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Katharina Grosse in München : Im Freiheitskampf der Malerei

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Die Sprühdose ist ihre bekannteste Waffe zur Befreiung der Malerei, doch Katharina Grosse weiß auch mit dem Pinsel umzugehen. Barbara Gross zeigt in München dynamische Gemälde der Künstlerin.

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          Ihre Malerei ist maßlos. Katharina Grosse zeigt uns, zu was ihr Medium imstande ist. Verpackt wie eine Mondfahrerin und mit Farbpistolen bewaffnet, erobert sie mit ihren Sprühsalven weite weiße Wände. Scheinbar ungebremst ziehen die dichten Farbwolken über Ecken und Kanten, dehnen sich aus auf Decken und Fußböden und haften sogar auf Fensterscheiben und Türfüllungen wie geronnener giftfarbener Nebel.

          Anfang der neunziger Jahre startete Grosse, Jahrgang 1961, den Freiheitskampf der Malerei, mit dem sie allerdings nicht auf Gegenwehr stieß, sondern auf höchste Anerkennung. Trotzdem hat er, bei aller, oft Monate erfordernder Planung immer etwas von wilder „Farbguerilla“, weil der Zauber nach Ausstellungsende wie bei einem Graffiti ordentlich übertüncht wird, als sei nichts gewesen. Längst greift Grosses Farbsturm auf den Außenraum über, zur New Orleans Biennale vor drei Jahren etwa traf er eine Holzhütte samt Rasen und Zaun mit oranger Wucht.

          Inzwischen reagiert die Künstlerin nicht länger nur auf die dritte Dimension, sondern schafft selbst plastische Formen aus Styropor, um sie, wie auch Textilien oder Erdhaufen, in psychedelisch gefärbte Installationen zu integrieren. Souverän gelingt es mit dem kolossalen gewölbten Fiberglasstück, das wie eine beidseitig besprayte Riesenscherbe seit kurzem am Bonner Kunstmuseum lehnt und zeigt, dass Malerei noch immer für große Überraschungen gut ist.

          Und nun diese Gemälde in der Barbara Gross Galerie in München. Nie strich Grosse die Leinwand gänzlich aus ihrem Repertoire, selten aber befasste sie sich so intensiv mit ihr wie in letzter Zeit. Alles ist anders als auf der Wand, und die Resultate sind berückend: Das Besetzen von realem Raum vertauscht die Künstlerin mit der Schaffung von Räumen im Bild.

          Unfassbare, nicht erklärbare Räumlichkeit, die ausschließlich im Reich der Malerei existiert, weil einzig sie Ebenen und Strukturen gleichzeitig und gleichberechtigt erfahrbar macht, die einander normalerweise ausschließen. Die Dynamik springt einen förmlich an, hier aber ist sie nicht das Resultat großer Sprayer-gesten, sondern exakter Schraffur- und Schichtsetzungen mit dem Pinsel. Statt nebliger Unschärfen herrscht Scharflinigkeit von Kurvaturen und fetzigen Hiebformen, ermöglicht durch aufgenagelte Schablonen. Hinter denen tropft manchmal ganz real die Farbe übers Bild.

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