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Londoner Galerienrundgang : Die Tankstelle Oberlausitz steht in England

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West-östlicher Kontrast im Londoner Galerienbetrieb: Paul McDevitts von einer kühnen Phantastik inspirierten Werken im Londoner West End steht der plastische Realismus des deutschen Malers Thoralf Knobloch im Londoner Ost End gegenüber.

          Als im Dezember 2005 die tonnenschwere Skulptur von Henry Moore „A Reclining Figure“ in England gestohlen wurde, fragte man sich, was die Diebe wohl mit dem Werk anfangen würden? Der Gedanke daran, dass die gestohlene Skulptur eingeschmolzen würde, um von ihrem Materialwert zu profitieren, bestürzte viele. Auch Paul McDevitt, ein in Berlin lebender britischer Künstler, hat sich diese Frage gestellt und in einer Ausstellung der Galerie von Stephen Friedman im Londoner West End verewigt. Er stellt in seiner Kunst Theorien über die Transformation des Kunstkolosses auf: Seine Zeichnung „. . . kept herself to herself until she lost her sense of self altogether“ zeigt eine skulpturhafte weibliche „Reclining Figure“ mit geschwungenen Rundungen und einem gigantischen Ballonkopf in einer weitläufigen, leeren Landschaft mit Wolke. Dem Blatt zugeordnet sind drei abstrakte, geflochtene Korbskulpturen, bei denen Paul McDevitt gleichzeitig die Kontur und das Volumen betont hat.

          Der hintere Galerieraum ist von solchen Abstraktionen weit entfernt: Hier ist die Hauptfigur eine disneyhafte Ente, die mit ihrem Kopf in einem Kürbis steckt und ihn offenbar nicht mehr herausziehen kann oder vielleicht auch nicht will. Paul McDevitt beleuchtet hier das Dilemma des Federviehs von mehreren Seiten: in der Videoschleife „The Story So Far“ (Auflage 6) mit romantischem Vogelgezwitscher, und in der realistisch gefertigten Polyesterskulptur „Secret Origins (Bridge)“, die die in der Kürbisfalle gefangene Ente auf einer hohen Steinbrücke zeigt. Weitere Zeichnungen präsentieren die Comicfigur in imaginären Szenarien sowie als historische Personifikationen: In dem Video „Secret Origins“ verschwindet sie in einem Wolkengebilde, in vier mit „Sacrehouse“ überschriebenen Bildern übernimmt sie die Rolle von Heiligen, wie Julian of Norwich. Die Darstellungen beziehen sich immer auch auf die Disney-Kultur, überzeichnen diese aber mit gesteigerter Phantastik. So vereinnahmt der Künstler für sich Hoch- und Populärkultur, um daraus imaginäre Landschaften zu entwerfen. Die Zeichnungen kosten 800 bis . Pfund und zwischen 10.000 und 18.000 Pfund die Skulpturen. (Bis 29. September.)

          Die Phantasie des Realismus'

          Der Phantastik von McDevitt steht der plastische Realismus des deutschen Malers Thoralf Knobloch in der Galerie Wilkinson im Londoner East-End konträr gegenüber. In den neu bezogenen überdimensionierten Räumen entfalten die Klein- und Großformate einen dynamischem Bezug zueinander: Ausschnitthaft und meist menschenleer präsentiert der Dresdner Künstler Landschaften, Vorstädte und Bauwerke. Im Erdgeschoss dominiert das architektonische Motiv: Das Gemälde „Tankstelle Oberlausitz“ (27.000 Pfund), auf zwei Leinwände verteilt, zeigt Dach und Säulen bei Nacht; der Blick des Betrachters aber wird auf die Landschaft in der Dunkelheit im Hintergrund gelenkt. Der „Containerbahnhof“ (13.000 Pfund) zeigt ebenfalls eine leere Landschaft, die sich hinter einer baufälligen Absperrung auftut; eine „Absperrung“ (14.500 Pfund) wiederum schützt ein Loch in der Straße, ein „Hausmeister“ (13.000 Pfund) hantiert hinter einem Fenster und der Kopf eines „Schneemanns“ (4.250 Pfund) zeichnet sich vor einer Winterwelt ab. Im Obergeschoss führt Thoralf Knobloch an ein „Seeufer“ (16.500 Pfund), an dem Boote liegen, deren Inneres zum fokussierten Mikrokosmos wird.

          Der 1962 geborene Knobloch malt mit verhaltenen Konturlinien und flächigem Farbauftrag, denen mit darüber verlaufenden, dünnflüssigen Schlieren eine sanfte Textur verliehen wird. In kräftigem Licht setzen sich die einzelnen Objekte von ihren zurückhaltenden Hintergründen ab; eine Betonung, die durch die Beiläufigkeit des Bildausschnitts wieder untergraben wird. Der Bauwagen leuchtet orangefarben, aber durch die Flächigkeit der Darstellung wird die inhaltliche Bedeutung zurückgenommen: Er ist nur Bestandteil einer trüben Lebens- und Bildrealität. (Bis 7. Oktober.)

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