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Ausstellung : Die Galeristin und der Eiermann

  • -Aktualisiert am

Gisela Capitain hat vor dreißig Jahren ihre Galerie in Köln eröffnet. Alles begann mit Kippenberger. Ihm widmet sie nun auch die Jubiläumsschau. Nicht jeder kann so einen Klassiker erwerben.

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          Der, mit dem alles anfing, war ein notorischer Provokateur. Zu ihr aber war er nett, er hat sie nie beleidigt, konnte im Gegenteil sogar ausgesprochen charmant sein. Machte mittags das Frühstück, wenn er aufstand und sie gerade aus der Schule kam, wo sie Deutsch und Mathematik unterrichtete. Der Maler und die Lehrerin – sie lebten, freundschaftlich, zu zweit in einer Wohngemeinschaft in Berlin, nachdem sich beide beim Mau-Mau kennengelernt hatten.

          So berichtet es Gisela Capitain. Es war Martin Kippenberger, der damals, in den siebziger Jahren, in ihrem Leben „alles einmal umdrehte“. Das tat er gründlich und für die junge Beamtin folgenreich: Die Laufbahn als Konrektorin schlug sie aus, stürzte sich stattdessen in das gemeinsame Abenteuer des „Büro Kippenberger“ und machte sich schließlich selbständig, als sie 1986 eine Galerie in Köln eröffnete. Die wird jetzt also bemerkenswerte dreißig Jahre alt.

          Die souveräne Gelassenheit dieser Galeristin wirkt nie aufgesetzt, wenn sie über ihren anfänglich ungewöhnlichen Lebensweg spricht, über die Metamorphosen des Marktes, vor allem aber über eine für sie unverzichtbare Kontinuität in der Kooperation mit Künstlern. Wie Christopher Williams, Zoe Leonard oder Christopher Wool, mit denen sie von Beginn an zusammenarbeitete. Deren Geist und Energien sind es, von denen sie sich bis heute anstecken und beflügeln lässt: eine besondere Form von Intelligenz, das Wissen um eine „Kunstgeschichte, aus der man einfach nicht herauskommt“, der unbedingte Wille, etwas zu erreichen – all dies in einer Szene voller Konkurrenzen, in der „Geld in einem enormen Volumen“ zirkuliert. So gesehen, hätten ein Wade Guyton und eine Laura Owens deutlich mehr mit Martin Kippenberger zu tun, als sich dies, oberflächlich betrachtet, erahnen ließe.

          Mit dem alles anfing

          Aus ihrem Selbstbewusstsein leiten die Künstler indessen auch hohe Ansprüche an die Galeristin ab. Überall präsent sein wollten sie, auf den globalen Messen, bei den Hot Spots der Szene, in New York, in Berlin sowieso, weswegen Gisela Capitain dort vor ein paar Jahren – mit dem New Yorker Kollegen Friedrich Petzel – eine Dependance eröffnete. Keineswegs aber sei sie bereit, sich von Karrieregelüsten bestimmen oder gar fortreißen zu lassen. Und überhaupt: Wer mal eine Marktkrise durchlaufen habe und „eine Zeitlang weg vom Fenster war“, gehe daraus meistens gestärkt hervor, so ihre Erfahrung.

          Die Jubiläumsschau am rheinischen Stammsitz kehrt naturgemäß zu dem zurück, mit dem alles anfing: zu Kippenberger. Der mag in seinen Werken noch immer provozieren, inzwischen aber ist er vor allem dies: ein Klassiker. Man sieht es den Bildern direkt an, wenn man die Ausstellung betritt – dementsprechend sind die Preise, mit denen sie bewertet werden, sofern sie denn zum Verkauf stehen. Kippenberger hatte das Ei als Sujet seit den frühen achtziger Jahren bis zuletzt in seinem Œuvre ausgebrütet, was sich in Bildern, Objekten und einem motorisierten Eierwagen niederschlug (den er im Burgenland, wo er zuletzt mit der Fotografien Elfie Semotan wohnte, auch ohne Führerschein steuern durfte).

          Kurz vor seinem Tod 1997 trumpfte der selbsternannte „Eiermann“ damit im Museum Abteiberg in Mönchengladbach auf. Es war, heute kaum mehr zu glauben, erst seine zweite Museumsausstellung zu Lebzeiten. Zwei stattliche Hochformate von 1991 schlagen mit je zwei Millionen Euro zu Buche, als Nachlassverwalterin spricht die Jubilarin allerdings ein entscheidendes Wort mit, wer als Erwerber in Frage kommt. Rund tausend Bilder wird der vierbändige Catalogue raisonné der Gemälde auflisten, als deren Mitherausgeberin die Galeristin verantwortlich zeichnet. Dieser Arbeit, sagt Gisela Capitain, möchte sie gern noch mehr Zeit widmen. Sich räumlich auszudehnen, etwa in New York oder Los Angeles wie manche Kollegen aus Berlin und dem Rheinland, interessiere sie dagegen nicht.

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