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Malerei : Verschatteter Tanz am Abgrund

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Düster, mystisch und enorm erfolgreich: Der Maler Ryan Mosley zeigt in der Londoner Galerie Alison Jacques Gemälde, die an Scherenschnitte erinnern. Entdeckt hat ihn kein anderer als Charles Saatchi.

          Das elegant gekleidete Paar scheint ganz ins Gespräch beim sonntäglichen Flanieren vertieft – oder vielleicht sogar, etwas schwerfällig, im Tanz begriffen. Zeit und Ort sind verschwommen, doch der große Zylinder auf dem Kopf des Herrn und die damenhaften Sonnenschirme verweisen auf das 19. Jahrhundert. Seltsame, an Schuhlöffel erinnernde Pflanzen umranken die etwas düster-mysteriöse Szene, sind doch die Gesichter der beiden Gestalten ganz verschattet. Ihr Auftritt – die Farbe flach in die Leinwand einmassiert – erinnert an Scherenschnitte. Im Vordergrund recken sich Köpfe: In Ryan Mosleys Bildern findet sich der Betrachter oft unter den Zuschauern in einem Theater, Kinosaal oder auf einem Jahrmarkt. Das Paar von „Cave Inn“ (20 000 Pfund; bereits verkauft) scheint sich auf einer Art Bühne zu bewegen, von der es herabzufallen droht.

          Die Ausstellung des 1980 im englischen Chesterfield geborenen Mosley in der Galerie Alison Jacques im Zentrum von London ist aufgeladen mit Andeutungen und kunsthistorischen Referenzen. Mosleys Leinwände sind die Plattform, auf der scheinbar bekannte und doch anonyme Figuren, mal in eleganten Posen, mal in karnevalesker Akrobatik verharren. Als seine Vorbilder bezeichnet der Künstler große Maler wie Manet und Ensor, auch Henri Rousseau. Seinen Bildern haftet – trotz ihrer Zeitgenossenschaft – etwas Modisch-Altmodisches an. Die großformatigen Gemälde kombinieren Elemente von Porträt- und Landschaftsmalerei mit dem Stillleben; sie spielen mit Genre und Perspektive. Die Arbeiten kleineren Formats sind überwiegend Porträtköpfe anonymer Männer mit dichten Bärten, Hüten, störrischem Haar und oft grotesk geformtem Profil. Schädel sind ein wiederkehrendes Motiv bei Ryan Mosley, den Alison Jacques schon im vergangenen März auf der Armory Show in New York vorgestellt hat.

          Zu seinen Entdeckern gehört auch Charles Saatchi, der die Arbeiten des jungen Malers bei der Abschlussausstellung des Royal College of Art im Jahr 2007 in London sah. Ein paar Monate später kaufte Saatchi bei einer Gruppen-Schau im East End die ersten drei Gemälde – und später weitere. Seitdem der englische Sammlermogul Mosleys Bilder auch auf seine Website gestellt und in seiner Überblicksausstellung mit britischer Nachwuchskunst „Newspeak: British Art Now“ 2009 in der Eremitage in Sankt Petersburg und 2010 in seiner eigenen Ausstellungshalle in London gezeigt hat, kann sich Mosley stetiger internationaler Nachfrage erfreuen. Die siebzehn Werke mit Preisen zwischen 3000 und 20 000 Pfund finden in der Galerie reißenden Absatz. (Bis 19. August.)

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