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Im Gespräch: Fred Jahn : In der Arbeit Freude finden

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Sehr positiv. Blinky Palermo konnte ich begeistern, das war unsere erste Zusammenarbeit, „4 Prototypen“ 1970. Die Gerhard-Richter-Mappe „Neun Objekte“ haben wir 1969 verlegt. Michael Werner vermittelte uns den Kontakt zu A. R. Penck. Für die Mappe „Ur End Standart“ von 1972 schickte Penck uns aus der DDR, wo er damals noch lebte, Siebdruckschablonen für fünfzehn große Blätter. Wir, ganz naiv, ließen ihn die Signatur auf selbsthaftenden Etiketten mitschicken, die wir auf die fertigen Drucke klebten. Nicht so ideal! Wir gaben dann später die Signaturen im Kuvert dazu: An Fälscher oder Missbrauch dachte damals keiner.

Wie näherten Sie sich dann dem Programm für Ihre eigene Galerie? Wie kam Baselitz zu Ihnen?

Dahlem und Friedrich waren sehr mit Arbeit rund um die Sammlung Ströher befasst. Da gab es ein kleines Betreuungsmanko für die deutschen Künstler. Baselitz wurde 1965 in der Galerie ausgestellt, dann erst mal nicht mehr. Ich baute engere Beziehungen zu Baselitz auf, verlegte Graphik von ihm. Vorher schon hatte ich, dank Dahlems Vermittlung, Baselitz’ Graphikarchiv erworben, alle Probe- und Zustandsdrucke von 1964 bis 1969. Ich kaufte das für mich, ich war ja unabhängig.

Wo ist dieses Archiv heute?

Ich wollte es partout in einem Museum plazieren, das Museum Morsbroich in Leverkusen erwarb es - für nur 15.000 Mark. Aber ich konnte das Haus verpflichten, damit eine Ausstellung und einen Katalog zu machen. Das war sehr wichtig. Man kann sich ja heute nicht mehr vorstellen, dass Baselitz enorm angegriffen wurde und seinetwegen sogar die Galerie Friedrich. Es gab Leute, die sagten, in einem Haus, wo Walter De Maria den berühmten „Earth Room“ gemacht hat, dürfe man so etwas Reaktionäres wie diesen Maler nicht zeigen. Als Friedrich mit dem Hauptsitz der Galerie nach Köln ging, wurde ich Partner, das war aber nicht unkompliziert.

Herrschte denn Einigkeit über das Programm?

Es hat oft ganz schön gescheppert, Auch provoziert durch meinen Dialog mit Michael Werner. Werner war daran interessiert, seine Künstler im Kontext der Galerie Friedrich zu sehen, deren Programm ja in den frühen siebziger Jahren bereits als ein internationales registriert wurde. Michael Werners große Zeit kam erst gegen Ende der Siebziger.

Wer kaufte damals in München Baselitz und Co.?

Die ersten großen Stützen von Anfang an waren der deutsch-amerikanische Geschäftsmann Walter Bareiss und Prinz Franz von Bayern. Herbert Pée zeigte Baselitz bereits 1972 in der Graphischen Sammlung München! Er war neben Dieter Koepplin der einzige etablierte Museumsmann, der sich da bekannte und engagierte. Mit Richter war es immer einfacher, er wurde schneller international wahrgenommen. Polke verstand man nicht. Ich zeigte 1968/69 erstmals seine frühen Zeichnungen - die haben wir verschenkt, später kosteten sie fünfzig bis achtzig Mark.

Aber von zwei Sammlern lebt so leicht keine Galerie sorgenfrei.

Es war schon immer meine Stärke, enge Beziehungen mit Sammlern aufzubauen und mit ihnen über längere Zeit an bestimmten Themen zu arbeiten. Christian Graf Dürckheim kam dazu. Über Malerei war mittlerweile viel diskutiert worden, es zeichnete sich ab, dass die ikonographisch gebundenen Maler der Sechziger und Siebziger Jahre den neuen Ansatz liefern würden. Dürckheim baute eine Sammlung von frühen Werken dieser Leute auf: Richter, Baselitz, Polke, Palermo und anderen.

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