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Ganz auf Köpfe eingestellt : Von Scheiteln und Schöpfen

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„Hauptsache Köpfe“: Eine Gruppenschau in der Kölner Galerie Reckermann huldigt den Häuptern in der Kunst.

          2 Min.

          Meist ist es Museen vorbehalten, durch Gruppenausstellungen Einblick in monographische Themen der Kunst zu gewähren. Galerien gelingt das eher selten - wohl auch, weil oft der Zugriff auf Werke fehlt, die über das eigene Programm hinausgehen. Oder weil es an der Zeit und Ausdauer mangelt, über Jahre hinweg die passenden Stücke zusammenzutragen.

          Jetzt ist der Galerie Reckermann in Köln eine solche Zusammenschau mit ihrer Ausstellung „Hauptsache Köpfe“ gelungen. Zu Recht lautet ihr Untertitel „Merkwürdige Häupter“; denn die Schau liefert keine konventionelle kunsthistorische Lehrstunde zum Thema Porträt, sondern einen spürbar persönlichen Zugriff auf das anscheinend so vertraute Sujet.

          Arte Povera zum Auftakt

          Ihren Ausgangspunkt findet diese schöne Schau bei einer kleinen Installation des Arte Povera-Künstlers Giulio Paolini: Neben der Reproduktion eines Gemäldes des Pferdemalers George Stubb lagern Teile einer zerschlagenen weißen Pferde-Skulptur aus Ton. „Eclipse“ lautet der Titel dieser Zusammenstellung aus dem Jahr 1985 (65.000 Euro). Dorothee von Windheim zitierte 1980 das Schweißtuch der Veronika mit dem Antlitz Christi auf einem Gazetuch mit dem Gruß „Salve Sancta Facies“ (4000 Euro).

          Nicht weniger auratisch gibt sich Anne und Patrick Poiriers „Aphrodisias, Bruchstücke des Erinnerns und Vergessens“ aus dem Jahr 1989: Wie in einem silbernen Holzschrein ist die Abbildung eines Gesichts einer antiken Statue präsentiert. Kombiniert ist das Motiv mit einem Buch: Es zeigt die Fassade eines dorischen Tempels (12.000 Euro). Kompositorisch weist auch Bernhard Prinz' Porträtfotografie „Iride“ mit ihrer gelassenen Mimik in hieratischer Frontalität auf antike ägyptische Mumienporträts zurück (9500).

          Duchamp kann es

          Selbst eine Ikone der Fotografie ist Man Rays Aufnahme „Tonsure“ von 1921, das den Hinterkopf des Pfeife rauchenden Marcel Duchamp mit ausrasiertem Stern zeigt - so beiläufig wie radikal im Einklang von bourgeoisem Habitus und exzentrischer Pose (Preis nur auf Anfrage). Die Gegenüberstellung afrikanischer Plastik mit europäischer Avantgarde ist konzeptuell schon ein Klassiker, erprobt in den Salons von Paris und Berlin.

          Das aus dieser Zusammenstellung auch heute noch ein inspirierender Dialog erwachsen kann, bezeugt die Konfrontation einer Maske der Chokwe (13.000 Euro) mit einer Keramikbüste Lucio Fontanas von 1946, ruhig im Ausdruck, aber aufgeregt in der zerklüfteten Oberfläche (160.000 Euro). Der Galerist Winfried Reckermann hätte gerne noch eine Skulptur von Medardo Rosso in ihrer Gesellschaft gesehen, damit wäre das Ensemble für ihn vollständig gewesen.

          Ein Planet aus Haaren

          Das Motiv für Andy Warhols „Actress“ entstand spontan, als die Schauspielerin dem Künstler frech vor die Linse trat (25.000 Euro). Patrick Tosani, Jahrgang 1954, wirft einen etwas ungewohnten, fotografischen Blick von oben herab auf die Haarpracht eines Menschen, die sich durch die monumentale Vergrößerung in einen grotesk überwucherten Planeten verwandelt (16.000 Euro). Gleich daneben leuchtet kontrastreich ein kahl rasierter Hinterkopf vor grünem Grund auf einem Ölbild von Salomon Huerta (“Head“, 9000 Euro).

          Eine eigens für die Ausstellung produzierte Skulptur von Günther Uecker deutet als „Kopfweide“ Ovids Metamorphosen in ein niederrheinisches Idiom um. Schließlich nickt in einer Ecke Jean Tinguelys elektromechanischer Schädel „Laika“, der - neben Lassie - vielleicht bekanntesten Hündin. Sie überwand, eingespannt in technische Aperaturen, 1957 an Bord von Sputnik 2 die Grenzen irdische Schwerkraft (126.000 Euro).

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