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Künstler als Brieffreunde : Ich überlasse Dir meinen Hut

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Nimm Dich in Acht, Briefbote! „Mitarbeiter“ nannte Dieter Roth jenes Getier, das seine Zerfallobjekte befiel. Was die Post berühmter Künstler außerdem verrät, offenbart der Bildband „Herzlich, Ihr Max“.

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          Alter ZWIRN heute schick' ich was ab“ - mit dieser humorigen Anrede beginnt Dieter Roth einen Brief an seinen Kölner Galeristen Rudolf Zwirner. Sein unscheinbares Schreiben ist formlos und schnell heruntergetippt, undatiert und ohne Absender. Das leuchtend gelbe Papier ist mehrfach eingerissen. Es handelt sich um den ersten von mehreren „geschäftlichen“ Briefen des Künstlers an seinen Galeristen, nachzulesen im reichbebilderten Buch „Herzlich, Ihr Max. Künstlerpost aus den Beständen des ZADIK“, herausgegeben vom Kölner Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels.

          Das Spektrum der nachgelassenen Schriftstücke umfasst Autographen, Typoskripte, Postkarten, objekthaft gestaltete Briefsendungen oder Postkartencollagen von den letzten Kriegsjahren bis zu den Achtzigern. Die zwischen geschäftsmäßig-unverbindlich und privat-freundschaftlich changierende, oft spontan ausgeführte Künstlerpost liefert beredte Zeugnisse für eine heute nahezu ausgestorbene Kultur postalischer Kommunikation.

          Was für die Kunstwissenschaft dokumentarischen Wert besitzt, wurde damals im Geschäftsalltag der Galeristen oft sorglos abgelegt und später nicht selten vergessen. Das Zentralarchiv konnte bedeutende Nachlässe zusammentragen, in denen neben den Künstlerbriefen auch die maschinenschriftlichen Antworten der Galeristen als Kopien bewahrt worden sind. So sind in den Beständen vollständige Korrespondenzen erhalten, wie die zwischen Max Ernst und seinem Bremer Galeristen Michel Hertz oder der Kölner Galerie „Der Spiegel“.

          Anhand der Korrespondenz gewinnt man einen unmittelbaren und tiefschürfenden Einblick in das Verhältnis zwischen Künstlern und Galeristen. In Roths eigenwilliger Diktion führt er Zwirner sein Anliegen vor: „ich habe die preise auf der schoenen dinge ruecken geschrieben: das sind die preise die ICH haben moechte: du kannst dann dran verdienen was du willst - das leben ist gut solange gott ist mit uns und zur ist er ja mit uns - nicht wahr mein alter! und so: lebe wohl: D. R. P.S.: things under separate cover (that will take some week to get to old GMY).“

          „das gehalt wächst auf der krankheit“

          Das handschriftliche Postskriptum verrät, dass sich Roth, der dem Galeristen eine Sendung von Werken ankündigt, in den Vereinigten Staaten aufhält. Das wird bestätigt durch zwei weitere handschriftliche Briefe des Künstlers. Roth war seit Frühjahr 1964 in Amerika, wo er unter anderem 1965 einem Lehrauftrag für Grafik an der Rhode Island School of Design in Providence nachging. Der Aufenthalt war für Roth kein Zuckerschlecken. Er lebte und arbeitete mehr schlecht als recht in einem verlassenen Fabrikgebäude.

          Der erste Brief von dort ist auf den 16. Januar 1965 datiert. Roth formuliert recht deutlich, wie es um ihn steht, ohne aber sich selbst in seiner prekären Situation bloßzustellen: „das ist eben das tolle, das rettende, das da wächst wo die not wächst. das rettende wächst] auf der not als deren parasit gottlob! was ich sagen wollte: das gehalt wächst auf der krankheit.“ Wir lesen, dass er sehr krank ist. Von Zwirner hat er einen Vorschuss für eine in dessen Auftrag auszuführende Edition erhalten.

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