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Helen Frankenthaler in New York : Grande Dame der Abstraktion

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Ohne Helen Frankenthaler wäre die Geschichte der abstrakten Malerei eine andere. Das zeigt jetzt die eindrucksvolle Retrospektive bei der New Yorker Galerie Knoedler.

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          Viele der Künstler ihrer Zeit malten wie Willem de Kooning oder Arshile Gorky. Helen Frankenthaler aber sagte, sie könne de Kooning spiegeln und über Jackson Pollock hinausgehen. So fing alles an. Mit 23 Jahren schon malte sie dann ihr berühmtes Gemälde „Mountains and Sea“, das war im Jahr 1952.

          Das Bild wurde als Meisterstück gefeiert. Und damit ist sie - neben Frank Stella und seinem „Union Pacific“ - eine Künstlerin, deren Karriere mit einem Knall begann. Wie Pollock arbeitete sie auf dem Boden, aber nicht wie er mit Lackfarben; sie verwendete Farben, die in die Leinwand einziehen - diese Technik wurde später „Stain Painting“ genannt. Es wird erzählt, dass 1953 Kenneth Noland und Morris Louis in Frankenthalers Studio pilgerten, um zu sehen, was es mit ihrer neuen Methode auf sich habe.

          Werke aus der Sammlung der Künstlerin

          Die Malerin Helen Frankenthaler gehört seit 56 Jahren zu Amerikas wichtigsten Künstlern. Die New Yorker Galerie Knoedler widmet ihr jetzt eine Retrospektive, für die Frankenthaler selbst neun Werke aus ihrer Sammlung beigesteuert hat; sie decken sechs Dekaden ihres Werks ab (Preise von zwei Millionen Dollar an).

          In der Schaffenszeit von „Mountains and Sea“ ist auch „Western Dream“ entstanden, nämlich im Jahr 1957. Bei Knoedler hängt es gleich neben dem Eingang. Das Bild beschreibt man am besten als Landschaftsbild, von jedem naturalistischen Detail befreit. Das riesengroße Format büßt aber in keinem Moment seine überraschende Intimität ein.

          Zwischen Ordnung und Zufall

          Frankenthaler gibt heute keine Interviews mehr. Fotos zeugen von einer schlanken, attraktiven Frau mit akkuraten Haaren, vorzugsweise im Rollkragenpullover und Faltenrock. „Mein Leben“, sagte Frankenthaler 1989, „ist kontrolliert und bourgeois. Ich habe Angst vor Risiken. Mein Studioboden ist der Ort, an dem ich mich in Gefahr stürze.“ Karen Wilkin, Kuratorin und enge Freundin der Malerin, beschreibt sie als ausgesprochen diszipliniert und energisch - da überrascht es fast ein wenig, dass ihre Arbeit auf Improvisation und Zufall beruht.

          Im zweiten Raum der Galerie hängt ein Werk aus den sechziger Jahren. Während in New York die Pop Art tobte, treiben auf „Provincetown I“ symmetrische Elemente mit dynamischen ein farbkräftiges Spiel der Abstraktion. Gleich gegenüber hängt „Pink Lady“ von 1963. Bei dieser Arbeit kann der Betrachter die „Stain Painting“-Technik präzise nachvollziehen: Man sieht, wie die Farben über die Leinwand fließen, um schließlich zu versickern wie Tinte im Löschblatt.

          Clement Greenberg war ihr Mentor

          Frankenthaler studierte Kunst in Vermont, zog 1948 zurück nach New York und bei ihrer Mutter ein. Das klingt nicht nach dem Parade-Bohemian-Lifestyle, aber als sie eine Benefiz-Ausstellung mit Gemälden ihrer Universität organisierte, fand sie ihren Mentor in Clement Greenberg, jenem einflussreichen Kritiker, dem Pollock maßgeblich seinen guten Ruf verdankte. Greenberg betrachtete alle Bilder und sagte schließlich, ihre seien die schlechtesten. Dann wollte er ihre Telefonnummer.

          In fünf Jahren Beziehung lernte Frankenthaler, was an keiner Schule gelehrt wird: Sie fuhren gemeinsam durch das Land, malten Landschaften, reisten nach Europa, lernten von den Alten Meistern. Sie tranken Rotwein mit de Kooning, aßen Kuchen bei Franz Kline. Aber ihre Arbeiten blieben kubistisch, ihnen war das College noch anzusehen - bis sie Pollock traf. Auf dem monumentalen „A Green Thought in a Green Shade“ von 1981 sind seine Einflüsse unverkennbar. Am 12. Dezember ist Helen Frankenthaler achtzig Jahre alt geworden.

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