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Galerie : In der Stadt der Engel

  • -Aktualisiert am

Die Galerie Sprüth Magers eröffnet ihre neuen Ausstellungsräume in Kalifornien. Neben Berlin und London dient nun auch L.A. als Standort.

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          Als die Galerie SprüthMagers vor einigen Tagen ihre neue Filiale in Los Angeles eröffnete, empfing die Stadt sie mit einem großen warm welcome. Anders kann man es kaum nennen, wenn 2000 Besucher erscheinen und manch einer wegen zeitweiliger Überfüllung der Räume geduldiges Schlangestehen rund um den Block in Kauf nimmt. Dabei verfügt das kantige Bau-Juwel mit geschossübergreifender Fensterung über stolze 1300Quadratmeter Fläche. 1966 entwarf die Westcoast-Architektenlegende William L.Pereira den zweistöckigen Betonkubus direkt gegenüber vom Los Angeles County Museum of Art (Lacma), das ebenfalls auf Pereiras Planung zurückgeht und die Lage der neuen Galerie an der „Miracle Mile“ des Wilshire Boulevards auszeichnet. Nach Berlin und London ist die südkalifornische Megametropole das dritte Standbein des Erfolgsgespanns Monika Sprüth und Philomene Magers. Was hat sie hergelockt?

          Los Angeles eilt nicht der Ruf voraus, ein Dorado des Kunsthandels zu sein. Versuche, europäische Messen wie die ParisPhoto oder die Fiac zu etablieren, scheiterten. Auch wenn ein Großsammler wie Multimilliardär Eli Broad jüngst mit einem eigenen Museumsbau in Los Angeles Schlagzeilen machte, gilt die lokale Sammlerszene als überschaubar. Philomene Magers lacht, verglichen mit Berlin sei die Szene in Los Angeles phantastisch, weiß sie aus Erfahrung hier wie dort. Doch der Grund ihrer Entscheidung sei kein vorrangig kommerzieller gewesen: „Wir wollten schon lange nach Amerika, ursprünglich nach New York“, sagt sie im Gespräch, „dann machten zwei Galerien – L&M Arts und Margo Leavin – in Los Angeles zu, die viele unserer Künstler ausstellten. Barbara Kruger brachte uns auf den Gedanken, diese Lücke zu füllen, auch John Baldessari wollte wieder eine Galerie vor Ort.“ Weitere Künstler der Sprüth-Magers-Garde arbeiten ganz oder teilweise in Los Angeles, wie Ryan Trecartin oder Lizzie Fitch, Sterling Ruby und Stephen Prina. Ed Ruscha und Thomas Demand sind zwar schon an andere Galerien der Stadt gebunden, lassen sich aber in Deutschland von SprüthMagers vertreten.

          „Es hat nichts mit Herdentrieb zu tun“

          Die beiden Galeristinnen begreifen ihre Aufgabe traditionell, das heißt nicht nur beim Verkauf von Kunst, sondern auch in enger Begleitung und Betreuung der Künstler. „Bei einigen sind wir stark an der Produktion beteiligt“, sagt Philomene Magers, „viele der Materialien, zum Beispiel Jenny Holzers Leds, werden in Kalifornien hergestellt. Näher dran zu sein, ohne neunstündige Zeitdifferenz arbeiten zu können, löst uns viele logistische Probleme.“ Sechs Mitarbeiterinnen zählt die neue Dependance, als Direktorinnen konnten Sarah Watson, Exdirektorin von L&M, gewonnen werden und Anna Helwig, die ihre eigene Galerie in Los Angeles betrieb, bevor sie für Hauser& Wirth tätig war.

          SprüthMagers ist nicht die einzige große einflussreiche Galerie mit Interesse an Los Angeles. Doch statt der Spekulation auf einen neuen In-Platz für Handel mit zeitgenössischer Kunst scheinen eher Zufälle dahinterzustecken. Larry Gagosian stammt aus Los Angeles und bleibt seiner Heimatstadt mit einer Niederlassung treu, während bei Matthew Marks private Gründe den Start einer Zweiggalerie beschleunigten. Im März wird Hauser Wirth& Schimmel eine Art Kunsthalle in einer ehemaligen Mühle eröffnen, geleitet von Paul Schimmel, dem ehemaligen Chefkurator des örtlichen Museums of Contemporary Art (Moca). „Auch unser Los-Angeles-Projekt hat nichts mit Herdentrieb zu tun,“ so Magers, „wir dachten vier Jahren über die Stadt nach, haben uns Zeit gelassen, die richtige Immobilie zu finden und sie umzubauen.“

          Die Eröffnungsschau (in Zusammenarbeit mit Marian Goodman) gilt John Baldessari, im Anschluss soll George Condo die Kalifornier begeistern, und dann gibt es „Eau de Cologne“, eine Ausstellung mit Künstlerinnen, deren Karrieren Monika Sprüths 1983 in Köln gegründete Galerie mit auf den Weg brachte: Rosemarie Trockel, Cindy Sherman, Barbara Kruger, Jenny Holzer , Louise Lawler. Auch Philomene Magers startete ihre Galerie in Köln; im Jahr 1998 legten die Galeristinnen ihre Programme zusammen. Philomene Magers eröffnete dann die Münchner Dependance, eine Niederlassung in London folgte, schließlich 2008 der taktische Wechsel von Köln und München nach Berlin, wie Los Angeles ein Brennpunkt der Kunstproduktion. Nach Los Angeles gönnt sich das Sprüth-Magers-Team noch lange keine Ruhe: In London steht demnächst ein Umzug in neue Räume an, und von Mai an wird es ein Büro in Hongkong geben.

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