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Keramik : Die gute Form in Ton

Das Berliner Keramik-Museum widmet sich der unterschätzten Irdenware. Diese braucht sich nicht zu verstecken. Sie hat ihre eigene Szene und ihre eigene Stilgeschichte. Doch die Preise bleiben erfreulich erschwinglich.

          Entschieden weniger begehrt als kunsthandwerkliche Erzeugnisse aus Glas oder Metall, leidet die deutsche Kunstkeramik seit geraumer Zeit unter einem Mangel an breiter Nachfrage. Der kommerziellen Baisse tragen die außerordentlich moderaten Preise für unikate Objekte aus namhaften Werkstätten Rechnung, mit denen die Galerie Theis in Berlin-Charlottenburg ihre Angebote auszeichnet - seit nun 25 Jahren. Vor der als Gefäß oder Skulptur ausgeformten Töpferware, die sich traditionsverbunden oder innovativ inspiriert darstellt, werden bei Fachleuten und Liebhabern keramischer Gebilde von unbezweifelbarem Kunstwert Erwerbungswünsche wach, denen die günstige Preislage der Objekte entgegenkommen dürfte.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Zum Jubiläum seiner Galerie offerierte Heinz-Joachim Theis 35 Arbeiten von siebzehn Mitgliedern der prominent besetzten "Gruppe 83", die er mehrheitlich bereits einzeln vorgestellt hatte. Ein perspektivisch verwirrendes Objekt von Antje Brüggemann-Breckwoldt, die Ende der sechziger Jahre eine Werkstatt in Westerland auf Sylt unterhielt, gelangte zum Preis von 1100 Euro in den Besitz eines Hamburger Sammlers. Für 1200 Euro verkauft, blieb Gerald Weigels fragiler "Flügel" in Berlin. Denselben Preis bezahlte ein amerikanischer Interessent für eine Paraphrase der Buchstaben "XO" der in Deidesheim tätigen Friederike Zeit, während Christa Gebhardts schwarzer "Kasten" mit gebirgig aufgipfelndem Deckel bei 1400 Euro einen Abnehmer fand.

          Von Naturformen angeregt

          Nach der Galeriegründung am 1. Mai 1986 stellte der von den Besonderheiten der "Irdenware" gefesselte, 1954 im hessischen Flörsheim geborene Heinz-Joachim Theis, der als ausgebildeter Flugzeugmechaniker und diplomierter Dolmetscher nach einer lohnenderen Lebensaufgabe suchte, führende Persönlichkeiten der zeitgenössischen Keramikszene vor. Das erhoffte Echo bei einem für moderne Töpferware aufgeschlossenen Publikum stellte sich bereits 1987 ein, anlässlich der Präsentation nachgelassener Werke des 1969 hochberühmt gestorbenen Jan Bontjes van Beek, dessen sparsam kolorierte Zylindervase heute 1500 Euro kostet. Die von Naturformen angeregte, rhythmischen Reihungen verpflichtete Beate Kuhn ist mit einem blütenhaften Gefäß zum Preis von 2800 Euro vertreten. An die bereits im Jahr 1984 auf Burg Coraidelstein bei Klotten an der Mosel gestorbene Else Harney erinnern zwei langhalsige "Gräser"-Vasen, die je 270 Euro kosten.

          Anfang der dreißiger Jahre entstand eine harmonisch geformte Vase von Otto Lindig, der zu Bauhauszeiten gemeinsam mit Gerhard Marcks und Theodor Bogler eine von Weimar nach Dornburg an der Saale verlagerte Keramikwerkstatt betrieben hatte und dort später allein weiter produzierte. Die transparente Glasur des für 1200 Euro abrufbaren Blumenbehälters gibt Spuren des vor Ort anstehenden roten Tons frei. Der klassisch strengen Bauhausform huldigte auch der zwischen 1954 und 1978 im Keramik-Mekka Höhr-Grenzhausen tätig gewesene Hubert Griemert, dessen diskusartige Steinzeugvase mit 500 Euro beziffert ist. Ihre stilistische Abhängigkeit von Gertraud Möhwald, der mit Schamottebeton experimentierenden Zentralfigur der Hallenser Werkkunstschule auf Burg Giebichenstein, beweist die 1956 in Jena geborene Renée Reichenbach mit einer angeblich funktionstüchtigen, abenteuerlich ausladenden Kanne für 850 Euro. In den Kulturkreis der DDR eingebunden war auch die in Rostock wirkende Petra Benndorf: Ihr 2007 datierter "Kokon" aus Porzellan besitzt die Qualitäten eines Handschmeichlers. Für 460 Euro zu erwerben, zöge er auch im häuslichen Ambiente alle Blicke auf sich.

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