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Aktuelle Kunst : Wenn Farbe Formen schafft

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Kinetische Experimente: Sebastian Hempel macht Licht und Schatten zu seinen Werkzeugen. Aktuelle Werke des Dresdners sind bei von Bartha in Basel zu sehen.

          Den Titel der Ausstellung nimmt man am besten wörtlich, denn „Playboy“ soll hier nicht mehr und nicht weniger heißen als „Spieljunge“. Zum Spielen eingeladen hat der 1971 in Dresden geborene Sebastian Hempel. Der als Steinbildhauer ausgebildete Künstler zeigt in den neuen Räumen der von Bartha „Garage“ in Basel dreizehn kinetische Objekte.

          Das Abschreiten der zehn Meter langen „Schattenwand“ (20.000 Euro) am Eingang bezieht den Besucher unmittelbar ins Geschehen ein: Ausgelöst durch Sensoren, bewegen sich schwarze und weiße Lamellen und färben die Wand streifenweise um. Wie von Geisterhand wirkt diese Verwandlung, wird aber angetrieben von präzise arbeitenden Mikromotoren.

          Rätselhaft trotz Klarheit

          Hempels Werke führen meist ästhetische Effekte vor, indem die ausführenden Technik verborgen bleibt. Damit gibt er seinen Werken rätselhafte Züge, die im Widerspruch stehen zur klaren, beinahe laborartigen Präsentation und den sauber verarbeiteten Materialien.

          Der „Lichtturm“ (34.000 Euro) bildet den Gegenpol zur langen Horizontalen der „Schattenwand“ mit einer Höhe von mehr als vier Metern: Sein schmaler Grundriss erinnert an Wolkenkratzer. Die pulsierende Leuchtintensität der Röhren ist so programmiert, dass das Licht wie Wasser von oben nach unten herabzufließen scheint.

          Zwischen durchsichtig und blickdicht

          Zentrales technisches Element der Arbeit „Paravent“ (18.000 Euro) sind 63 gegenläufig rotierende Plexiglasscheiben, die mit Polarisationsfolien beschichtet sind. Die Drehbewegung verursacht eine sich ständig verändernde Opazität des Objektkörpers, was den Sichtschirm partiell durchsichtig oder eben blickdicht macht.

          Der Wechsel zwischen beiden Zuständen vollzieht sich fließend. Hempel zeigt so die Extreme von Schwarz und Weiß, Bewegung und Stillstand und damit zugleich das digitale Prinzip von Null und Eins. Mit den optischen Effekten der Polarisation irritiert Hempel Auge und Wahrnehmung des Betrachters. Die technische Perfektion der Objekte wird gebrochen in den drei Thermochrombildern „Schweif“, „Universum“ und „Sichel“ (5000 bis 8000 Euro).

          Hier verlässt Hempel die Extreme; die Arbeiten werden von einer hitzeempfindlichen Farbe geformt. Beim „Kicker“ (5000 Euro) schließlich kommen die Spielfreudigen noch einmal voll auf ihre Kosten: Der Künstler definiert den hart umkämpften Tischfußball neu, indem er aus zwei Mannschaften eine gemacht und die Handgriffe durch Bohrmaschinen ersetzt hat - Sieg oder Niederlage sind ausgeschlossen.

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