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Monika Sprüth : Die Frau, die alle um ihre Künstler beneiden

Sie begann ihre Karriere als Architektin, dann wurde sie Stadtplanerin im Amt in Oberhausen, aber eine Galeristin ist eben eine Galeristin ist eine Galeristin: Monika Sprüth zum Geburtstag.

          Eigentlich ist sie Architektin, Stadtplanerin genauer. Wobei das Analytische, das Strukturierte und das Denken in Räumen und Zusammenhängen bitte sehr zu beachten sind. Und womöglich sähe es in mancher Stadt heute besser aus, wenn Monika Sprüth auf dem Amt in Oberhausen geblieben wäre und nicht, damals dreiunddreißig Jahre alt, eine Galerie in der Kölner Altstadt eröffnet hätte. Diese Entscheidung war allerdings ein besonderes Glück für die zeitgenössische Kunst und ihre Szene. Sie ist es bis heute.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Monika Sprüth also kam, sah und wandte ihr scharfsinniges Interesse den Künstlerinnen zu. Nicht nach der Devise: Frau hilft Frau, sondern mit klarem Blick fürs Wesentliche: dass nämlich Frauen in der Beherrschung von Strategien noch weit hinter den Männern zurücklagen - keineswegs zwingend in ihrer Künstlerschaft. Ihre erste Ausstellung aber richtete sie vom 5. Februar bis zum 8. März 1983 Andreas Schulze aus. Bis heute spielt Andreas Schulze - wie praktisch alle ihrer Künstler der frühen Jahre - in ihrer Liga, was durchaus die angemessene Wortwahl ist; denn Monika Sprüths tiefe Leidenschaft gilt dem Fußball, vermutlich ist ihr jedes aufgewühlte Stadion lieber als der rituelle Zirkus einer Kunstmesse.

          Eine prima inter pares

          Denn sie, eine prima inter pares in ihrem Metier, ist doch von zurückhaltender Art, kämpferisch für ihre Sache, aber aller Lärmigkeit abhold. Die zweite Einzelausstellung dann galt Rosemarie Trockel, im September 1984 stellte sie Cindy Sherman aus, früh kamen Barbara Kruger und Jenny Holzer hinzu - nennen wir es Frauenintelligenz.

          Aber Monika Sprüth hat sich niemals vor den geschlechterideologischen Karren spannen lassen, Geschlecht mit Qualität zu verwechseln käme ihr nie in den Sinn. Dafür anderes Apartes: So zeigte sie im Sommer 1992 Wandtafelzeichnungen des obersten Anthroposophen Rudolf Steiner, passend zum rheinischen Schiefertafelheiligen Joseph Beuys allemal.

          Mit Konzentration und Unbeirrbarkeit

          Es gibt ganz wenige in Monika Sprüths Fach, die vergleichbar konsequent und unverwechselbar Künstlerschaft um sich versammelt haben, so dass das Wort Programm einen Sinn macht. Diese hohe Konzentration und Unbeirrbarkeit sind das Markenzeichen der Galerie, die seit 1998 Sprüth Magers heißt, als sie sich mit Philomene Magers zusammentat, zu einem eindrucksvollen Team.

          Um ihre Riege, in der Namen wie Demand, Gursky oder Zittel, Baldessari, Fleury oder Fischli/Weiss funkeln, beneidet sie die internationale Kunstwelt. Inzwischen haben die Galerie ihre Wege von den Anfängen in Köln, dann mit einer Dependance in München, nach Berlin und London geführt. Am 18. Mai hat Monika Sprüth Geburtstag. Vielleicht gibt es ja zur Feier des Tages ein vernünftiges Fußballspiel?

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