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Galerie-Ausstellung : Jeder Tag ist Frauentag

  • -Aktualisiert am

Nackte Leiber und schwarze Mädchen: Die Ausstellung „A Woman’s Place“ mit Arbeiten von Katrin Ströbel ist noch bis zum 2. September in der Galerie Strelow in Frankfurt zu sehen

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          „Mansplaining“: Das Kofferwort aus den englischen Wörtern man und explaining wurde 2012 von der amerikanischen Schriftstellerin Rebecca Solnit in ihrem Essay „Men Explain Things to Me“ erfunden. Im Jahr 2016 kürte die „New York Times“ den Begriff zum Wort des Jahres: Männer erklären Frauen die Welt, auch wenn die Frauen möglicherweise mehr darüber wissen. Mittlerweile finden sich im Internet zu dem Thema unzählige Blogs und Memes. Und derzeit kann man in der Galerie Heike Strelow in Frankfurt eine amüsante Verbildlichung dieses Kunstworts betrachten: Auf einer in diesem Jahr entstandenen Collage von Katrin Ströbel zeigt ein gutgelaunter Mann in schwarzem Mantel und Hut mit seinem ausgestreckten Finger auf ein Plakat, auf dem neben der Aufschrift „1 inflatable palm tree. Palmier gonflable“ eine riesige Plastikpalme prangt. Darunter hat die Künstlerin „men explain things to me“ geschrieben (2200 Euro).

          Der weibliche Blick ist bei Katrin Ströbels Arbeiten stets präsent. 1975 in Pforzheim geboren, studierte Ströbel Freie Kunst und Literaturwissenschaft, bevor sie 2012 zum Verhältnis von Text und Bild in der zeitgenössischen Kunst promovierte. Seit 2013 hat sie die Professur für Zeichnung an der Villa Arson, École nationale supérieure d’art in Nizza inne und pendelt zwischen Stuttgart, Nizza und Rabat. Ihre aktuelle Ausstellung bei Strelow, „A Woman’s Place“ betitelt, beleuchtet die Rolle der Frau auf unterschiedliche Weisen. Mal geschieht das ironisch, wo Häuser und Bäume zu Pilgern auf dem Weg in den weiblichen Schoß werden. Mit wenigen Strichen verwandelt Ströbel, ganz in Dalí-Manier, das Bergmassiv auf einem Landschaftsdruck in einen Schamhügel; das heißt dann „Pelerinage“, ebenfalls von 2017 (Auflage 5 + 2 AP; 850 Euro). Mal geschieht das mit kritischem Impetus wie bei „Reversion“ von 2015/16, wenn in einem aufklappbaren, halbblinden dreiteiligen Spiegel die Zeichnung einer Afrikanerin vor weißem Grund erscheint. Ihr Blick trifft auf den der Betrachterin, die so auch zur Voyeurin wird. Der melancholische Ausdruck der schwarzen Frau erinnert an ethnographische Fotografien der Kolonialzeit, auf denen fremde Kulturen vorgeführt wurden, präsentiert wie exotische Tiere (9400 Euro). Die Problematik unaufgearbeiteter Kolonialpolitik bestimmt auch die Aquarell-Triologie „How to Carry Your Burden“ von 2016: zarte Frauendarstellungen und exotische Pflanzen auf blauem Papier (je 1300 Euro).

          Ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Geschichte der Frauenbewegungen, repräsentiert durch Katrin Ströbels Serie „Body Politics“, die von 2016 bis 2017 entstand. Auf humorvolle Art verquickt die Künstlerin dort historische Zeugnisse – wie Zeitungsausschnitte, Fotografien und Kunstdrucke – mit eigenen Zeichnungen zu Collagen mit aktuellem Bezug. So übermalt sie für „Manifestation“ das Protestplakat einer Demonstrantin, dessen eigentlicher Inhalt unbekannt bleibt, auf einer alten Fotografie mit einem nackten weiblichen Unterleib: Nun scheint es, als wären die Frauen auf dem Bild für mehr weibliche Nacktheit in der Öffentlichkeit auf die Straße gegangen (1900 Euro). Zugleich bezieht sich die Arbeit auf den Titel der Ausstellung, der vom Slogan „A Woman’s Place is in the Revolution“ abgeleitet ist.

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