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Im Gespräch: die Fotografin Barbara Kasten : Mit all dem postmodernen Zeug

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Die amerikanische Fotokünstlerin Barbara Kasten erlebt zurzeit eine späte, aber steile Karriere. Ein Gespräch über die Farbigkeit von Schwarzweiß und wie es sich anfühlt, plötzlich gefeiert zu werden.

          6 Min.

          Im Kunstbetrieb gibt es seit einer Weile den Trend zur Wiederentdeckung weiblicher Künstlerinnen einer älteren Generation, wie etwa Mary Heilmann oder Judith Bernstein. Jo Baer wird aktuell im Museum Ludwig in einer großen Schau gewürdigt. Auch Sie arbeiten seit mehr als fünf Dekaden als Fotografin und werden nun von einer jungen Generation entdeckt. Wie erklären Sie sich das?

          Das, was jetzt in meinem Alter geschieht, fügt dem langen Weg, den ich als Fotografin bereits gegangen bin, noch einmal etwas völlig Neues hinzu. Plötzlich werde ich von jungen Leuten aus der zeitgenössischen Kunstszene gesehen, sie entdecken, dass es nicht nur die neuen Arbeiten gibt, sondern ein ganzes Werk dahinter steht. Innerhalb dieser Szene habe ich in den vergangenen Jahren eine ganz neue Unterstützung erfahren. Für viele junge Künstler bin ich eine von ihnen und zugleich so etwas wie eine Mentorin.

          Was bedeutet es, wenn Sie sagen, „ich bin eine von ihnen . . .“?

          In Gesprächen stelle ich oft fest, dass unsere Herangehensweise beim Arbeiten ganz ähnlich ist: Die Recherche und der Prozess sind ebenso wichtig wie das Objekt, das am Ende herauskommt. Es geht bei dieser Art, Fotografie zu benutzen, nicht primär darum, etwas zu dokumentieren. Das entspricht der Vorgehensweise der Modernisten, die Objekte möglichst präzise abzubilden versuchten. Künstlerinnen wie etwa Liz Deschenes arbeiten vielmehr daran, die Bedingungen und die formalen Aspekte des Mediums selbst zu reflektieren. Ich denke, das verbindet mich mit vielen Fotokünstlern einer neuen Generation, und es prägt auch den Austausch, den ich sehr genieße. Durch meine lange Lehrtätigkeit am Columbia College in Chicago habe ich viele Generationen von Künstlern mit ausgebildet und bin bis heute stets Teil eines Diskurses.

          Wie entwickelte sich Ihre Karriere von der Fotografie hin zur zeitgenössischen Kunst? Wie ist es möglich, dass Sie trotz ihrer langen künstlerischen Arbeit jetzt erst international als Künstlerin entdeckt werden?

          Ich denke, das hat viel mit der lange existierenden Unterscheidung zwischen Fotografie und Kunst zu tun. Ich arbeite seit den frühen siebziger Jahren mit Fotografie. 1982 zog ich von Los Angeles als Guggenheim-Stipendiatin nach New York, wo mich John Weber vertrat, einer der wichtigsten Galeristen zu jener Zeit. Damals war ich die Fotografin in Webers Auswahl an Künstlern, das wurde klar unterschieden. Es ist ja bis heute so, dass weite Teile der sogenannten „Fotowelt“ immer noch völlig getrennt von der übrigen Kunstszene existieren: Die Leute bewegen sich in unterschiedlichen Kreisen, sie veröffentlichen ihre Arbeit in unterschiedlichen Medien und sie bespielen unterschiedliche Galerien.

          Ich bekam viel Anerkennung in der „Fotowelt“, doch vor ein paar Jahren dann kam es zu diesem Wiederaufleben der Abstraktion in der aktuellen Kunst, und plötzlich begann sich die Kunstszene für mich zu interessieren. Heute ist Fotografie Teil aller möglichen künstlerischen Gattungen; die starre Unterscheidung zwischen Fotografie, Skulptur und Malerei löst sich auf. Davon profitiere ich. Im kommenden Jahr werde ich meine erste Einzelausstellung im Institute of Contemporary Art in Philadelphia haben. Allmählich zeigt sich, dass meine Arbeit sowohl als Teil der Fotografie als auch der zeitgenössischen Abstraktion wahrgenommen wird, und das ist natürlich wunderbar.

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