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Hélène de Beauvoir : Die andere Beauvoir

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Sie galt lange nur als die Schwester von Simone. Noch immer ist Hélène de Beauvoir nur wenig bekannt. Dabei hat sie fein gemalt, was ihr die Biographie vorgab.

          Zur Feier des Tages trug Jean-Paul Sartre eine Krawatte. In der Pariser Galerie Bonjean fanden sich die feinen Leute aus der wohlhabenden Kunstszene neben den Bohèmiens, den Intellektuellen ein. Der Anlass: die Eröffnung von Hélène de Beauvoirs erster Ausstellung. Es ist Januar 1936, Hélène ist 25 Jahre alt. Auch ihre zwei Jahre ältere Schwester Simone ist unter den Gästen. Später wird diese eine berühmte Schriftstellerin und Frauenrechtlerin werden, die Malerin Hélène dagegen kämpft ein Leben lang um Anerkennung.

          Doch an diesem Abend ist die Jüngere von beiden umschwärmt. Zumindest ein Teil des gemeinsamen Traums scheint damit erfüllt: Die beiden Schwestern hatten sich als Kinder geschworen, berühmt zu werden - die eine als Schriftstellerin, die andere als Malerin. Bei Hélènes erster Schau soll ein Mann alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben: Pablo Picasso. Ohne auch nur jemanden anderen eines Blickes zu würdigen, ging er schnurstracks auf die attraktive und stets elegant gekleidete Hélène de Beauvoir zu. Während Picasso ihre Gemälde betrachtete, zitterte Hélène am ganzen Leib. „Interessant, interessant. Ihre Malerei ist originell“, kommentierte Picasso die ausgestellten Bilder.

          Von Picasso ermutigt

          Er hatte auch eine Schwäche für Blondinen mit blauen Augen. Doch das Lob hielt bei Hélène ein Leben lang vor. Sie schrieb später in ihren „Souvenirs“: „Alle jungen Maler, hauptsächlich die meiner Generation, ahmten ihn nach. Ich war eine der wenigen Malerinnen, die es nicht taten, also war ich originell. Man kopiert nicht einen Picasso, das hat keinen Sinn. Wenn man ein Talent nachahmt, bedeutet das, dass man selbst keines besitzt.“ Und: „Ihr Talent ist individuell und kraftvoll“, stand dann in der Zeitung „Les Débats“.

          Simone waren die Bilder der Schwester zu akademisch, doch anfangs unterstützte sie ihre „Poupette“ - das Leben der jungen Malerin war „materiell schwierig und sehr karg“. Simone bezahlte die Atelier-Miete von ihrem Lehrerinnengehalt, als Gegenleistung tippte Hélène die Manuskripte der Schriftstellerin ins Reine. Sie brachte Simone mit dem schon damals berüchtigten Philosophen Sartre in Kontakt - und weil die Ältere zu schüchtern war, ging Hélène im Jahr 1929 an ihrer Stelle zur ersten Verabredung mit Sartre in einem Pariser Café. Aus Höflichkeit lud er sie ins Kino ein. Hélène warnte die Schwester danach: „Er ist wirklich hässlich und keineswegs so komisch, wie ihm nachgesagt wird.“

          Eine verehrte Schwester

          Erst später kam es zu Konflikten zwischen den beiden; denn Simone begann die Jüngere wegen ihres bürgerlichen Lebens zu kritisieren. Hélène hielt viel aus: Sie verehrte ihre ältere Schwester grenzenlos. Mehr als alles fürchtete sie, Simone zu enttäuschen. Dennoch ließ sich Hélène nie nachhaltig beeinflussen: Sie wird ihrem Mann, Lionel de Roulet, einem Meisterschüler von Jean-Paul Sartre, quer durch Europa folgen. Im Jahr 1940 geht das Paar nach Portugal, wo Lionel persönlicher Referent von De Gaulle wird. Während der Kriegszeit bleiben sie in Lissabon. Als sie 1945 nach Paris zurückkehren, wird Lionel als Direktor des Informationsministeriums nach Wien versetzt.

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