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„Follia Continua!“ in Paris : Der Wahnsinn soll weitergehen

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Die italienische Galleria Continua feiert ihr 25-Jahre-Jubiläum in Paris - mit Werken ihrer Stars wie Ai Weiwei, Antony Gormley oder Daniel Buren. Stets ging es darum, Kunst in die Kulturgeschichte einzuschreiben.

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          Die Liste der Künstler ist lang und führt große Namen: Ai Weiwei und Kader Attia, Daniel Buren und Mona Hatoum, Pascale Marthine Tayou und Chen Zhen und Kiki Smith, Jannis Kounellis, Shilpa Gupta oder Carlos Garaicoa. Insgesamt sind es 48 Künstler aller Generationen und Kontinente, die von der Galleria Continua vertreten werden und sich in den Hallen des „Centquatre“ in Paris mit teils monumentalen Werken an der Geburtstagsausstellung beteiligen. Seit 25 Jahren leistet die italienische Galerie vorbildliche Arbeit. Sie hat nicht nur besondere Künstler früh erkannt und gefördert, sondern es sich auch zur Aufgabe gemacht, die Gegenwartskunst in den öffentlichen Raum zu bringen und, überzeugt von ihrer Ausstrahlungskraft, einem breiten Publikum vertraut zu machen.

          Gleich am Eingang stolpert man fast über den gefallenen „Angel“ des Künstlerduos Sun Yuan und Peng Yu, den hyperrealistischen Körper einer alten Frau mit schlohweißem Haar. Sie könnte vom Turm auf den Betonboden gestürzt sein. Absurd ragen die nackten Flügel aus dem Kleid; das Übernatürliche ist hilflos geworden. Anders gibt die junge Ukrainerin Zhanna Kadyrova mit „Invisible Forms“ dem Unsichtbaren erbarmungslos Ausdruck. Sie gießt die immateriellen Strahlen von Überwachungsscheinwerfern in Beton: Quer über den Hof des Centquatre kreuzen sich drei massive Kegel aus zementiertem Licht.

          Ausstellungsorte mit viel Geschichte

          „Follia Continua!“ lautet der Titel der Ausstellung, der enthusiastische Wahnsinn mit der Kunst hat Methode. Als Mario Cristiani, Lorenzo Fiaschi und Maurizio Rigillo 1990 die Galleria Continua weitab vom Schuss des Kunstmarkts in ihrem toskanischen Heimatstädtchen San Gimignano gründeten, ging es von Anfang an darum, Gegenwartskunst nicht in einen White Cube zu sperren, sondern sie in historischen Kontext zu stellen. Im mittelalterlichen San Gimignano war das ein Kinopalast aus den dreißiger Jahren. Und der Name ist Statement: Kunst in die Kulturgeschichte einschreiben und als solche lebendig weiterführen.

          Deshalb haben die Orte, an denen sich die Galleria Continua im Lauf der Zeit niederließ, immer ihre Geschichte. 2004 eröffnete eine erste Dependance in Peking in einer ehemaligen Waffenfabrik. 2007 kommen, sechzig Kilometer vor Paris, die architektonisch phantastischen Überbleibsel zweier Papiermühlen auf weitem Gelände dazu. Noch in diesem Jahr wird es die vierte Niederlassung in Havanna auf Kuba geben. Auch das Kulturzentrum Centquatre im Norden von Paris - einer der Eingänge liegt an der Rue d’Aubervilliers 104 - hat geschichtsträchtige Mauern. Die restaurierten Gebäude aus Quader- und Backstein stehen unter Denkmalschutz. Sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts für den Pompe funèbre, den staatlichen Bestattungsdienst, erbaut, der die Beerdigungen von ganz Paris durchführte.

          Einige Werke der Schau setzen sich mit dem Ursprungsort der Galerie auseinander, andere mit der Halle. So wirkt Antony Gormleys 22 Meter langes und vierzig Tonnen schweres „Vessel“ aus containerartigen Stahlkuben wie ein gestrandetes Raumschiff. Daniel Buren hat in situ 25 bunte „Oculi“-Glasfenster eingesetzt, ein Fenster für jedes Continua-Jahr. Und Anish Kapoor hat im ehemaligen Raum der Kapelle eine begehbare weiße Spirale installiert, in deren Zentrum eine, durch einen Luftzug bewegte Säule aus Lichtstaub wie eine Windhose wirbelt. Das Werk ist gleichzeitig Materialität und Immaterialität und tritt in einen spirituellen Dialog mit dem ursprünglichen Ort.

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