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Aktuelle Kunst : Von starken Winden gezeichnet

Japanische Ästhetik erobert die europäische Museumsarchitektur. Dennoch werden Ausstellungen mit Gegenwartskunst aus Japan gerne übersehen. In Hamburg zeigt Rikuo Ueda, was der Wind für ihn gemalt hat.

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          Wenn in Europa in letzter Zeit ein großes neues Museum entsteht, kommen die Architekten auffallend häufig aus Japan: Dieser Tage eröffnet in Bad Münster am Stein das von Tadao Ando entworfene Steinskulpturenmuseum, die Dependance des Centre Pompidou zog gerade in einen Bau von Shigeru Ban in Metz, und die Dependance des Louvre im nordfranzösischen Lens wird von dem Tokioter Büro Sanaa geplant; dessen Gründerin Kazuyo Sejima ist Leiterin der Architekturbiennale von Venedig, die Ende August eröffnet.

          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Auf der letztjährigen Biennale in Venedig wurde die Künstlerbewegung Gutai wiederentdeckt - aber von japanischer Gegenwartskunst war in Europa bisher trotzdem bedauerlich wenig zu erfahren. Dabei gibt es vor allem in Deutschland hervorragende Galerien, die sich auf Japans neueste Kunst spezialisiert haben. Am Berliner Pfefferberg betreibt die in Tokio und New York ansässige Galerie Akira Ikeda eine Filiale, in der sie neben Klassikern wie On Kawara Künstler wie Noriyuki Haraguchi zeigt, der mit einem geheimnisvoll spiegelnden, liegenden schwarzen Riesenquadrat bekanntwurde.

          Wer sich dem minimalistischen Werk näherte, roch mehr, als er es sah, dass die perfekte, schwarzglänzende Oberfläche ein See aus Öl war. Ebenfalls in Berlin betrieb bis vor kurzem Marcello Farabegoli die Galerie Oko, die unter anderem den Illustrator und Holzschnittkünstler Takashi Ohno und die bemerkenswerte Künstlerin Hana Usui vertrat; sie ist zurzeit in einer Ausstellung zu Hans Hartung und dem Weiterleben des Informel im Berliner Kupferstichkabinett zu sehen. Farabegoli hat sich jedoch mittlerweile vom Markt zurückgezogen und steht nur noch als Berater zur Verfügung.

          In Hamburg hat sich die Galeristin Mikiko Sato etabliert; zurzeit zeigt sie den Künstler Rikuo Ueda. Er bezieht sich auf die kalligraphischen Traditionen seiner Heimat, in denen der Zufall, die plötzliche Abweichung der Hand, ein unerwarteter Widerstand eine große Rolle spielen; an Bäumen befestigt er Stifte, die hauchzart über Papieren schweben; bei jedem Windstoß berührt der Stift die Unterlage, so entstehen feine Zeichnungen, die einerseits Produkte des Zufalls und andererseits Ergebnisse von Naturkräften, von Wind und Schwerkraft sind. (Bis zum 10. September; Zeichnungen dreizehn mal zehn Zentimeter von fünfzig Euro an, große Zeichnung 24 mal 24 Zentimeter von 900 Euro an; japanische Holztür, bearbeitet, 90 mal 140 Zentimeter, 9000 Euro; Installation mit Zeichnungsapparatur 19.000 Euro.)

          Manchmal sticht der 1950 in Osaka geborene Ueda auch nur ein paar rote Beeren an, deren Tropfen aufs Papier fallen und auf verblüffende Weise an abstrakte japanische Tuschezeichnungen erinnern. Wer weiß, wie Uedas Zeichnungen und Aquarelle entstehen, betrachtet die seltsamen Formen und scheinbaren Zeichen anders - nämlich eher so wie die eigenartigen Muster, die der Wind im Sand hinterlässt, der über eine Teerstraße weht. Eine Kunst, die Zufälle und Naturkräfte sichtbar macht, hat eine lange Tradition in Japan. Dass sie auch in der Gegenwart fortgesetzt wird, zeigt sich in den neuen Galerien, die die dortige Kunstszene hierzulande bekannt machen.

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