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Galerierundgang Düsseldorf : Es weht ein frischer Wind

  • -Aktualisiert am

Die Galerienlandschaft in Düsseldorf ist in Bewegung geraten: Umzüge und Neuzugänge bestimmen jetzt das Bild. Ein Blick auf die Protagonisten und ihre aktuellen Ausstellungen.

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          Seinen Einstand als Galerist gibt Max Mayer, der 1983 geborene Sohn von Hans Mayer. Mit Max Bill als Patenonkel und einem der wichtigsten Galeristen Europas als Vater schien der Weg in die Kunst vorgezeichnet - weit gefehlt: Als Jugendlicher versuchte er sich als Sprayer; denn „Kunst war das, was mein Vater machte“, wie er sagt. Die Begegnung mit Keith Haring brachte den Durchbruch: „Keith verband beides, und ich erkannte, was Kunst alles sein kann.“ Mittlerweile empfindet der junge Galerist die Nähe zum Vater als Vorteil. Konkurrenz schließt er aus, die sechs Jahre Studium an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe haben sein eigenes Profil geschärft. In Karlsruhe gründete Mayer den Off-Raum „Mayerei“ und zeigte dort bereits Kommilitonen wie Jan Paul Evers und David Heitz.

          Die beiden Künstler bilden nun sein Programm - nur diese beiden. Der 1983 geborene David Heitz hat einen minimalistischen Parcours eingerichtet, der aus verschiedenen Blickwinkeln und in unterschiedlichen Genres beleuchtet, was „Skulptur“ alles sein kann. Im ersten Raum umfängt stilles Dunkel den Besucher, das nur vom unregelmäßigen Klackern eines Diaprojektors unterbrochen wird. In sieben Minuten werden dreißig Schwarzweißfotos von Landschaften oder zunächst unspektakulären Alltagssituationen gezeigt, in die man sich eine Weile einsehen sollte. Nach und nach erschließen sich in jedem der Einzelbilder skulpturale Details: die haptische Oberfläche einer Pfütze am Boden, ein paar Plastikflaschen vor einem Zelt. In einem anderen Raum hat Heitz zwei runde Platten aus Rauchglas mit einem Tisch zu einer erstaunlichen Farbfeldkomposition verdichtet. Von diesem Künstler lässt man sich gern einige überraschende Blickachsen vorgeben.

          Eine Implosion als Endpunkt

          Unweit von Mayer hat Linn Lühn, nach langen Jahren in Köln, im September 2011 ihre Arbeit in Düsseldorf aufgenommen. Sie zeigt bereits zum dritten Mal Arbeiten der 1972 in Newcastle-Upon-Tyne geborenen Clare Stephenson, die gegenwärtig in Glasgow lebt und im nächsten Jahr in Köln für eine Weile ein Gastatelier beziehen wird. Der Ausstellungstitel „She-Who-Is-The-Maker-Of-Objects“ könnte eine Reverenz an die Arts-and-Crafts-Bewegung sein, stammt aber aus einem Gedicht der Künstlerin und wird wie ein Mantra als poetisches Fragment auf den Arbeiten fortgeschrieben. Stephenson zeigt Objekte aus Holz, die sie „Venetian Blinds“ nennt. Diese Paravents verweisen eher auf etwas Modellhaftes als auf eine tatsächliche Funktion. Die weißen Holzkörper, teils farbig besprüht und auf Podesten präsentiert, wirken wie surreale Gebrauchsgegenstände, sind aber ebenso Piktogramm, Bild und Skulptur.

          Stephenson verbindet in ihren neuen Arbeiten eine der Pop-Art entlehnte Bildsprache, die manchmal an Plattencover der achtziger Jahre erinnert, mit einem ironischen Augenzwinkern in Richtung Minimal. Am Ende der schönen Künste und zahlreicher poetischer und feministischer Bezüge implodieren Leben und Kunst in den drei Einzelteilen des „Deep Fat Fryer“: Hülle, Ölwanne, Frittiersieb. (Preise von 2500 bis 6000 Euro.)

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