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Ausstellung : Wolken aus Stahl

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Im Zeichen der Schrift: Die Galerie Setareh bringt zeitgenössische Kunst aus Iran nach Düsseldorf. Die aktuelle Ausstellung setzt sich mit der kulturellen Vergangenheit des Landes auseinander.

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          Düsseldorf scheint eine besondere Beziehung zu Iran zu pflegen. Erst im vorigen Frühjahr hatte die Düsseldorfer Galerie Breckner die erste Einzelausstellung von Otto Piene im Museum für Zeitgenössische Künste in Teheran eröffnet. Gut ein Jahr später präsentiert nun die Setareh Galerie Gegenwartskunst aus Iran. Unter dem Titel „Iran Art Now!“ sind vierzig Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern in den Räumen an der Königsallee versammelt. Kuratiert wurde die Schau von Marco Meneguzzo, der bereits für den Iranischen Pavillon auf der Biennale in Venedig verantwortlich war.

          Der Bezug zur Volkskunst und zur Kalligraphie findet sich in vielen Werken der Ausstellung. Der 1937 in Teheran geborene Bildhauer Parviz Tanavoli ist einer der bekanntesten Künstler des Landes, seine abstrahierten Schriftzeichen erinnern in ihrer Prägnanz und stilistischen Einfachheit an Robert Indianas „Love“-Schriftzug. Als einer der ersten übersetzte Tanavoli die filigrane Ästhetik der arabischen Kalligraphie in der Pop-Art teils ähnliche Skulpturen. Die Fiberglasarbeiten bei Setareh entstanden zwischen 2007 und 2015 und sind alle Variationen des Wortes „Heech“, das man mit „allumfassendes Nichts“ übersetzen könnte: Die mehrschichtige Bedeutung steht dabei in starkem Gegensatz zur plakativen Darstellung. Drei Objekte Tanavolis, alle zwischen fünfzig und hundert Zentimetern hoch, sind in der Ausstellung präsentiert (Preise von 38 000 bis 148 500 Euro).

          Sinnbildlich verschmilzt die Vergangenheit mit der Gegenwart

          Die farbigen Skulpturen korrespondieren wunderbar mit den anderen Werken der Schau, besonders mit den Bildern von Mohammad Ehsai. Der Bezug zur Kalligraphie ist auch dort unübersehbar. Die Arbeiten Ehsais kreisen ausschließlich um arabische Schriftzeichen, doch anders als bei Tanavoli zählt weniger die Bedeutung als vielmehr die Ästhetik. Die Schriftzüge dienen ihm als Grundgerüst seiner Bildschöpfungen. So kombiniert der Künstler auf einem großen quadratischen „Untitled“-Gemälde von 2015 (144 000) die einzelnen Zeichen zu einem eigenen Ornament. „Function of Flowers“ (7 400), eine Arbeit seines Kollegen Alireza Astaneh, scheint das plastische monochrome Pendant dazu zu bilden: Aufgebaut wie ein Webrahmen aus Edelstahl, spannen sich unzählige Aluminiumfäden in der Mitte zu einem runden Knäuel zusammen, das aus Metall gefrästen Symbolen besteht. Sinnbildlich verschmilzt die Vergangenheit der Knüpftechnik mit der Gegenwart, repräsentiert durch ein Material der Industrie. Auch bei Samira Alikhanzadeh, einer der beiden Künstlerinnen der Ausstellung, spielen Teppiche eine entscheidende Rolle. In ihrer Serie „Stroll Inside Qashqai Carpet“ von 2013 (je 25 000 Euro) behandelt auch sie die eigene kulturelle Vergangenheit: Alte Perserteppiche aus Schiras werden mit Schwarzweißfotos von iranischen Frauen aus den vierziger Jahren überblendet.

          Shadi Ghadirians Fotografien hingegen behandeln die Gegenwart. Ihre Kompositionen muten auf den ersten Blick ganz alltäglich an – ein Blick in den Kühlschrank, ein gedeckter Esstisch. Doch bei genauerem Hinsehen fallen die Accessoires des Krieges auf – die Feldflasche zwischen den Tetrapacks im Kühlschrank, das Feldmesser neben dem Teller. Die Fotografin thematisiert die zerbrochene Idylle in der scheinbaren Normalität iranischer Wirklichkeit (Preise von 7200 bis 11 800 Euro).

          Der Geist der Verantwortung

          Krieg, Verwüstung und Verlust sind auch Themen in den Skulpturen von Ghodratollah Agheli und Mahmoud Bakhshi. Während Agheli leere Patronenhülsen benutzt, um den Widerspruch zwischen der schönen Form und dem ursprünglichen Zweck zu zeigen – etwa in Kronenleuchtern von irritierend attraktiver Optik für 24 000 Euro –, weckt Bakhshi durch die Verwendung von rostigem Stahl Assoziationen an alte Kriegsmaschinerien. Die äußere Form seiner Werke erinnert an jene Wolkenbänder, die in der arabischen Miniaturmalerei häufig mit Sprüchen gefüllt sind und Erläuterungen zum Dargestellten enthalten. Auch bei „TalkCloud92-03“ (50 000) befinden sich Schriftzeichen im Innern der Eisenwolke: „Die Bedeutung von Kunst ist es, den Geist der Verantwortung den Menschen zu übergeben“, steht dort.

          Alle ausgestellten Künstler haben ihren Lebensmittelpunkt in Iran, einige von ihnen arbeiten und leben ausschließlich dort. Dass sie in ihrer Heimat nicht behindert würden oder verfolgt seien, sagt Samandar Setareh. Die Galerienlandschaft dort entwickle sich stetig weiter, dennoch suchten viele Künstler den Kontakt zu Galerien im Ausland. Es ist nur verständlich, dass sie sich den westlichen Markt erschließen wollen, der naturgemäß zudem bessere finanzielle Möglichkeiten bietet. Und er öffnet sich gern der Kunst aus dem Mittleren Osten. So versteigert zum Beispiel Bonhams in London im April erstmals moderne libanesische Kunst in einer eigenen Auktion und zeitgenössische Kunst aus dem Nahen Osten und Iran.

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