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Fotografie : Veränderte Blicke auf die Welt

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Ein fotografisches Tagebuch, Bilder mit Leerstellen, Architektur als Spektakel: Das Duesseldorf Photo Weekend hält manche unerwartete Begegnung bereit.

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          Das fünfte Duesseldorf Photo Weekend findet in diesem Jahr vom 12. bis zum 14.Februar statt. Einmal mehr lohnt sich dafür der Rundgang kreuz und quer durch die Stadt, um Entdeckungen auf dem weiten Feld der Fotografie zu machen.

          Die Galeristin Anna Klinkhammer firmiert seit kurzem wieder unter eigenem Namen an der Neubrückstraße unweit der Akademie. Sie zeigt dort Arbeiten des 1983 in Japan geborenen Künstlers Wataru Murakami, der in seiner Heimat, in Kanada, den Vereinigten Staaten und Deutschland aufgewachsenen ist. Studiert hat er bei Michael Clegg und Armin Linke in Karlsruhe. Murakami breitet mit „Blind Spot“ einen Parcours aus Stillleben, die er als visuelle Tagebuchnotizen einsetzt, in den Galerieräumen aus. Der innere Zusammenhang der ruhigen Bilder ergibt sich aus den unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen des Künstlers: Da findet sich ein Zebra, das mit einer blauen Mülltüte zugedeckt ist, neben anderen ausgestopften Tieren im Karlsruher Museum für Naturkunde; eine Teekanne und der Blick auf Restaurierungsarbeiten an historischen Gemälden in einem Atelier oder ein winziger Lagerraum voller Leinwände. (Je nach Auflage von 400 bis 4000Euro; bis zum 12.März.)

          Postmoderne Schnörkel und Brutalismus

          Ebenfalls in der Innenstadt lohnt sich der Abstecher zum Galerien-Cluster an der Poststraße: Simonis zeigt dort „Afrikanische Studiofotografie um 1900“; Sies+ Höke das Fotografen-Duo Taiyo Onorato und Nico Krebs; Rupert Pfab präsentiert Matthias Wollgast, Clara Maria Sels versammelt Werke von Francesca Woodman, und TZR erkundet die „Holy Disorders“ von Margriet Smulders.

          Die Galerie KadelWillborn in Flingern hat die großformatigen architektonischen Stillleben von Barbara Kasten fürs Photo Weekend ausgesucht. Die amerikanische Künstlerin, Jahrgang 1936, erlebt gegenwärtig in ihrer Heimat eine echte Renaissance mit zahlreichen internationalen Ausstellungen, demnächst im MOCA in Los Angeles. Für ihre zweite Schau bei KadelWillborn hat sie Architekturinszenierungen mitgebracht, die Mitte der achtziger Jahre in Zusammenarbeit mit einem Team von der Größe einer Filmcrew entstanden. Barbara Kastens „Architectural Sites“ erscheinen zunächst wie Fotomontagen, entstanden aber im wirklichen Raum allein durch den Einsatz von riesigen Spiegeln und Filmbeleuchtung. So bricht sie die postmodernen Schnörkel des Equitable Building in New York oder den Brutalismus des Whitney Museums auf zu einem verwirrenden Kaleidoskop aus Farben, Formen und Licht. (Preise auf Anfrage; bis zum 5.März.)

          Die Schatten von August Sander

          Bei Ruth Leuchter zeigt der New Yorker Porträtfotograf Michael Somoroff eine Hommage an August Sander. Seine Würdigung kommt genau ohne die Motive aus, die den deutschen Fotopionier am Beginn des 20.Jahrhunderts bekannt machten: seine eindringlichen Bilder von Menschen, von Arbeitern, Bürgerkindern, Artisten oder einem korpulenten Konditor. Somoroff hat Sanders Porträts als Vorlagen genutzt, sie reproduziert – und die Personen in den Fotografien entfernt. Bei näherer Betrachtung entfalten die von ihren zentralen Objekten befreiten Fotografien einen unerwarteten Reiz: Nicht nur lenken sie den Blick auf die – bei Sander zweitrangige – Umgebung, sondern vor allem auf das, was gerade durch die Abwesenheit auf sich aufmerksam macht – die Menschen. Sie bleiben das Zentrum der Bilder, und sie sind mitunter noch als leiser Schatten oder als minimaler Umriss zu erahnen. Somoroff schafft stille Meditationen über die – nur scheinbar völlig ausgedeutete – Position historischer Fotografie und gibt ihr so eine neue Aktualität. (Arbeiten von Somoroff, Auflage 5+1AP, 2200Euro; Fotografien von Sander auf Anfrage; bis zum 5.März.)

          Es lohnt sich, neben den Galerien und Museen auch den zahlreichen privaten Kunsträumen und Off-Spaces einen Besuch abzustatten. Denn auch an diesen Orten wird das Programm von Jahr zu Jahr besser. Im Künstlerverein Malkasten etwa sind mit „Invisible Force and Seeing“ erstmals Positionen des Japaners Keiji Uematsu aus den siebziger Jahren zu betrachten. Uematsus performative Fotografien spielen mit dem Körper im Raum, mit der Schwerkraft, mit der Wahrnehmung des Betrachters, und so lenken sie den Blick auf eine weniger bekannte Facette japanischer Fotografie. (Bis zum 12.April.)

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