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Sammlung Klüser in Wuppertal : Die Wahrheit liegt im Strich

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Zeig' mir deine Zeichnung und ich sag' dir, was du kannst: Erstmals ist in Wuppertal die Privatsammlung der Galeristen Bernd und Verena Klüser zu sehen. Sie gibt Einblick in fünfhundert Jahre Kunstgeschichte.

          Eine Zeichnungsausstellung ist keine große Oper, sondern eher ein Kammerkonzert“, behauptet der Galerist Bernd Klüser. Doch die großangelegte Schau, die das Von-der-Heydt-Museum der Sammlung des gebürtigen Wuppertalers nun in seiner Heimatstadt widmet, beweist genau das Gegenteil. Die insgesamt 220 erlesenen Arbeiten auf Papier in der Ausstellung „Zettels Traum“ bieten einen eindrucksvollen Blick auf mehr als fünfhundert Jahre Kunstgeschichte.

          Die Begeisterung für das fragile Medium hat Bernd Klüser unter anderem ein Mann nahegebracht: Joseph Beuys. Sein umfassender Kunstbegriff brachte den Galeristen und Sammler dazu, eben nicht den monumentalen Gemälden, sondern den Zeichnungen seine ganze Leidenschaft zu widmen. „Im täglichen Leben ist man einem Stakkato von Bildern ausgesetzt. Zeichnungen verkörpern als Oasen eine kontemplative Gegenwelt: weder laut noch aufdringlich, weder simplifizierend noch manipulierend“, beschreibt Klüser seine Hingabe für die Zeichnung im Katalog zur Wuppertaler Ausstellung.

          Der gelernte Jurist trat 1978 mit eigener Galerie in München an, nachdem er mit Edition Schellmann & Klüser erste Erfahrungen gesammelt hatte. 2008 feierte die Galerie ihr dreißigstes Jubiläum und vertritt auch heute noch unermüdlich ihre Künstler, darunter Christian Boltanski, Tony Cragg, Jan Fabre, Alex Katz, Olaf Metzel, Sean Scully, Andy Warhol oder Robert Motherwell - mittlerweile in einer zweiten Dependance in der Türkenstraße.

          Vor zwei Jahren übergab Klüser Teile seiner umfangreichen Beuys-Kollektion den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Noch nie öffentlich zu sehen war jedoch seine private Sammlung an Zeichnungen: Verena und Bernd Klüser begannen in den siebziger Jahren jene Kunst zusammenzutragen, die auch ihr Umfeld und ihre Galeriearbeit bestimmte. Mit Beuys und Warhol, langjährige Freunde der Galeristen, begann das Sammeln.

          Warhol testet seine Schablone

          Die Kuratoren der Wuppertaler Schau haben Beuys ein kreisrundes Kabinett eingerichtet, in dem Arbeiten von 1952 bis 1970 gezeigt werden, darunter seine „Eiszeittiere“ von 1959 und ein übermalter Briefbogen der „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“ von 1968. Diese Blätter, die spontan entworfen scheinen, sind fest verwurzelt mit dem Kern seiner universalistischen Weltsicht, der es möglich schien, alle Dinge im Zusammenhang zu denken und dann künstlerisch zu fassen. Und Warhol? Neben zahlreichen Varianten der ikonischen Lenin-Porträts aus den achtziger Jahren, die sein überaus erfolgreiches spätes Vokabular durchexerzieren, werden auch frühe Zeichnungen gezeigt.

          Sie entstanden, als Andrew Warhola noch nicht zum Markenzeichen seiner selbst geworden war; noch keine Perücke trug und Groupies allen Geschlechts um sich scharte, sondern noch als Werbegrafiker arbeitete. In den fünfziger Jahren skizzierte er wie für ein Kinderbuch, gar linkisch, ein als Elfe verkleidetes Mädchen oder stilisierte gekonnt ein Auge mit einer purpurnen Pupille.

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