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Ausstellung : Fluxus ist jetzt richtig Luxus

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Die Galerie Thomas Modern in München zeigt anlässlich der Todestage von Beuys und Paik rund siebzig Werke der befreundeten Ausnahmekünstler in einer großen Ausstellung

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          Der „berühmteste schlechte Klavierspieler der Welt“, wie Nam June Paik sich einmal nannte, und der ebenfalls am Piano nicht gerade brillierende Joseph Beuys gaben im Juli 1978 in der Düsseldorfer Kunstakademie zusammen ein Konzert in memoriam George Maciunas. Dass sie des Gründers der Fluxus-Bewegung nicht mit einer ausgefeilten Partitur gedenken würden, verstand sich von selbst: Fluxus war Aktionskunst, oft aus dem Moment geboren, immer von Improvisation befeuert. Paik summte zwischendurch ins Mikrofon, Klopfen, Schritte und diverse andere Geräusche begleiteten das Tastenspiel. Eine Holzschachtel birgt Erinnerungen an das denkwürdige Duett: eine Schallplatte des Konzerts, dazu ein Keil aus Filz, dem Beuys-Material schlechthin, und Paiks „Urklavier“, in Gestalt einer Zweiggabel mit aufgenagelten Stöckchen-„Tasten“ - was aussieht wie ein Steinzeit-Xylophon (1984/86; Auflage 47 + 9 A.P., 21 000 Euro).

          Aus Anlass von Beuys’ dreißigstem und Paiks zehntem Todestag widmet die Münchner Galerie Thomas Modern den Künstlern eine große, rund siebzig Werke bietende Ausstellung, die über beider Kernthemen hinaus ihrer Freundschaft und deren inhaltlichen Berührungspunkten gilt. Fluxus war die Klammer: Mit der antibürgerlichen Bewegung, die der Kunst zuversichtlich soziale und politische Veränderungen zutraute, sympathisierte Beuys’ erweiterter Kunstbegriff ebenso wie Paiks „Aktionsmusik“. Sie trug dem 1932 im koreanischen Seoul geborenen Musikwissenschaftler den Ruf eines „Kulturterroristen“ ein, nachdem er in Deutschland auf John Cage und auf Fluxus wie auf Zündfunken getroffen war, die ihn nun in spektakulären Performances Geigen zertrümmern, Glas zerschlagen, Motorräder rattern ließen. Anfangs der Sechziger tauchen erstmals Fernsehgeräte in seinen Installationen auf, Paik experimentiert mit dem bewegten Bild und mit Video, kaum dass diese Technik auf den Markt kommt.

          Spartanisch und introvertiert

          Die Ausstellung zeigt, was man vom „Vater der Videokunst“ erwartet: roboterartige Monstergestalten wie den rumorenden „Fin de Siècle Man 1“ mit Wachmann-Bauch und Antennenmähne (165 000 Euro), den Paik ebenso nach Auswirkungen von Technologien und Massenmedien fragen lässt wie den „Internet Dweller: wol.five.ydpb“ von 1994. Dieser aus vorsintflutlichen TV-Geräten und -Schränken gebaute Internet-Bürger gleicht einer aus aufgerissenem Rachen flimmernden Fratze (595 000 Dollar). Viel schlichter, aber besonders lustig kommentiert „Sonatine or Goldfish“ das Dauerglotzen: Da ersetzt ein kleines Aquarium den Bildschirm im Nachkriegsgehäuse (36 000 Euro plus Mehrwertsteuer). Daneben wirken die Arbeiten von Beuys fast spartanisch und introvertiert. Die Auswahl an Zeichnungen, Druckgrafiken, Filzplastiken und Multiples schildert schwerpunktmäßig das Verlangen eines vom ganzheitlichen anthroposophischen Denken geprägten Künstlers, Natur und Geist über die Kunst wieder zu verbinden: Hase und Hirsch, Blüten und organische Materialien assistieren dabei. (Die Arbeiten kosten zwischen fünfzehn Euro für eine Filzpostkarte und 295 000 Euro für eine unbetitelte Braunkreuz-Farbenarbeit von 1963 auf Papier.)

          Hierher gehört auch Beuys’ Eurasia-Utopie. Sie strebte nach der Vereinigung rationalistischer Prinzipien westlicher Kultur mit der stärker spirituellen Prägung des Ostens, um im Verbund die totalem Materialismus verhafteten Gesellschaften vor dem sicheren Untergang zu retten. Der „Eurasier (Schwefelarbeit)“, ein Unikat von 1972, bildet den Filzanzug und andere Beuys-Arbeiten ab, begleitet von einem in Japan erschienenen Text in japanischen Schriftzeichen über den Künstler (175 000 Euro).

          Nach ihrem ersten gemeinsamen Auftritt 1962 fanden die beiden Pioniere noch mehrmals zu Ausstellungen und Performances zusammen. Das letzte Mal 1984 zu „Coyote III“, im Sogetsu-Saal in Tokio: Zu Klavierimprovisationen von Paik heulte Beuys wie ein Kojote und sprach wie Beuys, stellte in Klangmetamorphosen Verwandlungen vom Künstler zum Tier dar, und zurück. Paik druckte später ein Bild aus Videoaufnahmen dieser TonPerformance auf eine Zwei-Meter-Leinwand, klebte Fotos dazu, setzte dicke Farbkleckse auf, Masken und einen Videorekorder „Beuys Howl“ betitelte er seine bunte Hommage; sie kostet 250 000 Dollar.

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