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Gallery Weekend in Berlin : In der Begrenzung liegt die Kunst

  • -Aktualisiert am

Im Überfluss: Hunderte Berliner Galerien eröffnen am Wochenende neue Ausstellungen. Wer nicht weiß, wo er anfangen soll, macht mit der Umgebung der Potsdamer Straße schon mal nichts falsch.

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          Das Postfach quillt über mit Ankündigungen für den Abend des 26. April. Denn dann eröffnet das Gallery Weekend in Berlin. 51 Galerien wurden ausgewählt: Sie dürfen sich Teilnehmer nennen. Doch drumherum eröffnen noch Hunderte andere Galerien ihre Ausstellungen an diesem Wochenende. Ein Überblick ist nahezu unmöglich. Ein Blick auf das Angebot des Gallery Weekends zeigt jedoch: Das Ballungszentrum liegt eindeutig in und um die Potsdamer Straße herum. Auch wenn einige von ihnen schon wieder nachdenken, weiterzuziehen Richtung Charlottenburg.

          Guido W. Baudach geht gegen den Trend an: Er gibt seinen kleinen Raum in der Carmerstraße am Savignyplatz auf und ist gerade dabei seine Etage im ehemaligen Tagesspiegelgebäude auf der Potsdamer Straße zu beziehen. Die alten Glaswände des Newsrooms stehen noch. An den spröden Wänden hängen an diesem Donnerstag schon die Styroporbilder von Thilo Heinzelmann.

          Zwölf Gallery-Weekend-Teilnehmer sind hier im weiteren Umfeld zu finden. Wer keine Muße hat, sich alles anzuschauen, macht mit der Wahl dieser Gegend keinen groben Fehler. Warum aber eine Galerie wie Klemm’s mit seiner Schau von Sven Johne nicht eingeladen wurde, ist ein Rätsel. Vielleicht ist die Begrenzung die größte Kunst an der Veranstaltung.

          Unbedingt lohnenswert ist auch die Schau in der Galerie Meyer Riegger auf der Friedrichstraße von Eva Kotatkova. Sie kündigt für Freitag und Samstag Performances an. Aber es lohnt auch ein späterer Besuch: Ihre geritzten Fotografien, ihre Collagen, Videos – ihr sehnsuchtsvoller Blick auf die Mentalitätzustände von Schneckenmenschen und lebenden Büchern sind so fein, subtil und gleichzeitig fesselnd, von unbedingter Stille. Interessant sind auch andere unbekanntere, junge Künstler, wie Özlem Altin bei Circus oder auch Ciprian Muresan bei Plan B.

          Drei Mal Hans Peter Feldmann zum Gallery Weekend sollte das Aushängeschild werden – parallel zur großen Schau in den Hamburger Deichtorhallen. Doch die Alten Meister mit roten Nasen sind in der Wiederholung nur anstrengend. Lohnenswert ist nur die sehr ruhige, präzise Schau bei Barbara Wien.

          Klosterfelde zeigt Jorinde Voigt, Aurel Scheibler seine Entdeckung Curt Stenvert. Die Verhältnisse ins rechte Licht rückt Goran Petercol in seiner zurückhaltenden, fokussierten Ausstellung bei Podnar in der Lindenstraße.  Der erste Rundgang heute bestach durch die kleinen Entdeckungen und eine große alte Dame: Maria Lassnig bei Capitain Petzel. Die Schau der 94 Jahre alten Künstlerin aus Wien ist ein absolutes Muss, auch wenn sie fast auf der anderen Seite der Stadt liegt. Mit dem Fahrrad sind es nur zwanzig Minuten.

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