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Ausstellung in Berlin : Augen zu und durch

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In der Berliner Galerie Tammen und Partner zeigt Freddy Langer eine Auswahl seiner neuesten Fotografien: Prominente mit Schlafbrillen beim „Blindekuh“ spielen

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          Seit mehr als dreißig Jahren geht Freddy Langer, verantwortlicher Redakteur für das Reiseblatt dieser Zeitung, mit einer Porträtserie der Frage nach, was passiert, wenn man die Gesichter prominenter Künstler unter einer Schlafbrille versteckt: Was bleibt übrig vom tausendfach fotografierten Gesicht, das doch längst selbst zur Maske erstarrt, sobald eine Kamera auftaucht? Und was passiert, wenn den Stars des Films und der Musik, der Literatur und der bildenden Kunst die Kontrolle entzogen wird? Wenn kein Strahlen über die Augen huscht und der Blick nicht keck und nicht nachdenklich sein kann? „Das gleicht ja einer Exekution“, hatte der Fotograf Robert Mapplethorpe gesagt, als er mit verbundenen Augen an der Wand lehnte und Langer sein Bild schoss. Meret Oppenheim hingegen fühlte sich wohl. „Wie schön, man kann nicht dumm schauen“, sagte die große alte Dame des Surrealismus und machte es sich in einem Stuhl bequem.

          Fast fünfhundert Künstler umfasst die Liste von Langers Bildern mittlerweile, von Warhol, Beuys und Hockney über Bono, Campino und Westernhagen bis zu Wenders, Hopper und Claudia Cardinale. Allesamt sind sie frontal fotografiert, und stets war der Ausschnitt eng auf das Gesicht reduziert, um das Serielle des Konzepts zu unterstreichen – bis Langer im vorigen Jahr auf die Idee kam, mit den Modellen „Blindekuh“ zu spielen. Da steht nun die Schauspielerin Sunnyi Melles mit einer Schlafbrille auf den Augen mitten im Feierabendverkehr von Wien. Die Stuttgarter Tatort-Kommissare Klare und Müller tasten sich durch eine Filmkulisse. Und Jeremy Irons erstarrt, als ihm sein Hund auf die Schulter springt, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern.

          Eine Auswahl der Bilder von Langer zeigt jetzt die Berliner Galerie Tammen und Partner. Zugleich sind Gemälde von Thorsten Zwinger zu sehen. (Noch bis zum 16. Januar.)

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