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Galerierundgang Salzburg : Zeitlos, klassisch, gegenwärtig

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Roter Kreis, blaues Quadrat, grünes Dreieck - große Formen auf der Wand: Olivier Mosset, Jahrgang 1942, betitelt sie „I“, „O“ und „U“. Nicht nur, weil sich das auch „I owe you“ lesen lässt, ist es schade, dass das bereits verkaufte „U“ die Kameraden verlässt (je 75.000 Euro). Für die jüngere Generation stehen Liam Gillick mit einer übermannshohen violetten Plexiglaskiste, pseudofunktional die Schnittpunkte von Kunst und Design abtastend (Unikat; 120.000 Euro), und Katja Strunz, die ihre Faltungen aus Stahlblech in polygonalen Flachreliefs fortsetzt (von 12.500 Euro an). (Bis 31. August.)

Museumsreifes bei Salis & Vertes

Wie ein Vorläufer des Minimalismus erscheint eine Hommage ans Quadrat, die Josef Albers 1953 in Blau und Grau auf grünem Grund malte (350.000 Euro). Es ist das strengste Werk bei Salis & Vertes, wo die Klassische Moderne malerisch und plastisch in Museumsqualität Hof hält. Berührend schön in seiner intimen Dichte, die Köpfe von Mann und Locken umkränzter Frau wie Schattenrisse erfassend, wird Pierre Bonnards „Petit dejeuner, homme et femme“ sich kaum über mangelnden Zuspruch beklagen müssen; das großartige Kleinformat von 1894 erfordert 450.000 Euro. Die Galerie liebt die Franzosen, unternimmt aber jede Menge Abstecher. So ergeht sich ihr Angebot an Landschaftskunst in attraktiven Stilfacetten zwischen Albert Marquets am verträumten Seineufer schaukelnden Frachtkähnen über Kandinskys Frühwerk „Kallmünz-Vilsgasse I (Rosa Landschaft)“ von 1903 bis zu Jawlenskys auf frischfarbene Tupfer reduzierter „Variation. Vorfrühling in Ascona“. (Bis 31. August.)

Die klassische Komponente verstärkt die Galerie Welz mit Keramiken und Graphiken von Picasso, in denen sich das Feuerwerk der Kreativität dieses genialischen Tausendsassas entzündet. Im genüsslichen Auskosten drucktechnischer Finessen und im Prozess der Stilwechsel durch viele Jahrzehnte bleibt er seinen Themen treu, den schönen jungen Frauen, den bockigen Faunen und dem Künstler, der das Welttreiben fixiert. Ein seltenes Blatt wie die nur dreimal existierende Radierung „Le repos du sculpteur devant le jeune cavalier“ von 1933 kostet 83.000 Euro; Exemplare aus hohen Auflagen wie „Paloma et Claude“ gibt es schon für 3200 Euro. Seit Picasso im Töpferdorf Valauris mit Keramik zu experimentieren begann, entstanden Teller, Schalen, Krüge, auch in Auflagen bis zu 500 Stück wie ein Schälchen mit zustechendem Picador ( 5700 Euro). (Bis 1. September.)

Aus dem Renovierungsmüll einer psychiatrischen Anstalt gerettete Werke des „Hofmalers von Österreich, Italien und Siam“ zeigt die Galerie Altnöder: Josef Karl Rädler (1844 bis 1917), erst Porzellanmaler und erfolgreicher Unternehmer in Wien, dann ins „Irrenhaus“ verbannt von seiner Familie, malte, was ihn dort umgab - Szenen aus dem Anstaltsleben, friedlich und vergnügt zum Glück, und Porträts der Mitpatienten. Räder rahmte seine Darstellungen mit weltanschaulichen Texten, die wenig verrückt, eine gesunde Lebensweise, „gleiches Recht für Frauen“ und Friede auf Erden fordern (5500 bis 12.500 Euro). (Bis 14. September.)

Im Nonntal, einem der ältesten Viertel der Stadt, beginnt sich soeben eine in Erweiterung begriffene Galerienszene zu etablieren. Die Galerie Fray ist schon dort, sie zeigt den unbeschwerten Kosmos des Wiener Malers und Autors Anton Glück. Und „Madero Collectors Room“ mischt Originale von ausgesuchten Design-Klassikern der zwanziger bis siebziger Jahre mit zeitgenössischer Kunst. Kürzlich entdeckte Alejandro Madero gegenüber in der Nachbarschaft eine verlassene Werkstatt aus den Dreißigern und installierte darin zwischen Werkbänken, Stahlträgern und dunklem Holz effektvoll die vielgestaltigen, an Lebewesen der Tiefsee erinnernden Lichtobjekte von Jürgen Reichert (290 bis 12.000 Euro). (Bis 30. August.)

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