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Berlinde de Bruyckere in New York : Schmerzensfrau aus Gent

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Sie liebt die Alten Meister und die dunklen Höhlen der Körper: Eine Begegnung in New York mit der belgischen Künstlerin Berlinde de Bruyckere.

          Berlinde de Bruyckere ist eine zarte Gestalt mit blassem Gesicht und Kurzhaarschnitt, ihre Kleidung ist gradlinig und dunkel. In der gigantischen Eingangshalle des New Yorker Metropolitan Museum scheint sie fast zu verschwinden. Aber sie kennt sich dort gut aus. Schnurstracks steuert sie jetzt eines ihrer Lieblingsbilder an. Ganz oben auf der Liste ihrer alten Freunde steht ein kleines Gemälde des dornenbekrönten Christus von Antonello da Messina. Zuerst steht die Künstlerin nur da und schaut, angerührt und beglückt.

          Das Bild auf der vierzig Zentimeter hohen Holztafel hat Antonello wahrscheinlich 1470 gemalt, als früheste von mehreren Fassungen. „Man sieht am Anfang nicht einmal, dass er eine Dornenkrone trägt“, sagt Berlinde de Bruyckere, „man sieht einfach nur seinen verzweifelten leidenden Blick.“ Sie wägt jedes Wort ab und bewegt vorsichtig ihre Hände, als sei die Sprache ein zerbrechlicher kleiner Vogel. Die Künstlerin deutet auf den leicht geöffneten Mund von Christus, sie bewundert „die Dunkelheit dieser Öffnung“: Dunkle Höhlen sind auch in ihren Skulpturen wichtig.

          Ineinander verschlungene Körper oder Gliedmaßen schafft sie aus durchscheinendem Wachs, das in Schichten mit Farbpigmenten bearbeitet ist, so dass es aussieht, als könne man die Venen durch die Haut sehen. An manchen Stellen ergeben sich unheimliche Blicke in die Öffnungen der leeren Körperhüllen, die von Tod, Qual und Folter erzählen. Sie selbst spricht von „schwarzen Löchern, in denen alles Wissen verschwindet“.

          Berlinde de Bruyckere ist 1964 in Gent geboren. Da die Eltern die meiste Zeit mit ihrer Metzgerei beschäftigt waren, verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit in einem katholischen Internat und flüchtete sich dort in die Bibliothek, um sich in die Geschichte der Kunst zu vertiefen. Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem Bildhauer Peter Buggenhout, und ihren beiden Söhnen in einer ehemaligen katholischen Knabenschule, in der sie auch ihr Atelier eingerichtet hat. Die Kirche St. Bavo mit dem berühmten Genter Altar der Van Eycks ist nur zehn Minuten entfernt.

          Die Liebe in Dirk Bouts „Madonna mit Kind“

          Nach ihrem Studium an der Kunstakademie Sint Lucas in Gent schuf Berlinde de Bruyckere Werke aus alten Wolldecken, die sie auf Tischen oder Betten stapelte. Bilder von Flüchtlingen in Ruanda bewegten sie dazu, Beine aus Wachs zu formen und sie unter den Decken hervorlugen zu lassen; sie stellte damit das gesichtslose Leid dar. Bekannt wurde sie im Jahr 2000 mit einer Ausstellung im Gewandhaus von Ypern, wo sie - in Erinnerung an die dortige Schlacht des Ersten Weltkriegs - eine Reihe von Pferden im Todeskampf schuf. Pferdekörper und Pferdefelle dienten ihr für die Venedig-Biennale 2003 und die Berlin-Biennale 2006 als Medien.

          Später vertiefte sie sich unter dem Titel „Schmerzensmann“ in wächserne Körper ohne Köpfe, die wie geschmolzen wirken, wie lebende, aber nicht funktionale Leiber, auf die sich die Qualen der Welt zu konzentrieren scheinen. Die Künstlerin geht jetzt im Museum auf ein Gemälde von Dirk Bouts zu. Die Darstellung der Madonna mit Kind orientiert sich an Ikonen der Glykophilousa, der Jungfrau, die ihr Kind herzt.

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