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DC Open 2013 : Identitätsverwirrung im Rheinland

  • -Aktualisiert am

Premierengäste, Debütanten und alte Hasen: Zum fünften Mal begehen die Kölner und Düsseldorfer Galerien mit den „DC Open“ gemeinsam den Beginn der neuen Saison.

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          Wer etwas übrighat für gegenläufige Bewegungen, der dürfte bei der mittlerweile fünften Ausgabe der gemeinsamen Galerieeröffnungen „DC Open“ in Köln und Düsseldorf auf seine Kosten kommen: Zwar ist die Zahl der offiziell teilnehmenden Galerien weiter geschrumpft auf mittlerweile 56, doch zugleich steigt die Zahl derer, die ihre Türen an diesem Wochenende in beiden Städten öffnen, ohne Teil des offiziellen Programms zu sein. So oder so: Die Besucher profitieren.

          Flankiert wird das Premierenwochenende außerdem von einer geradezu unüberschaubaren Zahl an Parallel-events in Museen und Institutionen: Julia Stoschek präsentiert mit Ed Atkins und Frances Stark zum siebten Mal Werke aus ihrer Kollektion in Düsseldorf, außerdem eröffnet die Kunstsammlung am Grabbeplatz eine große Retrospektive Alexander Calders. Als erste Amtshandlung im Kölnischen Kunstverein zeigt der neue Direktor Moritz Wesseler Ceal Floyer, während am Kölner Rheinauhafen bereits zum dritten Mal das „Strom“-Festival im Kunsthaus Rhenania stattfindet.

          In Köln bestehen Neulinge neben Etablierten

          Die etablierten Galerien locken ihr Publikum mit Etabliertem, die Jungen schieben sehenswerte Debütanten ins Rampenlicht. In Köln zeigt Daniel Buchholz Arbeiten von Florian Pumhösl, Gisela Capitain zeigt Günter Förgs monchrome Stoffbilder aus den neunziger Jahren, Karsten Greve zeigt Leiko Ikemura, Thomas Rehbein Mel Chin.

          Erstmals bei den DC Open vertreten ist Chaplini, gegründet im Jahr 2011 von Berthold Pott und Bettina Kraus. Die nach einem afrikanischen Vogel, dem Lybius chaplini, benannte Galerie zeigt Arbeiten der 1979 geborenen, in Köln lebenden Fotokünstlerin Johanna von Monkiewitsch. Ihre schwarz-weißen, auf Fotografien gefundener Papiere basierenden Pigmentdrucke übersetzen fotografisch Festgehaltenes, wie eine Wölbung, einen Riss oder eine Abnutzung, in konkrete Materialität. Der fotografierte Knick ist auch ein Knick im Papier - oder doch nicht? (Bis zum 12. Oktober. Preise 420 bis 4200 Euro.)

          Nach der Loslösung als Projektraum „Drei“ von der Galerie Klaus Benden geben Dennis Hochköppeler und Jakob Pürling ihren Einstand als Galeristen an der Arndtstraße. Sie zeigen mit „Timeshare“ neue Arbeiten der in Oslo lebenden Künstlerin Ann Cathrin November Høibo. Während Arbeiten mit Textilien und Leder noch stark auf ihre Ausbildung als Modedesignerin verweisen, wecken mit Säure auf Leinwand geätzte Malerei oder ein monochromes Bildobjekt aus grünem Samt die Neugier. (Bis zum 19. Oktober. Preise von 800 Euro bis 9500 Euro.)

          Martin Kudlek zeigt neue Arbeiten von Alexander Gorlizki. „Are we there Yet?“ fragt der in London geborene, in New York lebende Künstler und verwandelt die Galerie in ein dreidimensionales Wimmelbild. Mit passender Tapete an den Wänden und flankiert von Skulpturen, zeigt Gorlizki neue Beispiele seiner ironischen, surrealen Miniaturmalerei. In Pigment und Gold, Collage und übermalter Fotografie auf orientalisch anmutenden Buchseiten ausgeführt, erfindet er eine Pop-Art, die sich eher an Bollywood als an Hollywood orientiert. Kein Zufall also, dass der Künstler auch in Indien geschätzt wird. Ornamental, verspielt und bunt scheint sein Gesamtkunstwerk auf den ersten Blick, doch in aller Gefälligkeit sind Gorlizkis Motive auch böse. Man muss nur genau hinschauen. (Preise von 3100 bis 5900 Euro. Bis zum 9. November.)

          In die Karten schauen lässt sich David Reed bei Schmidt Maczollek. Der 1946 in San Diego geborene, seit den siebziger Jahren in New York lebende Künstler dürfte vielen noch mit seiner gelungenen Schau „Heart of Glass“ im Bonner Kunstmuseum im vergangenen Jahr in Erinnerung sein. Hier offenbart der Künstler, wie er seine dynamischen, farbsprühenden Malereien vorbereitet: in umfassenden Serien von Studien, die in der Galerie auf langen Tischen zu betrachten sind. Reeds abstrakte, zwischen spontaner Geste und kompositorischem Kalkül changierende Malerei wird von Blatt zu Blatt entwickelt: Immer wieder verschiebt er weiße Leerflächen und transparente Pinselschwünge gegeneinander, ordnet die Elemente neu, verwirft sie wieder. Was man in der Galerie nicht sieht: Reed trocknet seine Studien auch schon mal mit dem Ventilator, damit es schneller geht. (Bis zum 2. November. Preise von 6500 bis 105.000 Dollar.)

