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Kunstfälscherring : Eifrige Helfer gegen wachsame Kenner

  • -Aktualisiert am

Hunderte Werke der russischen Avantgarde hat eine internationale Bande gefälscht. Jetzt ist sie überführt. Wer steht dahinter?

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          Noch laufen die Ermittlungen, noch werden im neuen großen deutschen Kunstfälschungsskandal, bei dem es diesmal um Werke von Künstlern der russischen Avantgarde geht, Privat- und Geschäftsräume von Händlern und Sammlern durchsucht und Beweismittel gesichert. Trotzdem spricht ein beteiligter Ermittler schon jetzt davon, dass dieser Fall weitere Kreise ziehen und größer werden könne als der Beltracchi-Skandal, der vor zwei Jahren den Markt erschütterte. Konkrete Angaben zu den Hintergründen und den Beschuldigten will das Bundeskriminalamt deshalb noch nicht machen. So viel nur: Der entscheidende Hinweis war dem Vernehmen nach aus dem schweizerischen Kunsthandel gekommen. Die Ermittlungen, die am Mittwoch und Donnerstag zu Razzien in sechs Bundesländern, in der Schweiz und in Israel geführt haben, gingen von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden aus. Und ebenfalls in Wiesbaden wurden ein 41 Jahre alter Deutsch-Tunesier und ein im Libanon geborener 67 Jahre alter Israeli - angeblich der Geldgeber und Kopf der Gruppe - verhaftet. Vier weitere Männer aus Russland und dem Nahen Osten seien außerdem verdächtig. Mehr, so das BKA, könne man leider nicht sagen.

          Vielleicht geben diese wenigen Informationen aber trotzdem Antworten auf eine Reihe von Fragen, die schon seit Jahren offen sind. Vielleicht erklärt dieser neuerliche Kunstfälschungsskandal endlich, warum es von 2007 an aus heiterem Himmel einen Boom russischer Avantgarde-Kunst in Deutschland gab, den sich kein Marktbeobachter so recht erklären konnte, und wer tatsächlich dahinter steckt. Kleinere Auktionshäuser, die sich auf diesem Gebiet sonst nie hervorgetan hatten - Hampel und Ketterer in München, Nagel in Stuttgart -, veranstalteten aus heiterem Himmel fast gleichzeitig Sonderauktionen mit Dutzenden von Werken, von denen zuvor höchstens ein oder zwei auf den Markt gekommen waren. Diesmal aber schienen Angebot und Nachfrage so groß zu sein, dass selbst ein Werk wie die angeblich 1912 gemalte „Nähmaschine“ von Natalia Gontscharowa, das am 12. Juni 2007 bei Ketterer keinen Interessenten fand, ein halbes Jahr später, ebenfalls in München, erneut angeboten werden konnte: Bei Hampel erzielte die 71 mal fünfzig Zentimeter große Leinwand am 7.Dezember des Jahres zwar nicht einmal die untere Taxe, wurde für 70.000 Euro aber angeblich trotzdem verkauft.

          Woher vor sechs Jahren die Mengen an Gemälden der russischen Klassischen Moderne nach Deutschland kamen, ist bis heute ungeklärt. Von Emigrantenfamilien, die die Bilder schon vor Jahrzehnten nach Deutschland, Österreich oder gern auch in die Schweiz gebracht hätten und nun zu Geld machen wollten, wurde damals geraunt. Schließlich sei so viel versteckt worden, als Stalin die Avantgarde verbot. Ware, die direkt aus Russland angeboten werde, lehne man ab. Schließlich sei bekannt, dass es dort ganze Fälscherfabriken gebe, die für den westlichen Markt produzieren.

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