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Kunstsalon Eduard Schulte : Bei ihm ging als Erstem das Licht an

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Einst Unter den Linden: Der Berliner Kunstsalon Eduard Schulte ist nur noch wenigen ein Begriff. Dabei hat er zur Jahrhundertwende die Szene mitbestimmt.

          Die 1886 gegründete Galerie Eduard Schulte hatte eine prominente und gediegene Adresse: Berlin, Unter den Linden - also mittenmang. Auf einem anderen Blatt steht, was man über die „Permanente Kunstausstellung und Hdl. v. Oelgemälden moderner Meister“ in Erfahrung bringen kann. Sie hat zwar weniger Kunstgeschichte geschrieben als etwa die Kunsthandlungen von Fritz, dann Wolfgang Gurlitt, von Paul Cassirer oder von Herwarth Walden. Doch gehört sie zu einer Reihe bedeutender Berliner „Kunstsalons“, wie die von Amsler & Ruthardt oder von Hermann Pächter, die oft erwähnt werden, aber kaum zusammenhängend erforscht sind. Obwohl Schulte aus der Geschichte des Berliner Kunsthandels, der mit den Aktivitäten von Louis Friedrich Sachse und Rudolf Lepke um 1850 einsetzte, nicht wegzudenken ist, liegt vieles im Dunkeln. Im Jahr 1905 machte ein Führer durch Berlin zumindest klar: „Sezession . . . Offiziere erscheinen in Zivil . . . Kunstsalon Cassirer . . . Etwas für Kenner . . . Kunstsalon Keller und Reiner . . . Modern, kleidsam, elegant . . . Kunstsalon Schulte . . . Vorherrschaft der Uniform.“

          Schulte handelte nicht mit Darstellungen von Schlachten und Porträts preußischer Generäle. Mit „Vorherrschaft der Uniform“ ist seine Klientel gemeint, ein traditionsbewusstes, nur moderat moderne Kunst goutierendes Publikum. Zu den wichtigsten Ausstellungen, die Schulte gezeigt hat, gehörten 1892 bis 1898 die Jahresschauen der „XI“, einer gegen das Establishment opponierenden Gruppierung, zu der Walter Leistikow gehörte, und von 1894 an die Schauen der gleichfalls sezessionistischen „Novembervereinigung“ mit Curt Herrmann und Dora Hitz. Die ersten Geschäftsräume befanden sich 1886 Unter den Linden 4a, zwischen Wilhelmstraße und Kleinem Durchgang zur Mauerstraße. 1891 zog die Galerie in das Palais Redern, Unter den Linden 1 - damit an den Pariser Platz, wo sie bis 1906 blieb. Das so imposante wie strenge Eckhaus, das Schinkel erbaut hatte, lag der Französischen Botschaft schräg vis-à-vis. 1891 lobte ein Kritiker das „Ausstellungslocal, mit dem sich an Schönheit und Zweckmäßigkeit nur etwa einige Pariser Salons messen können“. Im Frühjahr 1906 musste das Palais Redern dem Bau des Hotels Adlon weichen. Die Galerie zog in das Gebäude Unter den Linden 75.

          Zu den frühen Besuchern der Galerie zählten Theodor Fontane und Paula Modersohn-Becker. Ein weiterer prominenter Gast war Christian Morgenstern, der wissen ließ: „Gurlitt als einer der ersten Vorkämpfer moderner Kunst in Berlin, sucht jungen aufstrebenden Talenten nach Möglichkeit das Wort zu lassen, was um so höher zu werten ist, als gerade er mit den ungünstigsten Raum- und Lichtverhältnissen zu kämpfen hat. Bereits sanktionierte Meister findet man mehr bei E. Schulte, der auch den konventioneller Empfindenden ihr Teil zukommen lässt. Auch er hat nur in dem Lichtsaal eine einwandfreie Räumlichkeit, während das intime Kabinett, in dem er sein Bestes zu geben pflegt, ganz dem Bogenlicht übergeben ist.“

          In der Tat war das Unternehmen das erste seiner Art in Berlin, das Elektrizität einsetzte. Es geht auf eine Kunsthandlung in der Alleestraße (heute Heinrich-Heine-Allee) in Düsseldorf zurück, die 1848 von Eduard Schulte (1817 bis 1890) gegründet wurde. Hier soll sich die „Gesellschaft sonntags zum Sehen und Gesehenwerden“ getroffen haben. Später wurde eine Filiale in Köln eröffnet, vielleicht war das die Idee von Sohn Hermann Gottlob Schulte (1851 bis 1941). Diesen hat es jedenfalls nach Berlin gezogen, um dort eben jene Filiale Unter den Linden zu eröffnen. Es sieht jedoch so aus, als habe Eduard Max Schulte, ein weiterer Sohn, die Hauptverantwortung getragen, während Hermann vorwiegend die Geschäfte in Düsseldorf und Köln lenkte. Er wurde vierzig Jahre lang vom Geschäftsführer Ludwig Schütze unterstützt, der auch für namhafte Zeitschriften schrieb.

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