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Wiederentdeckte Dystopie : Bettina von Arnims deutsche Maschinenmänner

Es sind warnende Bilder im leckeren Mantel satter Farben: Mit ihren Cyborgs aus den frühen siebziger Jahren kritisiert die Künstlerin das Machtgehabe der Männer genauso wie die Technikeuphorie ihrer Zeit.

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          Die Zeit war reif, dass ihre eigensinnigen Werke wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrten. Die Rede ist von der Malerin und Graphikerin Bettina von Arnim. Es war die „German Pop“-Schau in der Frankfurter Schirn Kunsthalle, die sie Ende des vergangenen Jahrs wiederauftauchen ließ, neben ihrer gleichaltrigen Kollegin Christa Dichgans. Es gab sie also, die Frauen in der deutschen Spielart des Pop.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Bettina von Arnim passt dieses Etikett nicht ganz, eher sieht sie sich als eine „Neue Realistin“. Das Städel Museum hat ihr Potential jedenfalls erkannt, dort hängt ein Gemälde von 1970, „Hosenträger“ betitelt; es ist ein Verwandter des „Verkehrswesens“ von 1971. Solche Kerle kehren bei ihr wieder: mit Spatzenhirnen, fetten Pranken und seltsamen technoiden Anschlüssen an den unförmigen Leibern, die in einer Art Raumanzüge verpackt sind. Bettina von Arnim sagt im Rückblick: „Unbewusst malte ich das, wovor mir graute, das Unmenschliche. Es war ein Bezeichnen des Unbekannten, eine Art Bannen der Angst, ähnlich den Dämonen an mittelalterlichen Kirchen, die, wenn sie sich sozusagen im Spiegel sähen, vor sich selbst erschreckten und zurückwichen“.

          Heute wirken ihre Maschinenmänner, trotz oder gerade wegen ihres Retro-Looks, so visionär wie zu ihrer Entstehungszeit. Und die Künstlerin hat sie durchaus, daran lässt sie im Gespräch keinen Zweifel, in feministischer Absicht geschaffen, als Kritik am Machtgehabe der Männer, samt sexuellen Anspielungen. Die Bilder waren als politischer Kommentar gedacht, und das sind sie geblieben. Die Dichterin Bettina von Arnim, geborene Brentano, ist die Urgroßmutter der Malerin Bettina Encke von Arnim (1895 bis 1971); sie ist die Tante von Bettina von Arnim, die 1940 in Zernikow in Brandenburg geboren ist. Es liegt nicht fern, dass ihre dystopischen Bilder vom Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre von einer invertierten Romantik geprägt sind. Gerade war der Begriff Cyborg in die Welt gekommen, da malte Bettina von Arnim die bedrohliche Doppelgesichtigkeit der Menschmaschinen in ihren polierten Hüllen, unter denen das gefährliche Innenleben unsichtbar ist.

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