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Galerie-Eröffnung : Im Vertrauen auf Londons Strahlkraft

  • -Aktualisiert am

Angefangen hat alles in Salzburg. Dann kam Paris hinzu. Nun hat der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac seine Dependance in England eröffnet. Dafür hat er eines der schönsten Stadtpalais von London bezogen.

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          Tradition und Fortschritt vermengen sich in der Geschichte von Ely House, dem Stadtpalais, in dem der österreichische Kunsthändler Taddaeus Ropac jetzt mit großem Aplomb seinen Londoner Einstand gegeben hat. Die ehemalige Residenz des Bischofs von Ely, 1772 im paladianischen Stil erbaut, hat im 20. Jahrhundert einer Vielzahl von Nutzern Quartier geboten, darunter dem progressiven Albermarle Club, der dort Einzug hielt, nachdem er, durch den Skandal um Oscar Wilde in Verruf geraten, sich einen frischen Anstrich geben wollte: Denn es war dieser Verein, in dem der Marquess von Queensbury jene Karte hinterließ, die den Schriftsteller der Sodomie bezichtigte und den Prozess zur Folge hatte, der Wildes Verderben war. Nach dem Umzug von der Albemarle Street in das ehemals bischöfliche Palais der benachbarten Dover Street wurde der Verein, der bereits bei seiner Gründung im Jahr 1874 weibliche Mitglieder zugelassen hatte, ein offizielles Zentrum der Frauenstimmrechtsbewegung. Im Zweiten Weltkrieg wurden die stuckverzierten Räume vom amerikanischen Roten Kreuz benutzt. Es folgten unter anderem eine Privatbank und das Nobelantiquitätenhaus Mallett.

          Mit seinen zahlreichen Räumen und der imposanten Ausschmückung bietet das Gebäude nicht gerade den Rahmen, den man sonst mit einer modernen Galerie verbindet. Nichts könnte weiter entfernt sein vom White-Cube-Modell. Dass er Ely House gewählt hat, bezeugt jedoch den Ehrgeiz Ropacs, eine Immobilie für seine Londoner Dependance zu finden, die das englische Wesen spiegelt und sich von der Konkurrenz absetzt. Seine Vorstellungen für das denkmalgeschützte Gebäude ließ er durch Annabelle Selldorf realisieren: Die in New York ansässige deutsche Architektin, die kürzlich mit der Erweiterung der Frick Collection betraut worden ist, hat bereits vor Jahren mit ihrer Renovierung von Ronald Lauders Neuer Galerie ihr Talent für die zum gegenseitigen Vorteil wirkende Verbindung von Alt und Neu bewiesen.

          Ein eigens für die Eröffnung komponiertes Chor-Klangkunstwerk

          Das ist ihr mit diskreten Eingriffen in Ely House ebenfalls meisterhaft gelungen. Dort galt es zunächst, mit Hilfe akribischer Recherchen der Londoner Architekturbüros von Nick Cowie und Lucy Montgomery herauszufinden, was vor den Umbauten verschiedener Nutzer zum Originalbestand gehörte, um einen für die Ausstellung von moderner Kunst geeignete Ästhetik zu schaffen, ohne den Charakter zu verändern. Durch das Abtragen späterer Hinzufügungen und durchgehend weißgestrichene Wände hat Annabelle Selldorf nicht nur Licht in das Gebäude gebracht, sondern dem Interieur auch Kohärenz verliehen. Der Erwerb eines hinten an Ely House angrenzenden Gebäudes hat den Durchbruch vom Eingang in der Dover Street zur parallel verlaufenden Berkeley Street ermöglicht.

          Über einen sechzig Meter langen Flur mit einer Enfilade klassizistischer Bögen wandert der Blick des Besuchers durch die ganze Länge des Palais, in dessen stilvoll mit Kunst bestückten Räumen die Schwerpunkte der Galerie präsentiert sind: von etablierten Künstlern wie Josef Beuys, über Künstlernachlässe, wie dem von Robert Rauschenberg, den Ropac neuerdings betreut, hin zu jüngeren Talenten, wie dem 31 Jahre alten britischen Klangbildhauer Oliver Beer. Der bespielt das Treppenhaus mit einem eigens für die Eröffnung komponierten, die natürlichen Frequenzen des Gebäudes aufgreifenden Chor-Klangkunstwerk, das an die geistliche Musik von Arvo Pärt erinnert. Links vom Eingang werden frühe Video- und Fotoarbeiten des Künstlerduos Gilbert und George gezeigt, oben eine exquisite Auswahl von Zeichnungen von Joseph Beuys und ein Gruppe minimalistischer Kunstwerke aus der Sammlung Marzona, für die zu einem zweistelligen Millionenbetrag ein Käufer gesucht wird.

          In der missgünstigen Kunstwelt ist schon wiederholt gefragt worden, ob Ropac diesen großen Schritt gewagt hätte, wäre ihm der Ausgang des Brexit-Referendums klar gewesen. In Ely House ist jedoch kein Hauch von Unsicherheit oder Nervosität zu spüren. Vielmehr betritt Taddaeus Ropac die englische Bühne mit einer von hohem Qualitätsbewusstsein beflügelten Selbstverständlichkeit, die trotz der Komplikationen, die bei der Abwicklung von Geschäften zu erwarten sind, als Zeichen großen Vertrauens in die Bedeutung Londons als Zentrum für den Handel mit moderner Kunst zu werten ist.

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