ berichtete am 25. Oktober 1971, das Haus habe 500 000 Mark gekostet. Es wurde damals als „erster originaler Galerieneubau der Bundesrepublik“ gefeiert.

          Joseph Beuys kam zuerst

          Die fünf Stockwerke, drei über und zwei unter der Erde, sind von rohem Beton geprägt. Joseph Beuys weihte den Keller mit einer Installation ein: Er drapierte dort seine Einmachgläser, Farbtöpfe, Pinsel, Stifte, Handwerkszeug, Knochen, Filzstoffe, und auf zwei Fernsehern liefen Videos seiner Happenings - 110.000 Mark sollte das Ensemble kosten. Alfred Schmela war in den sechziger und siebziger Jahren neben Konrad Fischer einer der bedeutendsten Galeristen des westdeutschen Kunstmarkts: Durch ihn fanden Jean Tinguely, Lucio Fontana, Arman, Robert Filliou und Gordon Matta-Clark den Weg nach Deutschland. Zu seinen Hauskünstlern gehörten neben Beuys auch Konrad Klapheck, Gerhard Richter und Jörg Immendorff. Als Schmela im Jahr 1980 starb, übernahm die Tochter Ulrike die Kunsthandlung. Nun aber steht das Gebäude leer.

          Einer Initiative der Düsseldorfer Museen und des Kulturstaatssekretärs Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ist es zu verdanken, dass das Land Nordrhein-Westfalen den Turm jetzt gekauft hat. Ulrike Schmela hatte schon lange mit einem Umzug nach Berlin geliebäugelt, wollte jedoch das Gebäude vorher in guten Händen wissen. Zwei Standorte verwalten, wie es zum Beispiel die Düsseldorfer Galerie Konrad Fischer macht, wollte sie nicht: „Das war für mich nie ein Thema.“ Wie jedoch der Galerieturm nun genutzt werden soll, darüber ist noch nichts bekannt. Profitieren werden in jedem Fall die Kunstsammlung NRW, das K 20 und das K 21 - das ehemalige Galeriehaus wird voraussichtlich eine Dependance der beiden Museen werden.

          Berlin als Herausforderung

          Was aber wird aus der Galerie Schmela in Berlin - ohne den legendären Ort, die vertrauten Räume? Ulrike Schmela weiß, dass sie mit ihrem Entschluss, nach Berlin zu gehen, keine Vorreiterrolle einnimmt. Anders als ihr Vater 1957, als er in Düsseldorf seine erste Ausstellung mit Werken vom noch gänzlich unbekannten Yves Klein eröffnete. Vielmehr zieht sie ihren Kollegen hinterher, und in Berlin wartet eine zunehmend übersättigte Kunstszene auf sie. „Ich bin einfach sehr froh, die Verantwortung endlich los zu sein; zuletzt wurde die Arbeit in Düsseldorf doch zu sehr Routine“, sagt Ulrike Schmela. „Jetzt kann ich noch einmal einen Neustart wagen.“ Sie will sich von Anfang Januar an um neue Räume kümmern: „Vielleicht in der Nähe des Checkpoint Charlie, aber auf jeden Fall nicht so weit außerhalb.“ Es sei dringend Zeit gewesen für sie zu gehen.

          In Düsseldorf klafft nun eine Lücke, war der Name Schmela doch so eng mit der Stadt verknüpft. Auch wenn sich Ulrike Schmela sehr schnell von den Hauskünstlern ihres Vaters verabschiedet hatte - nur Sigmar Polke und Richard Tuttle vertritt sie noch -, profitiert sie doch stets von seinen Meriten, seinen Sammlern und seinen treuen Anhängern. Die Umwandlung der Galerie Schmela in ein Museum darf womöglich als ein weiterer Schritt gelten, als Symbol für die Verabschiedung vom so erfolgreichen rheinischen Kunstmarkt.

          Zuletzt war dort im vergangenen Jahr der Versuch einer neuen Kunstmesse, der dc duesseldorf contemporary, gescheitert. Und auch die Künstler zieht es nach Berlin: Markus Lüpertz will an der Spree eine private Kunstakademie gründen. Der Fotograf Thomas Struth, bislang überzeugter Düsseldorfer, wird nach Berlin gehen und sich dort ein neues Atelier suchen.

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