          Düsseldorf irrt durch verschlungene Formen und ehrt Jürgen Klauke

          Auch in Düsseldorf sind etablierte Namen ebenso stark vertreten wie Newcomer: Konrad Fischer zeigt neue, wie Solarisationen aus der Bauhaus-Ära wirkende Fotoarbeiten von Thomas Ruff, Ute Parduhn zeigt die mal komischen, mal gruseligen fotografischen Inszenierungen von Anna und Bernd Blume, Schönewald Fine Arts eröffnen mit Malerei von Karin Kneffel, während Beck & Eggeling mit frühen Arbeiten von Heribert C. Ottersbach einen Blick in die achtziger Jahre werfen.

          Bei Hans Mayer begeht man mit der Ausstellung „Desaströses Ich“ den siebzigsten Geburtstag Jürgen Klaukes, dem diesjährigen Preisträger der Cologne Fine Art. Die schrille, identitätsverwirrende Maskerade der frühen Jahre hat Klauke längst hinter sich gelassen - in der Galerie verleiht er mit übersinnlichen Motiven wie „Bewusstseinserweiterung“ oder „Bewegtes Ich“ dem Begriff des Künstlers als Medium neue Bedeutung. (Bis zum 31. Oktober. Preise auf Anfrage.)

          Helga und Walter Conrads zeigen in Düsseldorf mit „Great Nature“ neue Varianten utopistischer Gegenwelten des 1967 geborenen britischen Künstlers Blaise Drummond. Seine malerischen Überlegungen zum Zusammenspiel von Architektur, Natur und Kultur beziehen sich ebenso auf die Malerei der Klassischen Moderne wie die Ikonen und Theorien modernistischer Architektur; wichtig ist für Drummond aber auch das Werk eines Land-Art-Künstlers wie Robert Smithson. Die weißgrundige Sauberkeit der sparsam orchestrierten, in einer Vielzahl von Techniken und Materialien collagierten Gemälde und Papierarbeiten wird immer wieder unterbrochen von Elementen, die das elegante Bildgefüge beleben. Drummond fügt comichafte, in Schablonen aufgesprühte, organische Formen ein, dazu Labels und bunte Papierschnipsel, die wie Blüten vorbeiwehen. (Bis zum 19. Oktober. Preise von 1950 Euro bis 18.500 Euro.)

          Bei Van Horn, ebenfalls in Flingern, zeigt die New Yorker Künstlerin Joanne Greenbaum neue Malerei. In Greenbaums erster Präsentation in der Galerie fallen vor allem ihre Aquarelle auf: In ihnen entwickelt die Künstlerin in leuchtenden Farben unentwirrbar ineinander verschlungene Formen, die sich mühelos ins Dreidimensionale übertragen ließen. Die Bezüge der abstrakten Strukturen sind konkreter, als man meint: der Titel der Ausstellung, „Sidewalk Prison“, verrät die Bezugnahme der Künstlerin auf die chaotische, urbane Umgebung ihres Ateliers. Die Aquarelle bilden reizvolle Dialoge mit Greenbaums Malerei. „Es ist rebellisch und auch eine gewisse Sturheit, dass ich an der Malerei festhalte“, sagt die 1953 geborene Künstlerin. „Aber ich habe das Gefühl, dass es noch so viel zu tun gibt in diesen zwei Dimensionen.“ (Bis zum 25. Oktober. Preise von 2300 bis 3800 Euro.)

          Bei Sies + Höke hat der Besucher Gelegenheit, über eine Farbe nachzusinnen, die eindeutig noch aus dem schwindenden Sommer zu stammen scheint. Wie soll man die Farbe von Thomas Kiesewetters fast raumhoher Skulptur im Eingangsbereich nennen: Papaya? Melone? Koralle? Was aussieht wie auf dem Schrott gefunden und provisorisch zusammengeschweißt, ist aus wetterfestem Edelstahl. Der 1963 geborene, in Berlin lebende Kiesewetter zitiert ironisch das Vokabular der Skulptur der Moderne ebenso wie die gefälligen Formen der Pop-Art. Im winzigen, nichtkommerziellen Projektraum „Capri“, den die Galerie Sies+ Höke im April 2013 auf der Ackerstraße in einem ehemaligen Ladenlokal eröffnet hat, dreht sich ein Zauberstab der 1976 geborenen, in Berlin lebenden Künstlerin Kitty Kraus unaufhörlich im Raum. Das magische Ding hat einen simplen Ursprung: Es ist der Griff eines Einkaufswagens, der nun als Perpetuum mobile besticht. (Thomas Kiesewetter geht bis zum 5. Oktober. Capri bis zum 2. November. Preise auf Anfrage.)

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