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Eine wunderbare Zusammenarbeit : Tracey Emin und Louise Bourgeois

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Kurz vor ihrem Tod hat sich die große Louise Bourgeois mit dem Enfant terrible Tracey Emin zusammen getan. Im New Yorker Projektraum von Carolina Nitsch sind jetzt die Ergebnisse dieser aufregenden Allianz ausgestellt.

          Kurz vor ihrem Tod hat Louise Bourgeois, Jahrgang 1911, ein Projekt zusammen mit Tracey Emin, Jahrgang 1963, begonnen: Sie hat sechzehn Gouachen männlicher und weiblicher Torsi im Profil gemalt, wobei sie rote, blaue und schwarze Pigmente mit viel Wasser gemischt und innerhalb der einfachen Formen zarte Farbverläufe und wolkige Schlieren erzeugt hat.

          Auf diese Blätter von Bourgeois setzte Emin dann kleine Zeichnungen und handschriftliche Zeilen, die angstfrei von Liebe und Schmerz, Lust und Verlust künden. Emins unkonventionelle Rechtschreibung - zum Beispiel „dark black lonley space“ - ist dabei ein Produkt ihrer Spontaneität. Die Wörter können die Motive überkreuzen, den Zeichnungen folgen oder ganz fehlen.

          Zwei Generationen trennen die französische New Yorkerin und die Engländerin, aber es zeigt sich, dass die beiden ähnliche Antriebsfedern und verwandte Ausdrucksweisen haben. Dazu gehören die Autobiographie, die Psychologie und das Geschlechts und die furchtlose, auf Kürzel reduzierte Intimität. Tracey Emins hingekritzelte, nackte Frauenfigürchen machen sich an den unproportional größeren Gouache-Körpern zu schaffen.

          Eine von ihnen hat sich an einem Phallus erhängt; eine andere liegt auf einer rosa ausgebeulten Fläche, die sich als schwangerer Torso lesen lässt, und berührt mit der ausgestreckten Hand einen tintenblauen Klecks mitten in diesem Bauch, so dass es wirkt, als breite sich dieser Fleck vom kleinen Figürchen ausgehend aus und wachse zu einer Idee aus Tinte. Überhaupt weckt das Blau Assoziationen an Tinte, so wie das vorherrschende Rot an Blut erinnert. Wer diese Assoziationen weiterspinnt, kommt von Blut und Tinte zu Fleisch und Text - weiter noch zu Natur und Kunst.

          Mit gestickten Initialen

          Es geht hier nicht nur um die Verschmelzung von Körpern, sondern weil es sich um eine Kollaboration handelt, auch um die Verschmelzung von zwei künstlerischen Handschriften. Mal schmiegen sich Emins Linien unterwürfig an die vorgefundenen Formen, mal greifen sie brutal in die Körper von Bourgeois ein.

          Diese Bilder wurden, in einer Auflage von achtzehn plus sechs Künstlerabzüge, auf einen dünnen weißen Stoff gedruckt, der an Bettlaken denken lässt. Tracey Emin hat jeweils links unten in Bleistift signiert, während die Initialen LB rechts unten in rotem Faden eingestickt wurden. - Die Ausstellung mit dem Titel „Do Not Abandon Me“ läuft bis 13. November im Carolina Nitsch Project Room an der 22. Straße in Chelsea, von Februar an wird sie bei Hauser & Wirth in London gezeigt.

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