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Pierre Soulages in Paris : Jenseits von Schwarz

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In der Pariser Galerie von Karsten Greve sind neue Bilder des französischen Malers Pierre Soulages zu sehen. Seine abstrakten, tiefschwarzen Bilder fangen das Licht ein, strahlen meditativ und geistesklar.

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          Zu Pierre Soulages wird gerne eine Anekdote aus der Kindheit erzählt. Mit acht Jahren soll er mit schwarzer Tinte auf weißem Papier gezeichnet haben. Auf die Frage, was er denn da male, antwortet er entschieden: Ich male Schnee, eine Schneelandschaft! Schon dem Kind geht es darum, das Schwarz der Tinte zu nutzen, um weiße Farbe und Licht in seinem Bild festzuhalten. Erst die Tinte lässt das Weiß des Blatts zu fühlbarem Schnee werden. Bestimmt geht diese Geschichte auf ein visuelles Schlüsselerlebnis zurück. Schwarz ist für Soulages ein Werkzeug, um Licht zu gebären. Mit dicken Pinseln, Bürsten, Spateln und anderen Utensilien setzt er Schwarz ein, um neue Farbmöglichkeiten sichtbar zu machen - bis hin zum „Outrenoir“, wie er seit 1979 sein lichtschillerndes „Jenseits-von-Schwarz“ nennt.

          Neunzehn, 2014 und 2015 entstandene Gemälde sind derzeit in der Pariser Galerie von Karsten Greve zu sehen. Wie stets bei Soulages bleiben die Titel lakonisch: „Peinture, 99 × 222 cm, 27 Novembre 2013“ oder „Peinture, 181 × 128 cm, 15 Avril 2015“. Das französische peinture trägt mehrere Bedeutungen: Es meint Gemälde oder Bild, aber auch die Farbe als Werkstoff, gar die Malerei an sich. Tatsächlich sind diese jüngsten „Peintures“ mehr als Gemälde. Die zähflüssige Acrylfarbe, die Soulages erst seit etwa zehn Jahren verwendet, ermöglicht skulpturale Gemälde, abstrakte Reliefs eigentlich. Wegen des schnellen Trocknungsprozesses müssen sie zügig geschaffen werden.

          Die kraftvolle schwarze Farbe ist durch matte und glänzende Abstufungen strukturiert; sie erscheint wie vulkanischer Obsidian oder Pechstein. Rhythmische Kerbungen, Schraffuren und Spachtelungen fangen das Licht ein und reflektieren es in Furchen, Scharten und Schründen. Das Licht im Raum wird zum Mitspieler. Im lichtdurchfluteten Hauptsaal der Galerie strahlen die „Peintures“ meditativ und geistesklar; ihnen eignet eine archaische Energie. Manche sind monolithisch wie Schieferplatten, andere poetisch wie sich brechende Wellen mit Lichtkronen. Soulages arbeitet seit vielen Jahren in seinem Haus an der Mittelmeerküste, sein Blick aufs Meer ist fühlbar. Die neuen Gemälde zeigen einen Künstler, der sich auch noch im hohen Alter mit ungeheurer Kraft erneuert und unermüdlich nach dem absoluten Ausdruck strebt.

          Pierre Soulages ist am 24. Dezember 1919 im südfranzösischen Rodez geboren. Seine Werke hängen in wichtigen Museen, sie erzielen längst die höchsten Preise für einen lebenden französischen Künstler. Im Mai 2014 eröffnete in Rodez ein Soulages-Museum: Die besondere Landschaft und Architektur, das Gestein und Licht seiner Heimat im Aveyron haben Soulages entscheidend geprägt.

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