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Aktuelle Kunst : Von einem Gummiband in die Welt katapultiert

  • -Aktualisiert am

Sie halten die Stellung in Düsseldorf: Ein Rundgang durch die Galerien von der Altstadt bis nach Bilk.

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          Gelassen und selbstbewusst zeigen sich die Düsseldorfer Galerien zur Jahresmitte, nachdem im Februar die Absage der Kunstmesse dc duesseldorf contemporary die Stimmung eingetrübt hatte. Bei einem Treffen mit Vertretern der Galerienszene im Juni gelang dem neuen Leiter der Art Cologne, Daniel Hug, im Zuge einer avisierten Kooperation mit den Kölner Kollegen ein Stimmungsumschwung, deren sichtbarstes Zeichen die Berufung des Düsseldorfers Hans Mayer für den Beirat der Art Cologne ist. Das notorische Fremdeln beider Kunststädte scheint der Hoffnung gewichen, gemeinsam dem Sog Berlins Paroli bieten zu können.

          Bis zum abgestimmten Saisonstart der Kölner Galerien am 30. August und der Düsseldorfer Galerien am 5. September halten auch in der Landeshauptstadt einige Galerien mit über den Sommer laufenden Ausstellungen das Publikum bei Laune. Guter Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Altstadt bis nach Bilk ist die Kunstakademie. In unmittelbarer Nähe präsentiert Wolfgang Gmyrek Malerei und Skulpturen von Peter Bömmels. Der Mitbegründer der Künstlervereinigung "Mülheimer Freiheit" und der Musikzeitschrift "Spex" entwirft eine Welt versponnener, emblematischer Motive, freundlicher Farben und schwieriger erotischer Beziehungsgeflechte. So droht ein Liebespaar auf dem Gemälde "Männlicher Irrtum" (13.000 Euro) aus dem Jahr 2007 von einem um sie herum gespannten Gummiband hochkatapultiert zu werden.

          Verhaltene Ausnahmezustände

          Auf dem Bild "Von der notwendigen Erwärmung des Winkels" (15.000 Euro), ebenfalls von 2007, schwebt ein am Galgen aufgehängter Winkel über einem betrübt blickenden Mann, aufgefunden von einer Wünschelrutengängerin. Begleitet werden die Bilder von Bronzebüsten (Auflage 7, je 12.000 Euro), Tuschezeichnungen (je 2600 Euro) und Pastellen (je 3800 Euro). (Bis 30. August.) Gleich ums Eck lädt die Galerie Bernd A. Lausberg zu einer Begegnung mit neuen Arbeiten von Jürgen Paas ein, der Ende der achtziger Jahre durch Buchobjekte bekannt wurde.

          Im Zentrum stehen zwei ausladende Installationen, "Jeu de Couleur" und "Cercles Couleur/Helix" in der Formensprache der konkreten Kunst. In beiden Fällen bilden auf die Wand gemalte, bunte Kreise - hier verteilt, dort zentriert - den Fond seiner Objekte, entweder aufgereihte quadratische Tafeln oder aufgerollte PVC-Bänder auf Metallstäben. Begleitet werden die Installationen von der Bildserie "POP" von 2008 mit gemalten oder aus Folien geklebten Kreisen und Kreissegmenten (Preise von 650 Euro an, Installationen 39 500 Euro; in kleinerer Fassung 2950 Euro.)

          Ein Ziegenbock lässt grüßen

          Weiter in südlicher Richtung lohnt ein Abstecher zu Remmert & Barth auf der Mühlenstraße, die ihr Programm mit Schwerpunkt auf Malerei und Graphik der zwanziger Jahre vorstellen. Dort, wo einst Udo Kittelmann als Mitarbeiter der Galerie Einblicke in die Kunstwelt erhielt, lässt sich in dichter Hängung ein feuriger Berg von Christian Rohlfs aus dem Jahr 1911 (12.000 Euro) neben einem Porträt von Lorenz Nierendorf, 1923 von Otto Dix gemalt (56.000 Euro), entdecken. Über dem Empfang grinst ein Ziegenbock von Wilhelm Rudolph (1200 Euro), um 1920, frech. Georg Baumgartens Gemälde "Der Hohn" von 1923 fand bereits als Stiftung seinen Weg ins Germanische Nationalmuseum nach Nürnberg. Der kleine Katalog zur Ausstellung kostet drei Euro.

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