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Galerierundgang Zürich : Viel Glück, Oskar

  • -Aktualisiert am

Die Zürcher Galerien zeigen zum Beginn der Herbstsaison viel Schweizer Kunst - generationenübergreifend: Caro Niederer, Meret Oppenheim und John M Armleder.

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          Alle drei Künstler haben Schweizer Wurzeln, gehören aber verschiedenen Generationen an und präsentieren denkbar unterschiedliche Handschriften: Die Zürcherin Caro Niederer zeigt ihre Seidenteppiche und Gemälde bei Hauser & Wirth, neue Arbeiten des Genfers John M Armleder sind bei Andrea Caratsch zu sehen, und eine veritable Werkschau von Meret Oppenheim erwartet die Besucher bei De Pury & Luxembourg.

          Die historischen Industrieräume der Galerie Hauser & Wirth im Zürcher Löwenbräu-Areal sind das ideale Forum für Caro Niederers Ausstellung "Waiting for Returns" mit ihren bis zu drei Meter hohen Kunstwerken. Niederer, Jahrgang 1963, untersucht die Wandelbarkeit von Bildern, je nachdem welches Medium man verwendet.

          Geknüpft der Banalität entronnen

          Auf Grundlage fotografischer Vorlagen entstehen Gemälde - wie die Blumenbilder "Übernachtung in Nairobi" und "Pflanze" (je 15.000 Euro) - oder in China von Hand geknüpfte Bildteppiche. Die nebensächlichen Motive der Seidenarbeiten erhalten durch die Übersetzung in das ungewöhnliche Medium, die monatelange Arbeit in Anspruch nimmt, eine neue Lesbarkeit. Der Teppich "Viel Glück" (45.000 Euro) von 2007 spielt dabei mit einem denkbar unspektakulären Ausschnitt: Er zeigt ein Jugendzimmer-Interieur, durchschnittlich, wenig rebellisch.

          An der Wand hängt ein Glückwunschplakat: "Viel Glück Zum Mutterstag Oskar". Das schimmernde Seidenmaterial des Teppichs irritiert den Betrachter, der sich fragt, weshalb Niederer gerade ein so beiläufiges Motiv durch aufwendigste handwerkliche Übertragung herausstellt. Auch das titelgebende "Waiting for Returns" hebt ebenso wie "Tennis Lesson" (je 45.000 Euro) fotografierten Alltag durch mehrfache Transformation auf eine künstlerische Ebene. Wie bildgewordene Erinnerungen ragen Niederers Motive in den Raum.

          Über eine Felltasse hinaus

          Meret Oppenheims OEuvre ist wichtiger Bestandteil der Kunst des 20. Jahrhunderts, und ihre Wahrnehmung schließt inzwischen auch deutlich mehr ein als das berühmte, mit Gazellenfell besetzte Gedeck "Le Déjeuner en fourrure" aus dem Jahr 1936. De Pury & Luxembourg bieten jetzt, nur ein paar Schritte von Hauser & Wirth entfernt, nicht nur selten gezeigte Werke der 1985 verstorbenen Künstlerin zum Verkauf, sondern plazieren passende Leihgaben dazu, mit denen die Entwicklungslinien im Gesamtwerk markant nachgezeichnet werden.

          So dokumentieren das Aquarell "Rüsseltier am Strand" von 1932 oder das im Jahr 1970 entstandene Objektbild "Irma la Douce" (beides Leihgaben) die formale und technische Vielfalt im Werk Oppenheims. Von nobler Eleganz ist das dunkle, an Max Ernsts Motive erinnernde Gemälde "Das Tragisch Komische" von 1944 (250.000 Euro), während "Figuren" von 1951 (40.000 Euro) beinahe beschwingt auftritt.

          Inspiriert vom Surrealen

          Von leichter Hand gemalt sind die kleinformatigen Tuschezeichnungen, die die oft surrealistischen Objekte und Installationen illustrierend begleiten. Oppenheims im Paris der dreißiger Jahre gepflegte Freundschaften zu so einflussreichen Künstlern wie André Breton und Hans Arp sind auch in ihren Arbeiten spürbar, so in der 1952 gemalten "Winternacht" (60.000 Euro) oder in dem kleinen Schachtelobjekt "Quelle" von 1959 (verkauft). John M Armleder, 1948 in Genf geboren, schließt mit "Again" konzeptionell an frühere Werke an: Mit seiner Wandmalerei in der Galerie Caratsch bringt er sich erneut in die Diskussion um Original und Kopie, um Urheberschaft und Interpretation ein.

          Armleder zeigt einen Wandfries mit Zunftzeichen, Gemeindewappen und Sinnsprüchen - eine Replik des Wandfrieses im berühmten Restaurant Kronenhalle, das kaum zweihundert Schritte von der Galerie entfernt liegt. Mit der Loslösung aus dem Zusammenhang führt Armleder das Objekt selbst ad absurdum und ebenso den Galerieraum.

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