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Aktuelle Kunst : Träume im Vakuum

  • -Aktualisiert am

Seine Motive sind wie aus der Zeit gefallen, seine Bildszenen wie aus einem bösen Film. Anna Klinkhammer zeigt in Düsseldorf die vergessenen Bilder des Richter-Schülers Klaus Kehrwald.

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          Die Biographie des Malers Klaus Kehrwald ist kurz: 1959 geboren, studierte er in Düsseldorf bei Gerhard Richter. Er lebte und arbeitete in Berlin; im vergangenen Jahr starb er im Alter von fünfzig Jahren. Nun zeigt Anna Klinkhammer in ihrer Galerie in Düsseldorf eine Übersicht über seine Malerei, die zu seinen Lebzeiten kaum wahrgenommen wurde.

          Eine Biographie wie die von Klaus Kehrwald zeigt eindringlich, wie wenig Präsenz und Erfolg am Markt mit einem autonomen künstlerischen Werk zu tun haben. Die Motive in Kehrwalds Malerei scheinen wie aus der Zeit gefallen: Von monochromen Schwaden überzogene Interieurs atmen die schlafwandlerische Präzision des Irrealen und die elegante Bedrohlichkeit des Film Noir.

          Kehrwald entwirft aufwendig möblierte Räume oder beklemmende, spartanisch möblierte Zimmer, die stets menschenleer sind und wie Schauplätze eines Verbrechens wirken. Bei aller Düsternis glimmt jedoch auch ein lakonischer Humor in den meist klein- und mittelformatigen Gemälden auf - die ornamentalen Furchen eines Gehirns verbinden sich aufs Schönste mit dem Muster eines Teppichs; ein andermal sitzt ein Gehirn wie ein unartiges Kind, das nicht aufessen will, am Tisch.

          Es gibt auch Sujets, die Klaus Kehrwald stärker mit den Künstlern seiner Generation verbinden, wie etwa mit Andreas Schulze, der mit seinen kleinbürgerlichen deutschen Szenen eine ihm verwandte Seele sein mag. Vom "Spitzen Kirchturm" bis zu Darstellungen utopischer Architekturen reicht das motivische Spektrum, doch auch Ansammlungen skurriler Vasen weckten das Interesse des Malers. Interieur, Landschaft, Stillleben - die Reflexion kunsthistorischer Topoi schimmert durch jede der menschenleeren Szenen. Taktile Malgründe wie Sackleinen oder Samt verleihen dabei den durchgängig flach aufgefassten Motiven eine irritierend objekthafte Materialität.

          Sammelstücke aus dem Berliner Heim

          Kunst und Leben waren bei Kehrwald untrennbar; dies bildet die Ausstellung ab, indem sie zusätzliche Elemente integriert. Ein Film seiner Frau Hanne, einer Dokumentarfilmerin, erkundet in der Ausstellung noch einmal in behutsamer Bewegung die Kehrwaldsche Wohnung als Privatuniversum, das von skurrilen Paraphernalia überquoll. So ist auch eine kleinteilige hängende Installation kein eigentliches Kunstwerk, sondern nur eines der zahllosen Sammelstücke aus dem Berliner Heim.

          Die Musik, das manisch gesammelte Gewirr von Fundobjekten, die nur dem Künstler etwas bedeuten konnten, Stimmen auf seinem Anrufbeantworter, die per Tonband abgespielt werden: Alles setzt sich in der sehenswerten Präsentation zu einem Ganzen zusammen und verhindert eine Atmosphäre postumer Musealisierung. In seiner Malerei fror Klaus Kehrwald all diese heterogenen Einflüsse in einem naiven Duktus gewissermaßen ein, dessen eindrückliche Kraft einem düsteren Traum zu entstammen scheint.

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