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Gegenwartskunst : Die Baumwollspinnerei mit ihren Gästen

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Die Leipziger Baumwollspinnerei und ihre dreizehn Galerien haben sich für den diesjährigen Rundgang etwas ganz Neues einfallen lassen: Während in Berlin das Gallery Weekend die Sammler anlockt haben sie fünfzehn internationale Galeristen zu einer Kunstschau auf das Fabrikgelände geladen.

          Volksfeststimmung in Leipzig - ein wenig erinnert die Atmosphäre auf dem Gelände der Baumwollspinnerei in diesen Tagen daran. Dort, wo sonst nur eine einzige Kneipe die Anwohner, Künstler und Aussteller versorgt, haben für den Galerienrundgang vom 1. bis zum 4. Mai gleich mehrere "Kantinen" ihre Stühle rausgestellt. Hindurch zwängten sich am Eröffnungstag die schwarzen Limousinen des Shuttle-Service, der die internationalen Sammler heranfährt. Viele strömten in die Galerie Kleindienst; denn: Neue Leipziger Schule in ihrer Reinform ist dort gehängt.

          Tilo Baumgärtel huldigt seinen surrealen Bildwelten in düster grün-grauer Farbigkeit; über seine Methode, die Motive jeweils in einem Groß- und einem Kleinformat abzuhandeln, freut sich der Kunstmarkt. Seine kleinen Leinwände mit den Maßen dreißig mal vierzig Zentimeter sind dabei in ihrer Spannung und Kraft viel dichter und präziser als die luftigen Großformate (Preise von 11.000 bis 56.000 Euro). Lohnenswert ist ein Video des Schülers von Arno Rink (Auflage 25; 1600 Euro): Hier vermischen sich Baumgärtels gezeichnete und gemalte Traumwelten mit historischen Aufnahmen und privaten Erinnerungsbildern. Gerd Harry Lybke von der Galerie Eigen + Art konnte bereits drei Exemplare der archaischen "Berserker" von Stella Hamberg vermitteln (für jeweils 120.000 Euro).

          Gliedmaßen in Übergröße

          Ihre unberührbaren Titanen - oder sind es Barbaren? - mit ihren überdimensionierten Füßen und den kräftigen Armen und Händen, aus denen die Adern hervortreten, stehen da, zwei Meter hoch, wie in der Bewegung eingefroren, aus einer fernen Welt, die dem Betrachter verschlossen bleibt. Nebenan in den Räumen der Galerie Dogenhaus, die gemeinsam mit ASPN ausstellt, wird die Fotografie hochgehalten: Formalistische Architekturbeobachtungen zeigt Jochen Hempel bei Dogenhaus (5000 bis 11.000 Euro); Schwarzweißschnappschüsse, die auf den zweiten Blick so wohlkomponiert wirken wie ein Werk von Jeff Wall, präsentiert ASPN mit Arbeiten von Arthur Zalewski. Durch ihre Freude an der zarten Farbigkeit wirken die Würfelbilder von Christoph Kern durchaus entspannend; sie füllen die Fabrikhalle von Filipp Rosbach.

          Was keine Messe sein sollte, sondern nur eine Einladung für fünfzehn internationale Galerien, wirkte dann doch wie eine: In einer kleinen Halle teilten sich die Gäste einen überschaubaren Raum, in charakteristischer Standarchitektur - ein etwas befremdendes Unternehmen angesichts der dort gezeigten kunterbunten Kunstansammlung. Rote Punkte waren jedoch ebenso schon geklebt wie in den ansässigen Galerien. Und die Besucher scharten sich um das (bereits verkaufte) Foto eines leichenblassen Jünglings mit roten Haaren von Desiree Dolron, das bei der Galerie Rolt aus Amsterdam hängt.

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