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Galerierundgang Köln : Maler malen Gemälde

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Bilder und vieles mehr: Aktuelle Kunst bei Marion Scharmann, Linn Lühn, im „Warehouse“ und Jagla-Austellungsraum in Köln. Ein Rundgang.

          Der Aufschwung der Art Cologne unter Daniel Hugs Leitung hat auch die Kölner Galeristen wieder zu ganz besonderen Ausstellungen angespornt, die hiesige und internationale Sammler anlocken. Marion Scharmann versammelt gleich eine ganze Schar junger Künstler um die dreißig: Christian Hellmich, Schirin Kretschmann, Anne Neukamp und Malin Persson arbeiten zwischen Figurativem und Abstraktem bis hin zu Performances an einer Erweiterung des Malereibegriffs. Während Neukamp durch sorgfältige Übermalungen Bilder schafft, die aussehen, als wären sie mit uralter Patina überzogen, transponiert Kretschmann ihren malerischen Gestus in den unmittelbaren Prozess: Sie inszeniert Performances mit Speiseeis, das allmählich zerläuft und farbige Spuren hinterlässt. Oder sie hängt einen verkohlten Apfelkuchen an die Wand, der in quadratischer Form an Malewitsch erinnert.

          Linn Lühn zeigt die von Michael Bauer und dem aus Glasgow stammenden Charlie Hammond konzipierte Doppelausstellung „Euro Savage“. Neben den humorigen, teils bewusst trashigen Arbeiten Hammonds bleiben die Gemälde Bauers im Gedächtnis, die Jennifer Higgie einmal so beschrieb, dass sie scheinbar aus „visuellen Gedankensprüngen, großgestischen Körperscherben und stachligen, künstlich gefertigten Tieren“ gemacht seien. (Preise von 1200 bis 16.000 Euro)

          Auch die Fotografie ist vertreten: Erstmals in Köln präsentiert Gisela Capitain die in Österreich geborene Fotografin Elfie Semotan. Sie lebt in Wien und New York, war Fotomodell und Ehefrau Martin Kippenbergers und hat sich international als Modefotografin etabliert. Capitain zeigt Künstlerporträts und Atelierstudien von ihr, zum Beispiel von Jutta Koether oder Raymond Pettibon. Während Koether in rosafarbener Satinhose, weißem T-Shirt und wildem Rapunzelhaar etwas sehr Gegenwärtiges versprüht, scheint das schwarzweiße, sentimental anmutende Bildnis Pettibons mit Hündchen aus einer anderen Zeit zu stammen - wie viele seiner Arbeiten eben. (Die Abzüge kosten 3500 Euro.)

          Der Fotokünstler Ralph Baiker bittet bei Mirko Mayer in die Höhle des Pan, und dort ist einiger Aufruhr zu verzeichnen. Baikers tragikomische Helden, zum Beispiel ein „Athenean Fighter“, scheinen - präsentiert als nuancenreiche Gelatinesilberabzüge - aus den Anfangsjahren des Mediums zu stammen, sind jedoch offensichtlich am Computer entstanden: ein reizvoller Kontrast. (Auflage je 2; Preise von 1800 bis 9000 Euro)

          Prosaische Sequenzen und emotionale Dialoge

          Im „Warehouse“, dem anlässlich der Art Cologne feierlich eröffneten Schaulager der Galeristen Thomas Zander, Schmidt/Maczollek und Michael Wiesehöfer an der Bonner Straße, fährt man große Geschütze auf: Schmidt/Maczollek zeigen eines der wenigen noch im Handel befindlichen „Environmental Paintants“ des 1963 geborenen argentinischen Künstlers Fabian Marcaccio, entstanden 1997/98. Das in den Raum hineinwachsende hybride Objekt aus Gemälde, Zelt und Skulptur mit seinen unzähligen Einzelteilen aus Plastiknetzen, Silikon, Kupferrohren und Nylonseilen erforderte einen langwierigen Aufbau. Doch nun schlängelt sich die bunte Fahne in eindrucksvollen neun Metern Länge von der Wand weg in den weiten Raum der ehemaligen Werkhalle aus den sechziger Jahren. (Preis auf Anfrage)

          Thomas Zander führt Victor Burgins Videoarbeit „Love Stories #2“ von 1996 vor, die auf drei Monitoren anonyme Menschen auf öffentlichen Plätzen zeigt. Die eher prosaischen Sequenzen werden kontrastiert von emotionalen Dialogen aus alten Hollywoodfilmen. (Auflage 2, 75.000 Euro) Michael Wiesehöfer präsentiert das für die Großstadt der Zukunft gedachte Konzeptauto „Parasite (for the city)“ des 1975 geborenen, in Paris lebenden Julien Berthier, das in nicht geringem Maß an das einst vom Papst benutzte Gefährt erinnert. (Unikat, 24.000 Euro)

          Abseits der etablierten Galerien lohnen besonders die Projekträume und Off-Spaces den Parcours durch die Stadt: Der zentral am Hansaring gelegene, vor knapp zwei Jahren gegründete „Jagla“-Ausstellungsraum von Ulrike Jagla-Blankenburg und Tom Lingnau arrangiert mit zwei in Köln lebenden Malern einmal mehr eine generationenübergreifende Begegnung. Für „Painters Paint Paintings“ trifft die 1955 geborene Ulrike Nattermüller, die bereits 1988 an der Venedig-Biennale teilnahm, auf den 1978 geborenen Simon Hemmer, der bis 2002 bei Albert Oehlen in Düsseldorf studiert hat; die großformatige Malerei beider offenbart Gemeinsamkeiten: Sie verbindet plakative geometrische mit figürlichen Elementen, die in der Andeutung verharren: retinales Vergnügen, das nicht in die Pastiche abdriftet.

          Simon Hemmers 2,5 Meter breites unbetiteltes Gemälde verbindet eine den Vordergrund dominierende Pixelstruktur mit einzeln schwebenden, organischen Formen, die durch die Oberfläche hindurchzubrechen scheinen (7500 Euro). Ulrike Nattermüller stellt auf zwei mal 3,5 Metern ein geometrisches „Grundmuster und Kopf“ nebeneinander. Das Groteske des von Ornamenten eingefassten Kopfs trifft auf eine nachlässig schwarzweiß skizzierte Gitterstruktur und verbindet sich zu einer gleichermaßen lockeren wie spannungsreichen Komposition (12.000 Euro).

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