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Galerierundgang Frankfurt : Melancholie ist wieder erlaubt

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In Frankfurt beginnt die Galeriesaison: mit viel Kritik der Künstler an der digitalen Gesellschaft. Höhepunkte bilden die Einzelausstellungen von Katharina Sieverding und Günther Förg.

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          Kunst in nahezu allen denkbaren Formen - Malerei, Fotografie, Zeichnung, Skulptur und Installation - von mehr als achtzig Künstlern, wird von diesem Wochenende an zum Saisonstart der Frankfurter Galerien gezeigt. Ein Höhepunkt bietet Wilma Tolksdorf mit einem beziehungsreichen Ensemble von Katharina Sieverdings monumentalen Farbfotografien. Ein spektakuläres Selbstporträt zeigt die Künstlerin in New York am 13. Juli 1977, als die Stadt nach einem Stromausfall im Dunkel versank. Damals hat sie sich auf dem Dach ihres Hauses mit einer Minox fotografiert und diese Aufnahme zu einem drei mal fünf Meter messenden C-Print vergrößert. Die Inschrift lautet „The great white way goes black“ (Auflage 7, 200.000 Euro). Gegenüber hängt „Ressource Terabyte 1“ von 2009 (Auflage 7, 38.000 Euro), das einen kritischen Blick auf die deutsche Geschichte wirft.

          Einen weiteren Höhepunkt bilden die neuen Arbeiten von Günther Förg bei Bärbel Grässlin. Er fotografierte Poelzigs imposantes I. G.-Farben-Haus in Frankfurt erstmals 1996 nach dem Abzug der amerikanischen Armee, aber vor der Renovierung für die neue Nutzung als Universität - damals in Farbe. 2007 hat der Künstler das in neuer Pracht erstrahlte Gebäude abermals aufgenommen, und diese Fotos jetzt als Negative abgezogen: So entstanden malerische Bilder mit faszinierender Verfremdung. Mühelos zu erkennen ist Fritz Klimschs weibliche Figur mit dem Titel „Am Wasser“, die seit 1931 ebendort sitzt und während der amerikanischen Besatzung das Missfallen von Mamie Eisenhower, der prüden Gattin des damaligen Generals Eisenhower, erregt haben soll. Die 1,8 mal 1,2 Meter großen Unikaten (je 55.000 Euro) werden vor einer zweifarbigen Wandmalerei Förgs präsentiert.

          Bei Parisa Kind schwimmen auf einem leuchtend blauen Quadrat zarte bunte Linien: „Brooklyn Aquarium“ nennt Dave Miko treffend dieses Gemälde in der Ausstellung „Lost Mermaids“. Der New Yorker Künstler mäandert mit seiner phantasievollen Formensprache souverän zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit und beweist sich als sensibler Kolorist. Dave Miko, 1974 in Connecticut geboren und in Yale ausgebildet, war bereits in Gruppenausstellungen im P.S.1 MoMa oder in der New Yorker Galerie David Zwirner zu sehen. Seine Werke, 62 mal 56 Zentimeter groß, kosten 3500 Euro, die kleineren Formate auf zwanzig mal zwanzig Zentimetern 1600 Euro. Einen ernsten Titel „Gravestone for the Rumour Mongers“ (Grabstein für Verleumder) wählte der chinesische Künstler Liu Ding für seine Installation in der L.A. Galerie.

          Ein Ensemble aus dunklen flachen Eisenskulpturen füllt den Raum, an den Wänden hängen schwarze Regenwolken und mehrere Halterungen für Zeitungen. Die 2008 entstandene Arbeit beruht auf unangenehmen persönlichen Erfahrungen: Im April 2008 wurden er und seine Frau, eine bekannte Kunstkritikerin, auf bösartigste Weise und in unflätiger Sprache auf einer chinesischen Kunst-Website attackiert. Liu Ding wollte erst nicht auf die Beschuldigungen reagieren. Stattdessen wartete er, bis sie nachließen und beschloss, mit seinem „Grabstein“-Projekt eine Diskussion über anonyme Internet-Angriffe anzuregen. Der im Jahr 1976 geborene Künstler vertrat China 2009 auf der Biennale in Venedig und stellt demnächst im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe aus. Seine Installation kostet 59.000 Euro, eine schwarz-weiße Fotografie davon 3500 Euro.

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