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Multiples im Haus der Kunst : Kunst fast für jedermann

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Die beste Art, seine Ideen zu verbreiten: Das Münchner Haus der Kunst zeigt das ganze Potential der Multiples und Editionen.

          Man kommt aus dem Staunen nicht heraus beim Marsch durch die Ausstellung „Made in Munich“ im Münchner Haus der Kunst; denn die Fülle großartigen Materials überzeugt vom Unglaublichen: München war - neben sich nur New York und London - zu Anfang der siebziger Jahre führend auf dem Gebiet von Kunsteditionen und Multiples und behauptet sich dort bis heute als eine Hochburg.

          Zur klassischen Grafik gesellten sich plötzlich wilde Plakate, experimentelle Videos, politische Fotoarbeiten und allerhand verrückte Objekte. Auflagenkunst, der ja das kleine „Kunst für alle“-Etikett des nicht allzu Exklusiven anhaftet, betreuten ausgerechnet in München mit seinem konservativ-snobistischen Leumund weit mehr Galeristen und Kunstverleger als etwa im progressiv-proletarischen Köln, das die Speerspitze der deutschen Gegenwartskunst damals gerade zu ihrer Bastion ausbaute.

          Multiples für den Sammlernachwuchs

          Die Ausstellung findet die Gründe für das neu entdeckte Faktum: 1967 eröffnete der erste „Kunstmarkt Köln“ und senkte als weltweit erste Messeveranstaltung für zeitgenössische Kunst die Hemmschwelle zum Elfenbeinturm der Kunstavantgarde. Unter 15.000 Besuchern stürmten viele Junge durch die Kojen, bei denen Kauflust und Kaufkraft weit auseinanderklafften.

          Raimund Thomas, damals junger Münchner Galerist und Mitbegründer des Kunstmarkts Köln, beschloss umgehend, „mit Multiples und Plakaten auch ein junges Publikum anzusprechen“: „Im Bereich zwischen acht Mark und fünfzig Mark haben sich die Leute unglaublich eingedeckt.“ Glasklar zeigt sich, wie deutlich außer Raimund Thomas auch die Galeristen Otto van de Loo und Heiner Friedrich die Nase vorn hatten - bereits 1970 gab Friedrich die Kaltnadelradierung „Zwei Soldaten“ heraus, Auflage zehn, der Künstler namens Baselitz so gut wie unbekannt.

          Das Glück der größeren Zahl

          Auf solchen Kunststrategen mit Visionen gründet München als Hauptstadt der Editionen. Sie erfassten den Trend der Zeit, als die studentenbewegte Ära auch die Kunst politisierte und demokratisierte - nichts anderes geschieht ja, wenn ein Werk in multiplizierter Form nicht nur einen Käufer glücklich macht.

          Mit Beuys sehen wir uns das mal von der Produzentenseite an: „Ich bin interessiert an der Verbreitung von physischen Vehikeln in Form von Editionen, weil ich an der Verbreitung von Ideen interessiert bin.“ Seine Vehikel stellten die Rheinländer Schellmann & Klüser her; sie schafften auch das Hasenblut heran, das fürs gleichnamige Multiple mit Plastiktaschen und Heftpflaster kombiniert wurde.

          Beide arbeiten auch heute als aktive Kunstverleger; während Schellmann immer neue Gattungen des Multiples ersinnt - Wandmalerei zum Beispiel oder Möbelentwürfe von Donald Judd oder Liam Gillick -, ediert Klüser feine Künstlerbücher oder Bronzenes wie Olaf Metzels „Yankee go home“. Wie Sabine Knust, die 1982 mit der Grafikmappe „Erste Konzentration“ - gefüllt mit Blättern der deutschen Künstlercrème - die Szene eroberte, ging auch Fred Jahn aus der Galerie Heiner Friedrich hervor.

          In technischer Perfektion

          Jahn war zur Stelle, als Hermann Nitsch „Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters I + II“ verewigen wollte: Acht Jahre arbeitete die Druckerlegende Karl Imhoff daran und beweist mit dem stupenden Ergebnis, dass der Künstler bei Auflagenkunst ohne das Können des Druckers, Gießers, Schreiners, Schneiders, Glasers einpacken kann.

          Die ellenlange Künstlerliste von „Made in Munich“ beginnt bei Josef Albers und endet bei La Monte Young. Die Liste der Produzenten entführt auch in spannende Alternativszenen zum gestandenen Galeristentum: Vom Aktionsraum, von Gernot von Papes „edition x“, von der Kunsthalle Prackenbach, der Kunstagentur Karlheinz und Renate Hein, dem „s press tonband verlag“ und vielen weiteren Teilnehmern wünschte man sich, mehr zu erfahren; auch von der bereits 1975 geschlossenen Galerie Dorothea Leonhart, die vom englischen „Observer“ angebotene Kunsteditionen von Paolozzi und Richard Hamilton lieferte.

          Dass auch Auflagenkunst solide Wertsteigerungen erfahren kann, ist kein Geheimnis. Beuys' Film „Transsibirische Bahn“ kostete in der Zeit um 1980 1800 Mark, der jüngste Katalog der Edition Schellmann listet ihn mit 5000 Euro.

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