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Galerie-Ausstellung : Mythische Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Den Sinnen trauen statt den Worten: Zeichnungen und Gemälde von Christa Näher in der Galerie Grässlin in Frankfurt - noch zu sehen bis zum 2. September

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          „Manchmal ist mir, als rieche ich das Mittelalter, und ich verspüre die Berührung uralter Zeit, ausgelöst durch ein Geräusch, einen Geruch, ein Gebäude und Zustände, die mich wissen lassen, dass alles in dieser Welt geboren wird, altert, stirbt und wiederkehrt.“ Von ihren fernen, nie gesehenen Erinnerungen scheinen die Gemälde von Christa Näher in der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin zu handeln. Es sind Bilder, die mit den verschatteten prachtvollen Farben und dem einfallenden Licht wie innere Landschaften anmuten. Ein Hauptwerk ist das 280 mal 500 Zentimeter große Gemälde einer „Schwarzen Gondel“, die in einem dunklen Farbenstrudel kaum auftaucht, das von 2006 bis 2017 entstand (110 000 Euro). Ähnlich faszinierend sind ein 280 mal 200 Zentimeter großer „Mond“ aus dem Jahr 2011, der eine tiefe Nacht sanft erleuchtet (68 000 Euro), oder das jüngst entstandene „Spinnenhirn“ im gleichen Format (68 000 Euro).

          Im Jahr 1947 in Lindau geboren und aufgewachsen, hat Christa Näher in diesem Jahr den siebzigsten Geburtstag in ihrem schönen alten Haus in Wolfegg gefeiert, mit Freunden und ihren früheren Studenten der Städelschule. Dort war sie fast dreißig Jahre lang als Professorin tätig, die erste Frau in der Frankfurter Kunstakademie – und mit großem Erfolg; denn sie züchtete keine Epigonen, sondern bestärkte junge Künstler in ihrer Individualität. Zuvor hatte sie in Berlin studiert, dann in Köln gelebt und war, neben vielen anderen Ausstellungen, auf der neunten Documenta in Kassel 1992 vertreten.

          „Warum soll man diesem Irrtum nachgeben, sich erklären zu wollen. Ahne ich selbst nur einen Bruchteil. Ohne Worte weiß ich alles. Jede Erklärung endet in Rechenschaften. Diese nützen keinem.“: Mythen und Geschichten werden bei Christa Näher malerische Wirklichkeit. Und das Verhältnis von Mensch und Tier, ob Pferde oder Kentauren, beschäftigt sie seit langem. Mit ihren wunderbaren apokalyptischen Pferden wurde sie 1988 berühmt.

          Jetzt zeigt sie bei Grässlin neuere Pferde-Gemälde – ob es die „Schwarze Witwe“ ist oder der „Kairos“ oder der „Kardinal“ (jeweils 68 000 Euro) –, vor allem aber auch hinreißende Zeichnungen, die in den Jahren 1986 bis 2017 entstanden sind (jeweils 4000 Euro).

          Christa Näher, „Spinnenhirn", Galerie Grässlin, bis zum 2. September. Galerieferien vom 31. Juli bis zum 14. August.

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