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Rothko-Gemälde : Falsche Farbe, echter Beweis

  • -Aktualisiert am

Ein weiteres Gemälde aus der mittlerweile geschlossenen New Yorker Knoedler Gallery steht unter Verdacht, eine Fälschung zu sein. Die Betrugsspur führt erneut nach Long Island.

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          Dass irgendetwas nicht stimmen konnte, hätte schon nach einem Blick auf die Rückseite auffallen können. Dort nämlich war der Name Matisse mit Doppel-t geschrieben worden, „Mattisse“ also. So ein Fehler wäre dem Kollegen André Derain, der den Freund auf der Vorderseite angeblich beim Malen am Strand von Collioure in Südfrankreich porträtiert hatte, sicher aufgefallen. Trotzdem gelang es dem Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, das Bild im Herbst 2005 für drei Millionen Dollar an den Londoner Kunsthändler James Roundell zu verkaufen, der es ein halbes Jahr später für 6,5 Millionen Dollar weiterreichte an den „Martin Hilti Family Trust“, eine von Roundell beratene gemeinnützige Organisation in Vaduz. Neue Eigentümerin wurde die „Hilti Art Foundation“, der auch Werke von Heckel und Hodler, Gauguin und Kandinsky, Jawlensky und Feininger, Giacometti und Fontana gehören. Das Derain-Bild ist inzwischen als Fälschung überführt, Beltracchi und seine Helfer sind verurteilt. Nun macht die Hilti-Kunststiftung wieder Schlagzeilen im Zusammenhang mit Kunstfälschung.

          Diesmal hat der Martin Hilty Family Trust die New Yorker Knoedler Gallery verklagt. Ein Gemälde von Mark Rothko, im November 2002 für 5,5 Millionen Dollar gekauft, soll eine Fälschung sein. Bei Untersuchungen, so die am Dienstag beim New York Southern District Court eingereichte Klageschrift, sei ein Rot-Pigment gefunden worden, das es erst seit den sechziger Jahren gebe. Der angebliche Rothko trägt den Titel „Untitled (1956)“. Knoedler selbst will das Gemälde im Januar 2002 von der Kunsthändlerin Glafira Rosales auf Long Island für nur 750 000 Dollar gekauft haben - laut Klageschrift ein „verdächtig niedriger Preis“.

          Neue Rothko-Fäschlung?

          Gegen Rosales ermittelt das F.B.I. Ehemalige Mitarbeiter der inzwischen geschlossenen Galerie, darunter Direktorin Ann Freedman und der Vorstandsvorsitzende Michael Hammer, stehen im Verdacht, mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Knoedler habe Hilti weder mitgeteilt, so weitere Vorwürfe, dass die Galerie selbst Eigentümerin des Gemäldes war, noch die korrekte Herkunft angegeben. Stattdessen sei behauptet worden, das Bild stamme von den Erben eines Schweizer Sammlers. Vor dem Verkauf an Hilti hatte Knoedler das Bild bereits auf der New Yorker Messe „Art Dealers Association of America“ und in einer Rothko-Ausstellung der Galerie Beyeler in Riehen bei Basel gezeigt. Dort wurde es in einem Katalogbeitrag als „wiederentdecktes Werk“ erwähnt.

          Von einem „Trittbrettfahrerfall“ und unbegründeten Vorwürfen spricht Knoedler-Anwalt Charles D. Schmerler in einer Stellungnahme. Ann Freedman sieht „persönliche Vendetta und professionelle Eifersucht hinter den Angriffen“ - schließlich seien die Gemälde „in Museen auf der ganzen Welt ausgestellt und als Meisterwerke angekündigt“ worden. Die Hilti-Stiftung allerdings erhebt nicht als einzige Käuferin Vorwürfe: Ein Verfahren, das der Londoner Hedge-Fund-Manager Pierre Legrange wegen eines 2007 bei Knoedler gekauften angeblichen Siebzehn-Millionen-Pollock-Gemäldes angestrengt hatte, war nach Zahlung einer unbekannten Summe im Oktober mit einem Vergleich geendet. Sammler Michael Howard einigte sich mit der Galerie und ihrer ehemaligen Leitung ebenfalls wegen eines angezweifelten De-Kooning-Bildes. Ein anderes angebliches Rothko-Bild hingegen, das 2004 das Sammlerpaar Domenico und Eleanore de Sole für 8,3 Millionen Dollar bei Knoedler gekauft hatten und das auch aus der Quelle Rosales kommen soll, ist nach wie vor Gegenstand eines Rechtsstreits. Auch dieses Bild war 2001 bei Beyeler zu sehen.

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